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Interview mit Urd Rust

Pfarrerin Urd Rust ist nach 16 Jahren Dienst im Kindergottesdienstpfarramt in den Ruhestand gegangen. KiKi fragt nach.

Was war für dich in deiner Arbeit das Salz, also ganz besonders wichtig?

Der Perspektivwechsel, den die EKD-Synode 1994 in Halle/Saale gefordert hat. Das war ungefähr auch der Zeitpunkt, an dem ich als Ehrenamtliche in die übergemeindliche Arbeit mit Kindern eingestiegen bin und Dekanatsbeauftragte wurde. Diese neue Sichtweise auf die Kinder, mit denen wir feiern und arbeiten, hatte im Laufe der Zeit immer größere Konsequenzen für meine persönliche Einstellung und alle Projekte. Vor allem war das wichtig für die Art, wie ich Gottesdienste mit Kindern feiern wollte. Damals entstand die KinderKirche, Gottesdienste mit der Kita, die die Kleinen als Gottesdienstbesucherinnen und -besucher ernst nehmen wollte und nicht als „goldige“ Darstellerinnen und Darsteller liturgischer Elemente. Für Erwachsene ist der Perspektivwechsel keine leichte Übung. Methodisch hat er im Laufe der Jahre einiges bewirkt, zum Beispiel beim Theologisieren mit Kindern.

Was war das Salz in der Suppe der Landeskirche?

2006 beschloss die Landessynode, dass in unserer Landeskirche alle getauften Kinder zum Abendmahl zugelassen sind. Dafür hatten wir im „Forum Kind und Kirche“ so viele Jahre gekämpft. Wir konnten deutlich machen, dass es kein biblisch-theologisches Argument dagegen gibt. Bis heute ist das EKD-weit noch nicht überall beschlossen. Inzwischen dürfte die Teilnahme von Kindern am Gemeindeabendmahl in unseren Kirchengemeinden üblich geworden sein.

Gab es auch versalzene Momente?

Ich erschrecke manchmal darüber, dass sowohl Eltern als auch Presbyterinnen und Presbyter und sogar Kolleginnen oder Kollegen dieses Gesetz gar nicht kennen und es immer noch als Entscheidung der Pfarrperson vor Ort betrachten. Auch dass damit verbunden eine intensive Vorbereitung der Kinder nötig wird, ist oft aus dem Blick geraten. Vielleicht ist es ja Zeit, manche Themen der letzten Jahre, die erledigt schienen, wieder aufzugreifen.

Was waren gut gesalzene Höhepunkte in deiner Arbeit?

Das waren sicher die besonderen Gottesdienste und Veranstaltungen, die wir gemeinsam geplant und gefeiert haben. Da habe ich Ehrenamtliche erlebt, die sich auf Neues einlassen, Ideen aufnehmen und weitertreiben, mit Begeisterung bei der Sache sind und diesen Geist dann auch reichlich weitergeben. Ob das Gottesdienste vor Ort in den Gemeinden, Kinderkirchentage auf Dekanatsebene, unsere Kindergottesdiensttage für die Mitarbeitenden in unserer Landeskirche oder die Gesamttagungen auf EKD-Ebene, es war immer aufregend in der Vorbereitung aber auch so beglückend. Das war die wichtige Würze der Arbeit.

Wo hättest Du dir mehr Würze gewünscht?

Ich hätte mir gewünscht, dass es sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Verantwortlichen mehr Menschen gibt, die Kinder nicht nur deshalb für unsere Gemeinden und Gottesdienste wichtig finden, weil sie „niedlich und goldig“ sein können. Wenn wir tatsächlich davon überzeugt sind, dass Kinder „Zukunft sind“, dann müssen wir sie in der Gegenwart wahrnehmen, finanziell und strukturell ernst nehmen und vor allem beteiligen! Sonst gehen sie uns nämlich in Zukunft verloren.

Das Thema für den Kigondergottesdienst-Tag 2020, der wegen Corona nun leider ausfällt, sollte „Mehr Salz“ sein. Warum?

Das Motto solltedoppeldeutig gelesen werden, denn im Hintergrund des Plakates war ein Bild von Meer und Strand. So einen Tag, der ja für alle, die in der Kirche mit Kindern arbeiten, gedacht ist, wird mindestens drei Jahre lang von einer eigenen Arbeitsgruppe geplant. 2016 war in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum unser Motto „Das ist der Hammer“ und als Tagungsschlager hatte sich „Ihr seid das Salz der Erde“ von Andreas Malessa entwickelt. Ich glaube, das war der Auslöser: Wir sind Salz der Erde – und wir glauben, dass Zeit für mehr Salz ist! Das Meeresbild sollte die Fantasie anregen für kreative Ideen und Methoden. Die drei Jahre Vorbereitung sind auch nicht verloren. Es wird wieder einen Tag für die Mitarbeitenden in der Kirche mit Kindern in unserer Landeskirche geben. Der wird vielleicht anders aussehen als sein Vorgänger, aber die Ideen und viele Materialien sind schon da und warten im Keller des Pfarramtes für Gottesdienste mit Kindern und Familien auf ihren Einsatz. Aber das wird dann eine der Aufgaben für meinen Nachfolger sein.

Das Interview mit Pfarrerin Urd Rust führten Anke Höhn und Florian Riesterer

Eine Bilanz der Arbeit von Urd Rust als Pfarrerin für die Kindergottesdienst-Arbeit in der Landeskirche lesen Sie im KIRCHENBOTEN, Ausgabe 45: Kinder in der Kirche ernst nehmen



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