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Zu echtem Miteinander

Andacht zum Erntedankfest

von Pfarrer Wolfgang Kafitz

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (Psalm 112, 9): „Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

2. Korinther 9, 6–15

„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Lese ich diese Worte, dann muss ich an meine Großmutter denken: Eine tatkräftige Landfrau mit einem großen Nutzgarten und einer Wiese mit 20 Obstbäumen. Kein Gast verließ ihr Haus ohne ein Körbchen mit guten Gaben. Sogar in den letzten Monaten des Kriegs litt sie keinen Mangel und konnte manche Not wenden.

Eine weitere wichtige Charaktereigenschaft war ihre sprachliche Prägnanz, mit der sie Dinge und Menschen beim Namen nannte. Etwa den „Hamsterer“ oder den „Selbstversorger“. So nannte sie einen Onkel, der zu Geld gekommen war und nun auf die ärmere Verwandtschaft herabsah. Einmal bat die Nichte ihn um Unterstützung. Er zeigte sich höchst unwillig. Die Zeiten wären schlecht. Sie sollten noch schlechter werden. Schließlich war sein ganzes schönes Geld entwertet. Nun saß er da. Vereinsamt, enttäuscht und verbittert über die verpassten Lebenschancen.

Eine tatkräftige, gastfreundliche Frau war auch Chloe: Eine Korintherin, in deren Haus ein Hauskreis zusammenfand. Kleine Leute, Arbeiter und Sklaven aus dem Hafenviertel, Hausbedienstete. Schwer arbeitend und gering bezahlt, wenn überhaupt. Menschen, die wussten was Not war und die sich nach Solidarität und Zusammenhalt sehnten. Doch was mussten sie erleben? 

Sie wurden schief angesehen und ausgegrenzt, gerade von der kleinen Zahl reicher Gemeindemitglieder, denen es auch in der größten Krise noch gut ging. Jene machten aus dem Abendmahl ein Gastmahl nach griechischem Vorbild, einen Genuss für Geist und Gaumen. Wer zu spät kam, der musste sich mit den Resten begnügen.

Diese Hartherzigkeit tat weh, auch Paulus, als die Leute der Chloe ihm davon berichteten. So sind seine Korintherbriefe ein Appell zu echtem Miteinander und Füreinander, zu Großzügigkeit im Umgang mit den guten Gaben Gottes, zu Spendenfreude mit Blick auf hilfsbedürftige Nächste – auch auf ferne Nächste. Damit kam die Gemeinde von Jerusalem in den Blick, die unter einer Wirtschaftskrise litt und Schweres durchmachte. Wirklich ermutigend, herzergreifend dieser Paulus.

So ist der Apostel nicht nur Botschafter der Liebe Gottes, die den Alltag der Gemeinde befruchten will. Er ist auch ein echter Netzwerker, ein Entwicklungshelfer und Begründer der Ökumenischen Diakonie, dessen Kollektenaufruf viele weitere folgen sollten. Mit Erfolg. Bis in unsere Zeit.

Blicken wir noch einmal auf die Landfrau aus dem Westrich: Bis ins hohe Alter hat sie ihren Garten bestellt. Sie hat sich den klaren Blick bewahrt für die Welt jenseits des Gartenzauns. Als Zeitzeugin, deren Wort Gewicht hatte. Als Gemeindemitglied, das viel bewegt hat. Sie sah genau, wo es klaffte. Eine Frau mit Courage, Dinge und Menschen beim Namen zu nennen. Die „Hamsterer“. Die „Selbstversorger“.

Umso mehr freute sie sich, wenn Engagierte Gott beim Wort nahmen, ihr Bestes gaben und Antworten fanden auf die Fragen der Zeit: Zu Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Echter Ökumene und einer lebendigen Beziehung zu Israel.

Manche Saat sah sie aufgehen, sah, wie zarte Pflanzen wuchsen und reichen Ertrag brachten. Sicher – das brauchte einiges an Pflege. Es braucht sie immer noch – gerade in diesen Tagen. Aber damals wie heute gibt es Grund zur Freude. Es gibt guten Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Gott sei Dank!

Wolfgang Kafitz ist seit 2015 Pfarrer in Walsheim-Breitfurt im Kirchenbezirk Zweibrücken.

Gebet

Herr unser Gott, Schöpfer, Bewahrer, Vollender allen Lebens. Du hast uns viele gute Gaben gegeben: Gib, dass wir sie wertschätzen und entfalten dir zur Ehre und zur Freude unserer Mitmenschen. Du hast uns dein Wort gegeben: Gib, dass es Wurzeln schlägt in unserem Herzen, dass es reiche Frucht bringt. Amen.

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Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen (2. Korinther 9, 6) - Weizenfeld kurz vor der Ernte. Foto: pixabay
Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen (2. Korinther 9, 6) - Weizenfeld kurz vor der Ernte. Foto: pixabay

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