Die Phase der Kindheit und Jugend ist wie keine andere Lebensspanne geprägt von Übergängen, die auf dem Weg zum Erwachsenwerden in kürzester Zeit bewältigt werden müssen. Die beginnt mit dem Wechsel vom Elternhaus in Kindergarten und Grundschule und setzt sich beim Übertritt in verschiedene Schulformen fort. Dazu kommen Übergänge in besonderen Lebenssituationen wie Umzüge, Scheidung der Eltern, usw. Die Frage „Was kommt nach dem Übergang?“ wird dagegen in der kirchlichen Arbeit mit jungen Menschen noch viel zu wenige beachtet und ist oft mehr dem Zufall überlassen. Dazu kommt die Beobachtung vieler Jugendstudien, dass die religiöse Sozialisation im Elternhaus und die Kirchenverbundenheit immer mehr zurückgehen. Für ein Gefühl der Beheimatung in Kirche ist es daher notwendig, Strukturen zu entwickeln, die das Hineinwachsen von Kindern und Jugendlichen in Kirche ermöglichen. Die entscheidende Frage lautet dabei: „Wie muss Kirche aufgebaut sein, damit sich Kinder und Jugendliche von Beginn an – sprich mit der Taufe – in Kirche als Gemeinschaft aller Glaubenden hineinleben können und sich als junge Christ*innen in ihr beheimatet fühlen?

Versteht man die Taufe beispielsweise als Ritus der Eingliederung in die christliche Gemeinschaft, d.h. in die jeweilige Kirchengemeinde vor Ort, ergibt sich die Frage nach der Anschlussfähigkeit des Rituals, d.h. die Frage, wo und wie bei der Taufe die Gemeinschaft der Christen erlebt wird? Erleben die Eltern die Taufe als Aufnahme in die Gemeinschaft oder ist sie für sie nur eine „Dienstleistung“ bzw. ein Ereignis in der persönlichen Biografie? Und dann: Was passiert nach der Taufe? Wo haben Kinder und Eltern die Möglichkeit, sich in ihre Kirchengemeinde hineinzuleben? Gibt es Anschlussangebote, wie Krabbelgruppe, Kindergottesdienst, Kindergarten, Grundschule und später der Konfirmandenzeit? Gibt es weitere Rituale, die den Übergang von einer Lebensphase in die andere sichtbar machen? Z.B. „Ab heute sind wir keine Kindergartenkinder mehr, sondern Schulkinder!“ Die Erfahrungen zeigen: Kommen Kinder und Jugendliche lediglich bei Übergangsritualen mit Kirche in Berührung (z.B. Taufe oder Konfirmation) und fehlen ihnen dazwischen Räume, die eigene Erfahrungen mit Glauben und altersgemäßer Spiritualität zu machen, wird ein Hineinwachsen in Glauben und Kirche nur schwer möglich sein.

Wie das Denken in Übergängen und Anschlüssen in der Praxis aussehen kann, ist von Ort zu Ort völlig unterschiedlich. Alle Altersgruppen gleichzeitig zu erreichen oder alle kirchlichen Handlungsfelder für Kinder und Jugendliche in einem Gesamtkonzept anzubieten, überfordert oft die Möglichkeiten und Ressourcen von Pfarrer*innen, Kirchengemeinden oder Presbyterien. Sinnvoll ist es daher, Schwerpunkte zu entwickeln und dabei auf die Bedarfe vor Ort zu achten. Weiterhin kann die Entwicklung einer „kinder- und jugendfreundlichen Gemeinde“ nur vor Ort, d.h. in den Kirchengemeinden und Regionen geschehen. Patentrezepte gibt es dabei nicht. Entscheidend ist eine Konzeption, die in sich stimmig ist, die sichtbare und langfristige Strukturen im Blick hat und die auf das „Expertenwissen“ der haupt- und ehrenamtlichen Verantwortlichen vor Ort aufbaut.

Das Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche der Pfalz hat im Rahmen der Kampagne „Evangelische Jugend vor Ort“ eine Handreichung mit dem Titel „Von Übergängen und Anschlüssen – Auf dem Weg zu einer kinder- und jugendfreundlichen Kirche“ herausgegeben. Sie gibt einen Einblick in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen heute und bietet ist eine Unterstützung bei der Entwicklung von kinder- und jugendfreundlichen Strukturen als Zeichen der Zukunftsfähigkeit von Kirche für die junge Generation. https://www.ev-jugend-pfalz.de/3375.0.html

Landesjugendpfarramt
Landesjugendpfarrer Florian Geith
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