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Entscheidung gefordert

Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin Martina Horak-Werz

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Matthäus 10, 34–39

Durch Jesus soll nicht Frieden in die Welt kommen, sondern das Schwert? Nicht Versöhnung, sondern Entzweiung, sogar bis in die Familien hinein. Wie sollen wir denn das verstehen? Die Bergpredigt sagt doch etwas völlig anderes. Da lesen wir von der Feindesliebe und davon, dass wir die andere Wange hinhalten sollen. Wie passt das denn nur zusammen? Zu Beginn dieses Kapitels schickt Jesus seine Anhängerinnen und Anhänger ohne Reisetasche los. Danach folgen Ankündigungen, in denen Jesus eindringlich von Verfolgungen spricht, mit denen seine Leute rechnen müssen. Gegen Ende dieses Kapitels sagt er dann diese drastischen Worte. Vermutlich beschreibt dieser Text also, was die frühen christlichen Gemeinden tatsächlich erlebt haben.

Sie sollen wohl ermutigt werden, trotz allem durchzuhalten und an ihrem Glauben und ihrer Überzeugung festzuhalten. Unabhängig davon, wie schwierig sich das vielleicht gestalten kann und dass vielleicht sogar ihr Leben in Gefahr sein könnte, wenn sie zu ihrem Glauben stehen. Nämlich dem Glauben daran, dass Jesus die Liebe Gottes gelebt hat und erfahrbar gemacht hat für alle, die ihm begegnet sind, ohne Unterschiede. Jesus hat Möglichkeiten aufgezeigt, wie Menschen in Frieden und Gerechtigkeit miteinander leben können und hat den Menschen das Reich Gottes näher­ge­bracht. Jesus hat also keinesfalls zu Unfrieden und Krieg aufgerufen.

Wer sich jedoch für ein Leben in der Nachfolge Jesu entscheidet, muss wissen, dass das auch Konsequenzen hat. Diese Konsequenzen können durchaus auch schmerzlich sein. Auch wenn glücklicherweise in unserem Umfeld niemandes Leben bedroht ist, wenn wir unseren Glauben leben. Wir müssen uns aber auch immer wieder bewusst entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Ob wir wirklich an Gott glauben und versuchen wollen, Jesu Vorbild nachzueifern. Damit stellen wir uns manchmal gegen die Mehrheit.

Jede wirklich eindeutige Entscheidung sorgt dafür, dass Menschen getrennt und dafür andere zusammengeführt werden. Entscheidungen für oder gegen eine Arbeit an einem anderen Ort, für oder gegen einen Lebensstil, für oder gegen eine Musikrichtung, für oder gegen eine Partei, für oder gegen einen Menschen als Freund oder Freundin und ganz besonders eben Entscheidungen des Glaubens. Es gibt in manchen christlichen Kreisen die weitverbreitete Meinung, dass es unchristlich sei zu streiten. Dabei ist es doch wichtig, Konflikte auch auszutragen. Wir sind oft viel zu harmoniebedürftig und ängstlich und scheuen uns, klare Worte zu sprechen. Frieden im Sinne Jesu bestätigt nicht, wenn Unrecht geschieht. Der Frieden Jesu kann auch nicht Einigkeit heucheln, wo Menschen sich längst auseinander gelebt haben. Der Frieden Jesu hält nicht still, wo wir unsere Ruhe haben wollen.

Die Waffe in der Hand Jesu, von der hier die Rede ist, spricht eine deutlich andere Sprache. Faule Kompromisse lassen sich nicht länger aufrechterhalten. Wo Unrecht geschieht, muss mit dem Finger darauf gezeigt werden. Auch wenn wir uns damit unbeliebt machen. Wo Menschen leiden, weil andere sie quälen, da dürfen wir nicht wegsehen und den Mund halten.

Was uns dafür in Aussicht gestellt wird, das ist ein erfülltes, sinnvolles Leben in der Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben. In der großen bunten Familie der weltweiten christ­lichen Kirche. Denn Jesus holt die Zusage von Leben und Heil als Vor­ge­schmack auf Gottes Reich hinein in unseren Alltag. Wir sollen es erleben können, was wahres, erfülltes Leben bedeutet. Die Zusagen Jesu auf wahres Leben wecken Wünsche und Hoffnungen in uns, die alle bisherigen Kompromisse und Zugeständnisse übersteigen. Wahres Leben muss doch einfach mehr sein als das Leben mit faulen Kompromissen. Das Leben, das Gott uns geben will, hält mehr für uns bereit. Das Reich Gottes fängt mitten unter uns an. An uns ist es, uns darauf einzulassen.

Martina Horak-Werz ist Pfarrerin im ­Kirchenbezirk ­Neustadt.

Gebet

Gott der Liebe, lass uns Gleichgesinnte finden, mit denen wir gemeinsam gegen Unrecht vorgehen können, Menschen, mit denen wir zusammen gute Lösungen finden können, die der Gemeinschaft dienen, Leben erhalten und deine gute Schöpfung bewahren. Gib du uns immer wieder neuen Mut und neue Kraft. Behüte und bewahre uns. Amen.

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Matthaeus 10, 38: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Foto: pixabay
Matthaeus 10, 38: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Foto: pixabay

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