Leitartikel

Das alte Jahr will einfach nicht enden

von Florian Riesterer

Der Weihnachtsbaum ist abgetakelt und an den Straßenrand zur Abholung bereitgestellt. Die Strohsterne sind verstaut, die roten ­Kugeln vorsichtig eingepackt, die restlichen Lebkuchen und Plätzchen aufgegessen. ­Dennoch: Trotz allen Neujahrswünschen hält sich hartnäckig das Gefühl, die Zeit sei seit Ende Oktober stehen geblieben. Das liegt wohl nicht nur an den noch immer kurzen und oft trüben Tagen, sondern auch daran, dass sich Lockdown und Schulschließungen nahtlos ins neue Jahr fortsetzen. In etlichen Kirchengemeinden sind die ­Präsenzgottesdienste ausgesetzt. Erinnerung an den März im alten Jahr.

Sicher, anders als vor einem Jahr steht die Welt nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, sprich dem Virus. Mehr als 200 Impfstoffprojekte laufen weltweit, rund ein Dutzend davon in Deutschland. Das macht Mut. Ein erstes Produkt ist hierzulande zugelassen, mobile Teams arbeiten sich durch Pflegeheime und Krankenhäuser. Entwicklungsland bleibt Deutschland hingegen beim Thema Schulunterricht. Über die Stufe „Analyse des Problems“ kam die Produktion eines wirkungsvollen Fernunterrichts innerhalb eines Jahres nicht hinaus. Zum Start am Montag nach den Ferien brach in Rheinland-Pfalz erst einmal der Bildungsserver zusammen.

Gut möglich, dass bis zum überfälligen digitalen Schub an Schulen dieses Virus längst Geschichte ist. Aber es wird nicht das letzte bleiben. Nur auf die „körpereigene Immunabwehr“, sprich auf ein paar noch motivierte Eltern und Lehrkräfte, zu vertrauen, ist ohne langfristige Strategie also keine Lösung. Noch mehr als in 2020 wird sich sonst in diesem Jahr Ermüdung breitmachen. Erst recht, wenn im Sommer das erste komplett von Corona durchzogene Schuljahr endet.