Catholica

Weihe für Frauen nicht möglich

Kardinal Walter Kasper räumt Versäumnisse der Kirche ein - Kritik am Reformprozess in Deutschland

Der ehemalige „Ökumeneminister“ des Vatikans, Kardinal Walter Kasper, hält die Weihe von Frauen zu Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche nicht für möglich. „Ich sehe nicht, wie man nach katholischem Verständnis über die fast 2000-jährige ununterbrochene Tradition hinweggehen kann“, sagte der frühere Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen dem Badischen Tagblatt in Baden-Baden. Er wisse, dass diese Position heute schwer zu vermitteln sei.

Der Kardinal räumte ein, das die Kirche im Blick auf Frauen, die heute ihre Rechte verlangten, die Signale „weithin verschlafen“ habe. Er warb dafür, in Pfarreien und Bistümern Frauen mehr Verantwortung zu übertragen. Würde man alles das tun, was ohne Änderung der kirchlichen Verfassungsordnung möglich sei, wäre die Machtfrage weitgehend vom Tisch, sagte Kasper, der früher Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart war.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kirche sieht Kasper mit Sorge. Dass die Eucharistie insbesondere an Ostern nicht möglich gewesen sei und auch jetzt nur unter Auflagen geschehen könne, werde bei vielen Christen einen „Entwöhnungseffekt“ vom sonntäglichen Kirchgang mit sich bringen. Der Gottesglaube sei aber schon vorher in den Herzen vieler Menschen schwach geworden oder gar erstorben, sagte der Kardinal.

Bei der Ökumene sieht der 87-Jährige über die Spanne seiner Lebenszeit „riesige Fortschritte“. So habe man 2017 erstmals das Reformationsjubiläum nicht gegeneinander, sondern miteinander begangen. Ein gemeinsames Abendmahl wäre aber derzeit „unehrlich“, weil es zwischen Katholiken und Protestanten nach wie vor „ernste Unterschiede“ im Verständnis gebe.

Kritisch sieht Kasper den Synodalen Weg in Deutschland, der momentan einen Reformprozess in der katholischen Kirche berät. Man hätte sich vor allem Fragen zuwenden sollen, die in eigener Kompetenz entschieden werden können, sagte er. Nun stünden in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Fragen zur Diskussion, die nach der Verfassung der katholischen Kirche in universalkirchlicher Zuständigkeit sind. Damit sei Frustration programmiert – und so eine Frustration „wäre eine Katastrophe, die niemand wünschen kann“, unterstrich der Kardinal. epd