Leitartikel

Europa kann von Trump viel lernen

von Klaus Koch

Mit der Faszination des Grauens schaut die Welt auf die USA, auf die Ansätze eines Putschversuchs und auf einen Wahlverlierer, der sich verhält wie der Despot einer Bananenrepublik. 74 Millionen Menschen haben diesen Egomanen mit psychopathischen Zügen gewählt, obwohl (oder weil?) er nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er von demokratischen Institutionen, von Respekt vor Andersdenkenden oder schlicht von menschlichem Anstand nichts hält. Jetzt ist deshalb die Rede von den tief gespaltenen USA.

Doch dieses Land war schon immer gespalten. Es gibt den liberalen Teil, der Menschen aus aller Welt integriert, verschiedenste Lebensformen toleriert und kulturelle Vielfalt liebt. Aber es gibt auch die Rassisten, die waffennärrisch mit Lynchjustiz liebäugeln, Homosexualität für abartig und die Gleichberechtigung der Frauen für modernen Unsinn halten. Zu diesem Teil gehören auch viele evangelikale Christen. Trump hat diese dumpf-reaktionären US-Amerikaner herausgeholt aus der Schmuddelecke des politisch Unkorrekten und hat ihnen das Gefühl gegeben, nicht wehrlos der liberalen Gesellschaft ausgeliefert zu sein.

Damit wird der Trumpismus zum Lehrbeispiel für Europa. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten hat gezeigt, wie verlogener Populismus Massenhysterien auslösen kann. Er hat allen vor Augen geführt, wie der bösartige Einsatz sozialer Medien kollektiv Gefühle manipulieren und Vernunft ins Abseits drängen kann. Europa sieht durch Trump, wie schnell gefestigte Demokratien ins Wanken geraten können, wenn ein vermeintlich starker Führer Ängste verunsicherter Menschen verstärkt, ihnen Überlegenheit einredet und neue Größe verspricht. Auch ­Europa ist ­diesen Gefahren ausgesetzt.