Leitartikel

Hilfe für die Freunde und Helfer

von Klaus Koch

Im ZDF-Politbarometer haben 86 Prozent der Befragten gesagt, sie hätten großes ­Vertrauen in die Polizei. Ein guter Wert, der hilft, die Debatten um Rassismus und Rechtsextremismus unter den Beamten und um soziale Diskriminierung bei Kontrollen ins rechte Licht zu rücken. Grundsätzlich sind die Menschen in Deutschland froh, eine verlässliche Polizei zu haben, der sie trauen können, wenn sie sie brauchen.

Und dennoch ist damit nicht alles gut. Die Fälle von Rechtsextremismus und Rassismus in der Polizei sind zu häufig, um als Einzelfälle abgetan zu werden. Und besonders schlimm sind Fälle, in denen Kollegen aus falsch verstandener Kameradschaft Verfehlungen verschweigen oder decken. Die Polizei verteidigt den Rechtsstaat. Deshalb hat dort jeder Beamte eine besondere Verpflichtung diesem Rechtsstaat gegenüber.

Da hilft auch das Gerede von der Polizei als Spiegel der Gesellschaft nicht weiter, in der es eben genauso viele Rechtsextreme oder Rassisten gebe wie in der Gesamtbevölkerung. Das ist nicht hinnehmbar. Es würde ja auch niemand akzeptieren, wenn der Anteil von Blinden und stark Sehbehinderten unter Deutschlands Gefäßchirurgen dem Durchschnitt in der Gesellschaft entspräche.

Allerdings helfen Vorwürfe nicht weiter. Es ist erwiesen, dass die jungen Menschen, die zur Polizei gehen, keine Extremisten sind. Einige Beamte werden es in und durch ihren Dienst. Hier müssen Politik und Gesellschaft ansetzen. Die Polizisten brauchen mehr ­öffentliche Wertschätzung, vor allem aber brauchen sie verträgliche Schichtpläne, bessere Bezahlung und mehr Aufstiegsmöglichkeiten. All dies hilft gegen Radikalisierung aus Frust. Und es hilft vermutlich mehr als wissenschaftliche Studien.