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Wenn der Pfarrer mit der Flinte auf den Hochsitz klettert

Christoph Krauth ist ein begeisterter Hobbyjäger – Erhalt der Schöpfung steht im Vordergrund – Die unkontrollierte Vermehrung eindämmen

Da ist doch was im Busch. Irgendetwas zupft an den Zweigen, dann sieht man einen borstigen Kopf. „Da kommen sie“, flüstert Christoph Krauth und legt sein Gewehr in Anschlag. Der evangelische Pfarrer und Hobbyjäger scheint Glück zu haben an diesem vorsommerlichen Abend. Vielleicht 50, 60 Meter entfernt lugt ein großes Wildschwein hinter einem Baum hervor, schnuppert vorsichtig in die Luft. Dann drängen sich drei, vier dunkelbraun behaarte Rücken an ihm vorbei. Eine Wildschweinrotte auf Futtersuche, irgendwo bei Kaiserslautern im Pfälzerwald.

Der 35-jährige Theologe wird ganz still auf seinem Hochsitz, sechs Meter über dem Boden. Seit zwei Stunden hat er dort ausgeharrt, mit dem Feldstecher konzentriert das Gehölz abgesucht. Und jetzt kommt ihm endlich Schwarzwild vor die „Büchse“, wie es heißt. Doch die Tiere „haben wohl etwas gerochen“, sagt Krauth leise. Sie wagen sich nicht auf die Lichtung, um nach Futter zu suchen, das Schussfeld ist nicht frei. Der Keiler wendet den Kopf, schnuppert noch einmal – dann trottet die Gruppe gemächlich davon.

Für Christoph Krauth ist es kein Problem, dass er an diesem Abend nicht schießen wird. „Das Schönste ist es, wenn man das Wild sehen und beobachten kann“, sagt der Pfarrer aus Kaiserslautern-Erfenbach. Seit einem Jahr hat er nun den Jagdschein, in einem vom Förster zugewiesenen Revier geht er durchschnittlich einmal in der Woche auf die Jagd. Vier bis fünf Stunden sitzt der Vater von zwei kleinen Söhnen dann auf dem Hochsitz, bei Wind und Wetter.

Eher zufällig kam der Theologe zu seinem Hobby, für das er sich auch Kritik anhören muss. Der Schwiegervater, ein begeisterter Jäger, hinterließ der Familie nach seinem Tod seine Jagdausrüstung. Krauth, dessen Frau auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, machte den Jagdschein und lernte das Waidwerk. Sechs Tiere, Rehwild und Wildschweine, hat er bisher erlegt – und das Wild selbst ausgenommen.

Mit seinem Pfarrerberuf hält er sein blutiges Tun gut vereinbar: „Die Jagd ist die ethischste und nachhaltigste Weise, an Fleisch zu kommen“, sagt er. Für Krauth ist das eigenhändige Jagen auch eine Alternative zur oft qualvollen Massentierhaltung und ein Beitrag zum Naturschutz. Wildtiere lebten frei und ohne Stress. Und ziehe der Jäger schließlich den Abzug seines Gewehrs, „merken sie nicht, dass sie getötet werden“, sagt er. Das alles seien Gründe, weshalb er und seine Familie vermehrt auf den Genuss von selbst verarbeitetem Wildfleisch umstiegen.

Anders als anderen Jägern ist Krauth bisher der Ärger mit militanten Jagdgegnern erspart geblieben, die etwa Hochsitze umsägen oder körperliche Gewalt androhen. Und doch ist er als Pfarrer immer wieder gezwungen, zu erklären, warum durch seine Hand Tiere sterben müssen. Seine Kirchengemeinde hingegen stütze ihm als Hobbyjäger voll und ganz den Rücken, versichert er. „Die Gemeindemitglieder finden es gut, dass ich mich für den Naturschutz und die Pflege des Wildes engagiere.“ Denn genau den Aspekt der Nachhaltigkeit, des Erhalts der Schöpfung, blendeten manche Kritiker aus. Die meisten Männer und vermehrt auch Frauen, die auf die Jagd gingen, seien keine Waffennarren mit Spaß am Töten, sagt er. Vielmehr schützten und kontrollierten sie den gesunden Bestand von Wildtieren – zum Wohl von Mensch und Natur.

Auch wenn Wolf und Luchs in heimischen Gefilden wieder gesichtet werden: Wildschweinen und Rehen seien die natürlichen Feinde abhandengekommen, und sie bedrohten vielerorts durch ihr Fressverhalten das ökologische Gleichgewicht, sagt Krauth. Auf Jäger komme deshalb die Aufgabe zu, eine unkontrollierte Vermehrung mancher Wildtiere einzudämmen – und Exemplare auszusortieren, die auch Menschen mit Krankheiten anstecken könnten.

Auf der Pirsch ist Pfarrer Krauth weit weg von seiner Kanzel. „Hier kann ich zur Ruhe kommen, neue Kraft tanken“, sagt er. Sein Traum wäre es, eines Tages ein eigenes Revier zu haben, für das er voll und ganz verantwortlich ist. Doch noch scheut der junge Familienvater den zeitlichen Aufwand. Alexander Lang

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Pfarrer Christoph Krauth in seinem Hochstand: Für ihn ist die Jagd auch eine Alternative zur Massentierhaltung und ein Beitrag zum Naturschutz. Foto: view
Pfarrer Christoph Krauth in seinem Hochstand: Für ihn ist die Jagd auch eine Alternative zur Massentierhaltung und ein Beitrag zum Naturschutz. Foto: view
Auf der Pirsch ist er weit weg von der Kanzel: Seine Kirchengemeinde stützt den Hobbyjäger aus Kaiserslautern-Erfenbach. Foto: epd
Auf der Pirsch ist er weit weg von der Kanzel: Seine Kirchengemeinde stützt den Hobbyjäger aus Kaiserslautern-Erfenbach. Foto: epd

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