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Das Salz in der Suppe?

Wir sind die Kleinen in den Gemeinden … das Lied von Jürgen Fliege und Dietmar Fissel gibt es seit fast vierzig Jahren und es hat sich zu einem echter Schlager bei Gemeinde- und KiTa-Festen entwickelt und ist auch außerhalb der Kirchengemeinden ein gerne vorgetragenes Lied. Der Text ist ja auch wirklich gut: Kinder machen mit und möchten mitmischen. Ohne Kinder geht gar nichts in der Gemeinde. Oder es geht schief – da würde aber Einiges schief laufen, wenn das zuträfe! Und dann diese wunderbaren Bilder, allen voran das „Salz in der Suppe“. „Licht in der Nacht“? – das könnte beim Laternenumzug wahr werden, aber sonst? „Hefe im Teig“ – ein starkes Bild, das Voran-Treiben und Anwachsen assoziiert. „Schatz im Acker“ – lässt an Wertschätzung und besondere Fürsorge denken. Wahrhaft ein richtiges Programm!

Aber ist es denn so? Sind die Kinder das Salz in der Suppe der Gemeinden? Werden sie außer als „Lichtpunkte“ im Festprogramm an anderen Stellen als erhellend, als Ideengeber wahrgenommen? Wenn sie wirklich als Triebkraft in Gemeinden auftreten können, stellt sich das tatsächlich als großes Wachstumspotential heraus. Davon können die Gemeinden erzählen, die sich auf Kinder und ihre Familien ausrichten, sie wahrnehmen, ihren Bedürfnissen mit ihren Angeboten entgegenkommen und nicht ständig darauf schielen, durch ihr Engagement und Konzept mehr Menschen in die Sonntagsgottesdienste zu bekommen. Das könnte sich tatsächlich ergeben – muss es aber nicht. Kinder und Familien brauchen Angebote – auch gottesdienstliche Modelle – die ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entgegenkommen. Und die können auch anders aussehen als ein Gemeindegottesdienst am Sonntagmorgen. Das zeigen die vielen flexiblen Modelle von Gottesdiensten mit Kindern in unserer Landeskirche.

Was macht eine Kinder- und Familien-freundliche Gemeinde aus? Der Tritthocker im Klo oder vor den Waschbecken allein kann es doch nicht sein. Obwohl der schon ein Signal ist, dass da jemand mitgedacht hat. Und eine Spielecke im Gottesdienstraum ist auch noch kein Beweis, wenn sie nicht sorgfältig betreut und in das Gottesdienstkonzept eingebunden ist. Am Anfang muss sicher erst einmal die ganze (auch kommunale) Gemeinde sehr genau ins Auge gefasst werden. Wer lebt hier und für wen können wir unterstützende und attraktive Angebote zur umfassenden Lebenshilfe konzipieren? Wir suchen die Orte, wo die Menschen sind und leben mit ihnen, lernen sie vielleicht erst kennen und schauen, was unsere Angebote sein können. Und dabei ist es hilfreich, die eigenen Erwartungen erst mal ganz hinten anzustellen. Dann wird es sich entwickeln, wir werden Menschen finden, die mitmachen – wahrscheinlich auch solche, von denen es niemand gedacht hätte. Und es wird eine Vielfalt von Angeboten entstehen, die vernetzt und am besten in ein Gemeindekonzept, das Übergänge erleichtert, eingebunden sind. So brechen Kontakte nicht ab, wenn Kinder aus Angeboten herauswachsen.

Aber wie können denn die Kleinen tatsächlich eine mit-entscheidende Rolle spielen? Es ist in der Tat nicht ganz einfach und auch in unserem Alltag oft nicht eingeübt, Kinder mitentscheiden zu lassen, wenn es um ihre Belange geht. In den KiTas gibt es oft Kinderparlamente, so dass viele Kinder demokratische Regeln schon kennen. In den Schulen sind diese Bestrebungen auch vermehrt zu beobachten. Es wäre wünschenswert, wenn Eltern darin geübter wären. Wir beobachten und erleben unangenehm die Extreme: Kinder, über die stets ungefragt bestimmt wird und Kinder, die über Dinge entscheiden dürfen oder sollen, die sie überfordern – beides mit fatalen Folgen für das Zusammenleben. Kinder ernst zu nehmen bedeutet zunächst die Frage: Sind sie von einer Entscheidung betroffen? Wenn ja, dann müssen Argumente gesammelt und abgewogen werden, wir müssen reden – miteinander und mit den Kleinen. Sie können es lernen – wir Erwachsenen aber auch. Und das wird ganz gewiss ein Gewinn sein.

Urd Rust, Pfarrerin für Gottesdienste mit Kindern und Familien in der Evangelischen Kirche der Pfalz



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