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Wie können biblische Geschichten für Kinder hilfreich und wichtig sein?

Das Erzählen biblischer Geschichten füllt den Seelenproviant von Kindern

Kinder lieben Menschen, die Geschichten erzählen. Familiengeschichten, Märchen und Geschichten aus der Bibel. Denn diese Geschichten sind gefüllt mit vielfältigen Erfahrungen und Emotionen, die Kinder für ihre individuelle Entwicklung brauchen.

Erzählte Geschichten laden ein zum Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Begreifen.

Dabei entstehen eigene Erfahrungs-Bilder. Neurowissenschaftler haben entdeckt, dass unser menschliches Gehirn ein Erfahrungs-Sammelorgan ist. Besonders die in der Kindheit gespeicherten emotionalen Erfahrungen haben als „Innere Bilder“ lebenslang Einfluss auf unser Denken, Handeln, unsere Entscheidungen und auch auf unseren Glauben. Sie sind wie ein lebenslanger Seelenproviant.

Beim Erzählen biblischer Geschichten geht es also nicht um die Vermittlung von Bibelwissen, sondern um die Stärkung von Resonanzen zwischen Erzählung und Kind, um ein Berührt-Werden.

Das ist bei jedem Kind ganz unterschiedlich, wann und wo eine biblische Erzählung wirkt. Je nach eigenen Vorerfahrungen, nach Gemütslage und innerer Verfasstheit wirken biblische Erzählungen auf vier unterschiedlichen Wirkfeldern:

Viele Kinder entdecken ihre Lebenswelt ganz intensiv über ihre Emotionen, ihre Gemüts-empfindungen. So nehmen sie auch erzählte Bibelgeschichten wahr.

Sie spüren ein großes Gefühlskino zwischen Freude und Traurigkeit. Sie weinen beim Weg Jesu zum Kreuz, sie freuen sich riesig mit, wenn David König Saul beim „großen Geschäft“ überlistet.

Viele Kinder entdecken ihre Lebenswelt intensiv über ihre Beziehungen zu den Menschen, den sie vertrauen. So erleben sie beim Erzählen eine große Nähe zur Erzählerin selbst oder zu Personen in der erzählten Geschichte: Zum blinden Bartimäus, oder zu Jesus, der die Kinder segnet. Manchmal gehen sie auch auf Distanz zu biblischen Personen.

Andere Kinder entdecken ihre Lebenswelt angetrieben durch eine hohe Motivation zum Handeln: Das tut mir jetzt gut, wenn ich auf den Baum klettere. Das tut anderen gut, wenn ich die gepflückten Äpfel teile. So bitten sie mit roten Wangen nach einer erzählten Bibelgeschichte: Erzähl noch einmal!

Oder sie haben hundert Ideen, barmherzig zu handeln, wie der Samariter.

Wieder andere Kinder entdecken ihre Lebenswelt vor allem durch Fragen und Nachdenken und Konstruieren ihres eigenen Gottesbildes. Ihnen helfen biblische Geschichten mehr über sich selbst zu erfahren und ihre Lebenserfahrungen zu deuten: So bin ich Menschenkind! Oder so begegnet mir Gott: Barmherzig und gütig, wie ein guter Vater. Er ist wie Sonne und Licht, wie eine Burg, ein Fels oder eine Quelle frischen Wassers.

Es geht also nicht darum, dass Kinder eine erzählte Bibelgeschichte ganz verstehen. Kinder hören immer fragmentarisch das heraus, was sie in ihrer Situation und Stimmung gerade jetzt brauchen.

Im Gespräch nach einer Erzählung werden die Resonanzen, die gewirkt haben, hörbar und sichtbar:

Was war für dich das Schönste in der Geschichte? Was war für dich das Wichtigste?

Oder im freien Gestalten mit wertvollen Materialien. Dort zeigen sich die die Berührungspunkte mit einer Geschichte. Und die sind sehr unterschiedlich und hängen niemals am Alter eines Kindes.

Besonders im Kindergottesdienst begegnen Kinder Erzählerinnen, die der heilsamen Wirkmächtigkeit von erzählten Bibelgeschichten vertrauen. Seelenproviant für den oft rauhen Lebensalltag.

Pastor Dirk Schliephake, Beauftragter der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers für Kindergottesdienst



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