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Am Ende siegt die Liebe

Andacht zum Sonntag Exaudi

von Pfarrerin Christine Gölzer

Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt für die Heiligen ein, wie Gott es will. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Römer 8, 26–30

Eben noch haben sie mit ihm am See Genezareth gestanden, haben Fisch gegessen, haben geredet, gelacht, die Zeit genossen. Und jetzt bleibt ihnen das Nachsehen – sie bleiben zurück und Jesus ist in den Himmel entschwunden. In meiner Fantasie war das sicher kein einfacher Tag für die Jüngerinnen und Jünger. Viele Fragen bleiben. Alles Sichtbare und Greifbare ist weg. Ihr Glaube muss sich jetzt erst so richtig bewähren, jetzt wird es schwierig. Sie können nicht mehr kurz fragen, wenn sie Rat brauchen, nicht mehr in seine Augen schauen, wenn sie spüren wollen, wie er sie ansieht. Und es geht ihnen im Grunde wie uns allen: Sie müssen ihren Glauben an Unsichtbarem, schwer Greifbarem festmachen.

Der Sonntag Exaudi liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – ein bisschen dazwischen also. Und er trifft damit ein Lebensgefühl, das aus meiner Sicht zurzeit unseren Glauben prägt und das eben auch die Jüngerinnen und Jünger verspüren mussten.

Es wäre doch wirklich schön, wenn all die grausamen Bilder von Krieg und Zerstörung, vom Leid und Schmerz der Menschen zugunsten einer heilen Welt weichen würden. Es wäre doch an der Zeit, dass Gott hier endlich mal eingreift und dem Rad der Zerstörung und des Hasses in die Speichen langt.

Ach Gott – ein tiefer Seufzer über all das Unfassbare entfährt da sicher nicht nur mir. Ach Gott, lass es enden, stehe deiner Schöpfung, deinen Geschöpfen bei. Hilf uns heraus aus dem ganzen Schlamassel. Beende endlich den Krieg in der Ukraine und an so vielen anderen Stellen dieser Welt. Hilf uns, deine Schöpfung zu bewahren und die Erderwärmung zu begrenzen. Stärke und tröste uns, wenn eigenes Leid unser Leben unerträglich werden lässt. Ach Gott, mach du es uns doch nicht auch noch so schwer, lass dich greifen und fühlen, hilf uns heraus!

Ach Gott – Paulus versucht sich in Antworten – er setzt auf Gottes Geist. Er vertraut fest darauf, dass Gott schon alles gut werden lässt – und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Wir sind im Zentrum paulinischer Theologie in diesem 8. Kapitel des Römerbriefs, und einige der schönsten Glaubenssätze finden sich in unserem Bibelwort heute und in den Versen drumherum.

„Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ heißt es da gleich zu Beginn. Und das finde ich entlastend und schön. Ja, Gott, ich bin schwach, ich zweifle, hadere mit dir – aber in und trotz all dem hilft mir dein Geist zu spüren, dass diese Welt mit all ihren Schrecken nicht alles ist. Er zeigt mir, dass es noch einen Geist gibt, der nicht von dieser Welt ist, der mich beten lehrt und meine Stoßseufzer bündelt. Und so hilft mir der Geist auch, ruhig zu werden in Gott. Er lässt mich spüren, dass am Ende die Liebe siegen wird. Und natürlich ist es auch der Geist, der mich aus der Mutlosigkeit herausholt und mir hilft, an der ein oder anderen Stelle etwas von dieser Liebe hinauszutragen in die Welt.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Noch so ein Spitzensatz, so ein Hoffnungssatz. Manchmal ist es schwer, das nachzusprechen – zu viel Leid um mich herum, und da klingt das manchmal eher zynisch. Und doch schreit Paulus hier gegen alle Zweifel und alles Leid der Welt diese Gewissheit hinaus: Wo Gottes Geist in uns wirkt, da wird uns all das bei Gott nichts anhaben.

Mit meinem absoluten Trostsatz endet dieses 8. Kapitel: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Die Jüngerinnen und Jünger mussten lernen, zu glauben ohne zu schauen – wir sollten es ihnen gleichtun und in all dem, was uns hier begegnet, diese Gewissheit gegen allen Augenschein hochhalten und danach leben und damit unserem Seufzen eine Richtung geben: Ach, Gott! Hilf mir und meinem Geist!

Christine Gölzer ist seit 2013 Pfarrerin an der Dreifaltigkeits­kirchengemeinde in Speyer.

Gebet

Ach Gott, du lebendiger Gott, schicke uns deinen Geist mitten hinein in unsere Schwachheit, in unsere Zweifel und in unser Fragen. Lass nicht die Angst das letzte Wort über uns haben, sondern schenke uns die Gewissheit, dass nichts uns scheiden kann von deiner Liebe. Amen.

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Ein Hoffnungssatz: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Foto: pixabay
Ein Hoffnungssatz: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Foto: pixabay

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