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Angst und Corona

Kinder in Zeiten von Abstand, Hygienevorschriften und Ängsten

Covid- 19 hat Auswirkungen auf uns alle: wir müssen Masken tragen, Abstand halten, können nicht mehr einfach so ins Schwimmbad gehen und das Sommerfest in Schule oder KiTa ist leider auch ausgefallen. Covid- 19 schränkt uns im Alltag ein. Und wie reagieren Kinder auf die Pandemie?

In den KiTas unserer Landeskirche kommen Erzieher*innen mit den Kindern ins Gespräch und erfahren, wie sie Corona erleben, wie es ihnen während der Kontaktsperre ergangen ist und wie sie den Alltag mit Abstand, Masken und Hygienevorschriften erleben. Es ist wichtig, dass die Kinder einen Gesprächspartner haben, mit dem sie über ihre Gefühle, Gedanken, Ängsten, Fragen und Hoffnungen sprechen können und der genau hinhört, was die Kinder in der Zeit des Kontaktverbots, aber auch danach, als sie nur eingeschränkt die KiTa besuchen durften, erlebt haben. Erzieher*innen zeigen den Kindern, dass sie gerne nachfragen dürfen und mit Fragen oder Gesprächswünschen zu Ihnen kommen können. Das ist wichtig, denn Kinder spüren sehr genau, ob das Gegenüber zu solchen Gesprächen bereit ist oder innerlich eher hoffen, nicht gefragt zu werden.

Die Kinder der "Kita Wiesenhüpfer" in Maxdorf haben sich dem Thema künstlerisch angenähert und Bilder zur Frage „Wie sieht Corona aus?“ gemalt. Ihre Erzieherinnen haben auf die Bilder geschrieben, was die Kinder zu ihren Bildern erklärt haben. Dabei wird einiges deutlich:

  • Kinder haben Angst, fühlen sich bedrückt.

  • Sie kennen sich aus mit den Hygiene- Regeln.

  • Kinder bekommen mit, was in Medien kommuniziert wird und kennen den Stand der Wissenschaft (Wie verbreitet sich das Virus? Für wen ist es gefährlich? Wie können wir uns schützen?)

  • Sie wissen, dass Corona lebensgefährlich sein kann und greifen die Themen Sterben und Tod auf.

  • Kinder machen sich Gedanken darüber, wie sich Corona ausbreitet bzw. wie der Körper Corona besiegen kann; ein Kind erzählt von seinem „Team“ mit dem es alle wieder gesund machen möchte.

 

Weitere Ideen, um das Thema „Corona- Situation“ mit Kindern zu gestalten:

  • Ein Glas aufstellen, in das wir Zettelchen werfen:
    Wenn Corona wieder weg ist, dann möchte ich unbedingt…

  • Merk- Zettelchen schreiben:
    Solange Corona ist, kann ich nicht alles machen.
    Aber dafür habe ich Zeit, um…
    Ich möchte die Zeit nutzen, um…

Nach den Sommerferien startet in den KiTas und Schulen der Regelbetrieb, d.h. die Kinder sind in ihrem Alltag wieder weniger eingeschränkt und hoffentlich können sich viele Ideen, Wünsche und Sehnsüchte, die sich vor den Ferien angesammelt haben, erfüllen.

Denn soviel ist uns allen klar: Kinder möchten die Welt entdecken und erkunden. Masken, Abstandhalten und Kontaktbeschränkungen hintern sie dabei, neugierig die Welt zu erforschen. Kinder merken ganz genau, dass durch Corona auf der Straße weniger gegrüßt wird, Familien sich aus dem Weg gehen, Menschen sich abwenden, mit denen vorher ein kurzer Plausch im Vorbeigehen alltäglich war. In welcher Welt leben wir denn plötzlich? Muss ich Angst haben vor den anderen? Was darf ich überhaupt? Habe ich jetzt eigentlich Corona? Habe ich etwas falsch gemacht?

Corona hat das Leben der Kinder (und auch das der Erwachsenen) auf den Kopf gestellt in KiTa, Schule und Sportverein, Chor, Sommerfest, Kerwe etc. Der Kontakt zu den Großeltern wurde schmerzlich vermisst (und beim Wiedersehen war die Unsicherheit groß, wie man miteinander umgehen „darf“). Als der gewohnte Tagesablauf entfiel, der Kontakt zu Gleichaltrigen extrem eingeschränkt war, Freund*innen nicht besucht wurden und Freizeitangeboten, Parks sowie Spielplätze geschlossen waren, waren die Kinder in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und es fehlten die Freiräume jenseits des familialen Wohnumfeldes. Viele Kinder erlebten das Gefühl der Einsamkeit. Es wurde mehr Zeit in der Familie verbracht, die Eltern waren aber nicht selten durch eigenes Home- Office und die Herausforderung des Home- Schoolings an der Grenze ihrer Kapazität. Diese Situation mit Kindern zu reflektieren, ihren Gefühlen Ausdruck verleihen zu können und mit ihnen auszusprechen, was sie erlebt und gespürt haben, erscheint mir unheimlich wichtig. So kann das Erlebte verarbeitet werden und falls es (hoffentlich nicht!) zu erneuten Einschränkungen kommen sollte, können Erzieher*innen und Eltern mit diesem Wissen im Hinterkopf überdenken, was sich die Kinder wünschen, was sie brauchen und worauf wir Erwachsenen unbedingt achten sollten.

Anke Höhn, KiTa- Fachberatung im Diakonischen Werk Pfalz

Zum Weiterlesen:

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat eine Studie erstellt zum Thema „Studie zum Thema „Kindsein in Zeiten von Corona. Erste Ergebnisse zum veränderten Alltag und zum Wohlbefinden von Kindern“. Sie ist zu finden unter: https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/dasdji/themen/Familie/DJI_Kindsein_Corona_Erste_Ergebnisse.pdf



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