Zehn Jahre, so schätzt es Birgit Weindl, ist es her, dass sie sich bei einem Kreativworkshop zu biblischen Impulsen an ein Experiment wagte. „Ihr sei das Salz der Erde“, dieser Satz aus dem Matthäusevangelium inspirierte die Kunstbeauftragte der Landeskirche. „Beim Salz ist das richtige Maß ganz entscheidend, das ist das interessante“, sagt Weindl. Zu viel Bibel oder zu wenig, zu viel Mission oder zu wenig, diese Spannungsfelder gelte es ja auch auszuloten im übertragenen Sinne, darin bewege sie sich auch als Bildungsreferentin der Landeskirche.

Für ihr Experiment schlug sie die Bibel an eben jener Stelle auf. Dann bestrich sie die Stelle mit gesättigter Salzlösung. Anschließend trocknete sie die antiquarische Bibel im Backofen. Immer wieder bestrich sie so nach und nach die Bibel. Indem das Salz auskristallisierte, immer dickere Brocken bildete, wuchs die Bibel, wurde groß und blätterte sich auf.

Heute liegt sie zur Sicherheit vor Feuchtigkeit in einem Salzbett. „Besucher sind fasziniert, wollen sie immer anfassen“, sagt Weindl. Zu lesen sind die Worte unter der weißen Salzschicht kaum noch. Und dennoch: Der Inhalt der Bibel ist in jedem Fall konserviert vor Schimmel – auch eine Funktion des Salzes. flor