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Wie Klimaschutz für mehr Geld in der Kasse sorgt

Ludwigshafener Kirchengemeinde spart jährlich 10000 Euro Energiekosten – Umweltbeauftragte Wiesemann für mehr Kirche in der Natur

Das Ziel ist ehrgeizig. Bis 2035, also in 13 Jahren, soll die Evangelische Kirche der Pfalz klimaneutral sein. Im Frühjahr 2023 will die Landessynode ein Konzept verabschieden, wie das dafür notwendige Einsparen von Treibhausgasen erreicht werden kann. Die Umweltbeauftragte der Landeskirche, Sibylle Wiesemann, appelliert jedoch an die Kirchengemeinden, nicht zu warten, sondern sofort anzufangen.

„Die Bewahrung der Schöpfung ist kirchliche Kernaufgabe“, sagt Wiesemann. Die Kirchengemeinden sollten dieses Ziel in der Verkündigung, der Bildung und dem täglichen Gemeindeleben berücksichtigen. Hilfreich sei dafür ein positives Zukunftsbild von der Kirche im Jahr 2035. Dabei sei es illusorisch, alle kirchlichen Gebäude energetisch sanieren zu wollen. „Wenn die Kirche ihre Gebäudezahl aus Kostengründen reduziert, sollte dies deshalb immer unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes geschehen.“ Aufgegeben werden sollen also Gebäude, die nicht oder nur mit großem Aufwand klimaneutral bewirtschaftet werden können.

In Wiesemanns Bild der Kirche im Jahr 2035 spielen Gebäude allerdings eine deutlich geringere Rolle als heute. Ihr schweben vor allem sakrale Orte in freier Natur vor. Dort könnten Menschen innere Einkehr mit Naturerfahrung verbinden. Das sei nicht nur an Orten wie der Weidenkirche in Kaiserslautern oder dem Kirchenpavillon auf dem Landauer Gartenschaugelände möglich. Kirche sollte mehr den öffentlichen Raum nutzen. „Andachten auf Marktplätzen machen Kirche sichtbar, sind klimaneutral und kostengünstig.“ Auch Jugendliche fühlten sich in den Bergen wohler als in Kirchengebäuden. Grundsätzlich sei menschliche Nähe wichtiger als teure Gebäude. „Kirchliche Zugänge sind überall möglich.“ Viele Gemeinden fürchteten, dass der Klimaschutz sie finanziell überfordert, sagt Wiesemann. Doch Klimaschutz könne auch enorm Geld sparen, wie die Elisabeth-Kirchengemeinde in Ludwigshafen-Gartenstadt zeige. Dort hat der Klimaschutzbeauftragte Christian Bizer dafür gesorgt, dass die Gemeinde in fünf Jahren trotz steigender Preise rund 44000 Euro Energiekosten eingespart und den Kohlendioxid-Ausstoß um 54 Prozent gesenkt hat.

Das sei ohne größere Investitionen erreicht worden, sagt Bizer. „Allerdings nur, wenn man keine Personalkosten berechnet.“ Am Anfang müsse die Analyse des Energieverbrauchs stehen und die monatliche Kontrolle. In vielen Gemeinden schlage die Energierechnung am Ende des Jahres beim Pfarrer auf, der sich über die hohen Kosten kurz ärgert, dann die Rechnung unterschreibt. Die regelmäßigen Kontrollen in seiner Gemeinde hingegen haben Energiefresser schnell identifiziert. So lag der hohe Wasserverbrauch nicht wie vermutet am Gemeindefest, sondern an einem Riss in der Wasserleitung. Herausgekommen ist das, weil der Verbrauch nicht nur im Monat des Fests hoch war.

Herausgefunden hat Bizer auch, dass die Kirche im Sommer und der Kindergarten am Wochenende beheizt wurde. „Oft wird eine Heizung eingebaut, und niemand fasst sie jemals wieder an oder programmiert sie gar neu.“ Sind Schwachstellen erkannt, können sie durch neue Programmierung, neue Ventile, Pumpen oder den Austausch von Lampen sehr viel sparsamer gemacht werden. Das Ergebnis ist beeindruckend: 2015 hatte Bizers Gemeinde jährliche Energiekosten von 35500 Euro. 2020 waren es trotz Kostensteigerungen nur noch 21300 Euro.

Bizer bringt beste Voraussetzungen für die Aufgabe als Klimaschutzbeauftragter mit. Er ist bei der BASF für die Netzleittechnik zuständig und damit sozusagen der Herr über alle Energiezähler. Aber diese Fachkenntnis sei nicht zwingend nötig. „Zähler ablesen kann jeder.“ Wichtiger sei die Überzeugungsarbeit in der Gemeinde. Das Interesse am Energieverbrauch sei da nicht immer groß. „Und es stößt erst einmal auf Gegenwehr, wenn die Temperatur im Sonntagsgottesdienst um ein paar Grad gesenkt wird.“ Aber wenn die Gemeinde sieht, was sie mit dem gesparten Geld alles machen kann, lasse der Widerstand nach.

Bizer ist bereit, sein Wissen und seine Erfahrung weiterzugeben. Denn es gehe nicht nur ums Sparen, sagt er. „Kirche hat den Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Deshalb muss sie beim Klimaschutz Vorbild sein.“ Klaus Koch

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Analyse und Kontrolle: Christian Bizer sucht nach Energiefressern in der Ludwigshafener Elisabeth-Kirchengemeinde. Foto: Moray
Analyse und Kontrolle: Christian Bizer sucht nach Energiefressern in der Ludwigshafener Elisabeth-Kirchengemeinde. Foto: Moray

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