Glosse

Ein nicht ablehnbares Angebot

von Jochen Krümpelmann

So stellt man sich ein Sportereignis vor: Jubelnde Zuschauer, die ihre Helden mit Sprechgesängen anfeuern, sich bei Torerfolgen in den Armen liegen. Zuletzt so gesehen beim Finale der Fußball-Europameisterschaft im Londoner Wembley-Stadion. Die Uefa hat es möglich gemacht, weil sie Zuschauer im Stadion zur Bedingung für Austragungsorte machte: Wer nicht spuren wollte, bei dem wäre das Spiel an einen anderen Austragungsort verlegt worden. Im Mafia-Film „Der Pate“ drückte Don Vito Corleone das so aus: „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“

War da nicht noch was? Richtig: Zeitgleich zum Turnier und dem Finale mit rund 60000 Zuschauern verzeichnete Großbritannien einen Anstieg der Corona-Infektionen auf rund 30000 Fälle pro Tag bei einer 7-Tage-Inzidenz von etwa 300. Zahlen aus Finnland und Schottland belegen, dass sich Fußball-Fans bei dem Besuch von Spielen des Turniers oder deren Umfeld mit dem Corona-Virus infiziert haben. Ein Schelm, der jetzt Böses dabei denkt und den Zusammenhang zwischen sich umarmenden, den Titel bejubelnden, Aerosole ausstoßenden Fans und steigenden Infektionszahlen herstellt. Ist doch alles draußen! Da passiert schon nichts und die bösen Aerosole verziehen sich.

Dass es auch anders geht, sieht man an den den Olympischen Spielen in Tokyo, die am 24. Juli starten: Die japanische Regierung hat beschlossen, dass aufgrund steigender Infektionszahlen nun doch keine Zuschauer bei den Wettbewerben zugelassen sind. Nur mal zum Vergleich: Japan verzeichnet derzeit pro Tag etwas mehr als 2000 neue Fälle – über ein Drittel davon in Tokyo – und hat eine 7-Tage-Inzidenz von knapp unter 10. Der Veranstalter, das Internationale Olympische Komitee (IOC), reagiert statt mit Erpressung mit Akzeptanz: Man werde alle Maßnahmen der Japaner unterstützen – zur Not eben auch den Ausschluss aller Zuschauer, sagt IOC-Präsident Thomas Bach.