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|   Glosse

Werden und Vergehen in den Tiefen des Alls

von Florian Riesterer

Die Bilder des James-Webb-Teleskops sehen faszinierend aus: Glitzernde Sterne funkeln über bunten, wabernde Gaswolken. Poetische Namen wie der Tanz der Galaxien im Sternbild Pegasus lassen das so unwirtliche All fast romantisch erscheinen. Dabei geht es um nichts anderes als um das Werden und Vergehen. Neue Sterne erwachsen aus dem Carinanebel, andere sterben, die Reste durchziehen als Gaseruptionen die Schwärze des Weltraums.

Bis wir auf der Erde Zeugnisse dieser kosmischen Schauspiele geworden sind, sind im Fall der Webb-Teleskop-Bilder bis zu 4,6 Milliarden Jahre vergangen. So lange brauchten die Infrarotwellen, bis sie auf das Teleskop trafen. Die Entfernung ist schwer fassbar für den menschlichen Geist, der um so vieles kürzer auf der Erde lebt. Immerhin haben die Wissenschaftler in einem kurzen Erdenleben das Teleskop auf seine Bahn gebracht. Als dessen Bau begann, hießt der Präsident der USA noch George Bush, Otto Rehhagel feierte mit Griechenland die Fußballeuropameisterschaft, und deutscher Kanzler war ein gewisser Gerhardt Schröder.

Den Ursprung aller Dinge zu entschlüsseln, den Urknall, die Entstehung von Elementen wie Sauerstoff und Kohlenstoff, aus denen später alles Leben entstanden ist, nichts weniger erhofft sich nun die Wissenschaft. Ohne ihr zu nahetreten zu wollen: Hinter den letzten Grund der Dinge wird sie auch jetzt nicht schauen können.

Und das ist auch gar nicht schlimm. Wer Gott als Ursprung aller Dinge sieht, fühlt sich aufgehoben durch ihn und sieht in jedem grandiosen Funkeln seine Macht. „Die Natur ist voller überraschender Schönheit“, sagte John Cromwell Mather, Nasa-Forscher und Physik-Nobelpreisträger zu den Bildern des Teleskops. Ich stimme ihm zu, wenn demnächst wieder verglühende Gesteinsbrocken als Perseiden-Sternschnuppen am Himmel niedergehen. Manchmal braucht es aber gar keine fernen Lichter, um fasziniert zu sein von der Schöpfung: Das Glühwürmchen, das ich kürzlich in meinem Garten überrascht habe, ist nur wenige Millimeter groß, lebt als Käfer nur wenige Tage. Und dennoch ist seine Leuchtkraft so ausgeklügelt, dass Wissenschaftler die Technik nutzen, um die Leuchtkraft von LEDs zu verbessern.

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Durch Infrarotstrahlen sichtbar geworden: Sterne und Gase aus den Tiefen des Alls. Foto: ESA
Durch Infrarotstrahlen sichtbar geworden: Sterne und Gase aus den Tiefen des Alls. Foto: ESA

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