Gab es schon immer Brot?

Seit mehreren tausend Jahren essen Menschen Brot. Die alten Ägypter waren wahrscheinlich das erste Volk, das das Brotbacken, so wie wir es kennen vor 6000 Jahren entwickelten. Sie entdeckten nämlich, dass Brot aufgeht, wenn man Hefepilze und Michsäurebakterien hinzugibt und dann wartet. Sie wurden deshalb früher auch „Brotesser“ genannt. Seit damals ist im europäischen und arabischem Kulturraum das Brot ein Hauptnahrungsmittel.

Das Wort „Brot“ selbst stammt aus dem Althochdeutschen „prot“ und bedeutet „Gegorenes“ - was zu den Hefepilzen und Milchsäurebakterien passt.

Es gibt viele verschiedene Brotsorten – allein in Deutschland gibt es mehr als 600 Sorten von Schwarz-, Misch- und Weizenbrot. Auf der Welt existieren noch viel mehr verschiedene Brotsorten. Die Brote sind so vielfältig wie die Kulturen auf der Welt. Verschiedene Brotsorten sind zum Beispiel: Toastbrot, Baguette, Ciabatta, Knäckebrot, Vollkornbrot, Pumpernickel, Tortilla, Zwieback, Matze, Pita und Naan-Brot. Welche davon kennst du und hast du schon probiert?

 

Welche symbolische und religiöse Bedeutung hat Brot?

Das Brot ist nicht nur eines der wichtigsten Lebensmittel in vielen Ländern, sondern hat für viele Menschen auch eine symbolische und religiöse Bedeutung.

Bedeutung von Brot im Christentum

Im Christentum bitten die Menschen zum Beispiel im „Vater Unser“ um tägliches Brot. Das bedeutet, dass sie nicht allein für genügend Essen beten, sondern auch dafür, dass sie im Leben insgesamt alles haben, was sie brauchen.

In der Bibel gibt es viele Geschichten von Jesus, in denen es auch um Brot geht: wenn Jesus und seine Freunde zusammen gegessen haben, hat Jesus das Brot in seinen Händen gehalten und Gott dafür gedankt. Dann hat er es geteilt und jeder hat ein Stück von dem Brot bekommen. So hat Jesus daran erinnert, dass Gott uns alles schenkt, was wächst und was wir zum Leben brauchen. Daran erinnern wir uns bei jedem christlichen Abendmahl beim Gottesdienst, bei dem Brot geteilt wird.

Das Teilen des Brotes in einer Runde soll Gemeinschaft und Gastfreundschaft repräsentieren. Ein Gefühl von Wärme, Verbundenheit und Fürsorge entsteht. Außerdem steht es für die Hoffnung, dass es allen Menschen gut geht. Es ist eine Einladung, uns unsere Herzen füreinander zu öffnen.

Auch im Islam und im Judentum gibt es den Brauch vom Teilen des Brotes. Der Brauch dient als Ritual, welcher vom Ranghöchsten der der Runde durchgeführt wird und soll Segen bringen und die Menschen als Gemeinschaft zusammenbringen.

Nicht zuletzt werden bei vielen religiösen Bräuchen im Christentum spezielle Brote gebacken (z.B. Erntedankbrot, Osterzopf, Weckmänner).

Bedeutung von Brot im Judentum

Beim jüdischen Pessachfest spielt ein bestimmtes Brot, die „Matze“, ein dünner Brotfladen, eine wichtige Rolle. Das Pessachfest wird im Frühling gefeiert und dauert acht Tage. Das Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft. Deshalb ist es auch unter dem Namen »Fest der Freiheit« bekannt.

Es heißt, als die Israeliten Ägypten verließen, waren sie so in Eile, dass es keine Zeit mehr gab, auf das Aufgehen des Teigs zu warten. Daher aßen sie Matze, ein ungesäuertes Brot. Das Essen von Gesäuertem ist während des Festes verboten.

Aber was ist Gesäuertes? Gesäuertes entsteht in dem Moment, in dem eine der fünf Getreidearten, also Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel, für mindestens 18 Minuten mit Wasser in Kontakt kommt, da dann der Säuerungsprozess beginnt. Jedes Lebensmittel, das dieses Gesäuerte beinhaltet oder daraus hergestellt wird, soll also während des Pessachfestes nicht gegessen werden.

Matze entsteht, wenn man eine der fünf zu Mehl gemahlenen Getreidesorten, meist Weizen, mit Wasser zu einem Teig vermischt, diesen kräftig knetet, ihn ausrollt und dann backt. Dabei muss nicht nur genau darauf geachtet werden, dass das Mehl nicht schon vorher mit Wasser in Berührung kam, sondern es ist wichtig, dass der gesamte Herstellungsvorgang, also das Mischen, das Kneten und das Backen, nicht länger als 18 Minuten dauert. Wenn dieses Zeitlimit eingehalten wird und damit geeignete Matze für das Pessachfest entstanden ist, kann diese wiederum beliebig weiterverarbeitet werden, da eine Säuerung nun ausgeschlossen ist.

Betrachtet man sich die Matze näher, diese flachen, ursprünglich runden und inzwischen meist quadratischen Brote, so fällt es einem nicht schwer, sich vorzustellen, weshalb dieses Nahrungsmittel auch als das »Brot des Leidens«, bezeichnet wird. Dieses einfache Brot symbolisiert die Not, die Entbehrung und das Leid, das die israelitischen Sklaven unter der ägyptischen Willkürherrschaft ertragen mussten.

Bedeutung von Brot im Islam

Brot gilt im Islam als heilig. Zu jedem Gericht wird fast immer auch Brot gereicht. Fällt Brot auf den Boden, so ist es fast eine Sünde und es wird mit 3-maligem „Küssen an die Stirn heben“ wieder aufgehoben.

Ein spezielles Brot, das Pide genannt wird, wird während des Fastenmonats Ramadan hergestellt. Während des Ramadan wollen viele Muslime einmal besonders über ihren Glauben nachdenken und ihrem Gott, Allah näher kommen. Dieses Fasten, also kein Essen und kein trinken während der hellen Tageszeit, ist für Muslime ein wichtiges Gebot. Es steht im Koran und gehört zu den "Fünf Säulen des Islam". Pide ist ein Fladenbrot aus Hefeteig, rund oder länglich flach. Es wird vor dem Backen mit Ei und Butter oder Öl bestrichen. Das Brot wird auf Türkisch z.B. Ramazan Pidesi genannt. Es wird während des Ramadan, wie alle anderen Speisen, nur nachts gegessen, vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang.