Nachrichten

Wichtige Informationen gerade in Zeiten von Corona

Gemeindebrief der Kirchengemeinden Kallstadt und Erpolzheim erhält Lübbe-Preis – Förderpreis an Kirchengemeinde Miesau und Gries

In einer Feierstunde im Martin-Butzer-Haus Bad Dürkheim hat das Redaktionsteam des Gemeindebriefs der Kirchengemeinden Kallstadt und Erpolzheim den 19. Hermann-Lübbe-Preis für Gemeindepublizistik in der Evangelischen Kirche der Pfalz erhalten. Der Gemeindebrief „Kerchebläädche“ der Kirchengemeinden Miesau und Gries wurde ebenfalls ausgezeichnet. Das Redaktionsteam erhielt den Förderpreis des Kirchenpräsidenten.

Der Gemeindebrief der Kirchengemeinden Kallstadt und Erpolzheim verbinde neben der ansprechenden Gestaltung vorbildlich das lokale Gemeindeleben mit gesamtkirchlichen und zeitgeschichtlichen Fragen, erläuterte Kirchenpräsident Christian Schad die Wahl der Jury. Schad bezeichnete den Gemeindebrief aus der Vorderpfalz als „publizistisches Kleinod“.

Im „Kerchebläädche“ mit seinen regelmäßig zwölf Seiten wiederum sei es Pfarrerin und Presbyterium durch die monatliche Erscheinungsweise des Hefts gelungen, so aktuell wie kaum ein anderer Gemeindebrief auf Einschränkungen infolge der Corona-Krise einzugehen, lautete das von Kirchenpräsident Christian Schad vorgetragene Votum der Jurymitglieder.

Der elsässische Publizist und Filmemacher Martin Graff betonte als Festredner die Bedeutung lokaler kirchlicher und nicht kirchlicher Zeitungen. Sie trügen entscheidend zum Verständnis der jeweiligen Region bei, erklärte Graff in seinem Vortrag „Gedankenschmuggler in Corona-Zeiten“. Graff lenkte unter anderem den Blick auf das Elsass mit seiner wechselvollen Geschichte. Um Grenzen in den Köpfen zu überwinden, Zugang zur jeweils anderen Kultur zu bekommen, sei die Sprache ein entscheidender Schlüssel, erläuterte Graff.

Der Buchautor und Glossist, der im elsässischen Münstertal lebt, sprach mit Blick auf die geografische Herkunft eines Menschen und dessen kulturelle Verortung von einer „doppelten Prädestination“. Während Erstere nicht rückgängig gemacht werden könne, sei Letztere durchlässig, erklärte er mit Blick auf Religion, Wohnort oder Sprache. Dies bewiesen etwa Flüchtlinge.

Leicht hätten sie es dabei nicht, erklärte Graff, wüchsen doch identitäre Bewegungen „hüben wie drüben wie Sand am Meer“. Grenzen würden zu Festungen ausgebaut. „Wir haben zu lange unsere gemeinsame europäische Geschichte durch die nationalistische Brille betrachtet“, bedauerte Graff. „Covid 19 hat diese alte Tradition aktiviert.“ Dabei hätten alle vergessen, „dass kein Volk den Ursprung seiner Geschichte kennt“. Für die musikalische Begleitung an der Preisverleihung, an der rund 50 Gäste teilnahmen, sorgten Jürgen Schaaf und Andreas Werle.

Der nach Hermann Lübbe, dem langjährigen Chefredakteur des Sonntagsblatts, benannte Preis ist mit 600 Euro, der Förderpreis des Kirchenpräsidenten mit 400 Euro dotiert. Beide Preise sollen die Arbeit der Gemeindebriefmacher unterstützen. Der Jury gehörten neben Chefredakteur Hartmut Metzger und Pfarrer Martin Schuck der ehemalige Synodalpräsident Henri Franck, Privatdozent Frank Jöst sowie der Pressesprecher der Landeskirche, Andreas Rummel, an. Florian Riesterer

Beide Preisträger verzichten auf Werbeanzeigen

Neues Redaktionsteam macht den Gewinnerbrief – Der Sonderpreisträger druckt im Pfarrhaus in Miesau

Im Januar 2018 hat Pfarrer Oliver Herzog seinen Gemeindebrief für Kallstadt und Erpolzheim neu ausgerichtet – mit einem neuen Team. Werner Grallath, gelernter Schriftsetzer und Drucker, sorgt seitdem mit dem Pfarrer für das Layout, Profifotografin Melanie Hubach kümmert sich um Fotos, Monika Kuhn und Martina Niessner schreiben über Themen wie Weltgebetstag oder Beschlüsse der Presbyterien.

Die 20-Seiten-Hefte im modifizierten Din-A4-Format erscheinen viermal im Jahr im Farbdruck. Eine Ausgabe in einer Auflage von rund 600 Exemplaren kostet rund 600 Euro. Gedruckt wird bei P und P Printmanagement in Trabelsdorf bei Bamberg. Sei eine Ausgabe erschienen, treffe sich die Redaktion sogleich, um die Themen für das neue Heft festzuzurren, sagt Monika Kuhn. „Das Heft ist schnell voll, denn wir haben einige feste Rubriken.“ Vorn auf der ersten Innenseite gebe es das Grußwort des Pfarrers, Berichte aus den Presbyterien und über anstehende kirchliche Feiertage seien dabei, eine Seite über Konfirmanden, die Sozialstation, Gemeindeveranstaltungen und hinten die festen Rubriken wie Freude und Trauer, Termine und Kontakte sowie auf der letzten Seite der Gottesdienstplan.

Ebenso wie der Gewinner aus Kallstadt und Erpolzheim verzichtet auch der Sonderpreisgewinner aus Miesau und Gries auf Werbeanzeigen. Dafür werben beide für eigene Veranstaltungen wie etwa Konzerte. Das „Kerchebläädche“ aus Miesau und Gries erscheint elfmal im Jahr – aus der Druckmaschine im rummelschen Pfarrhaus. „Sie ist 1999 erneuert worden und arbeitet mit digitalem Schablonendruck“, so Andreas Rummel. Er arbeitet mit dem Layout- und Satzprogramm „Adobe InDesign“.

Die farbigen, ungehefteten Din-A5-Exemplare sind in einer Auflage von 1300 Stück an einem Vormittag hergestellt. Im Jahr fallen dafür Kosten von rund 1800 Euro an. Die Hefte kommen mit Eigenberichten aus den beiden Kirchengemeinden, den beiden Orgelbauvereinen und Kindergärten aus. 27 Austräger stellen sie in Miesau und Gries an alle Haushalte zu, in denen Protestanten leben. dob