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|   Glosse

Viele Müh’ mit dem lieben Federvieh

von Florian Riesterer

Tiere erobern sich den Lebensraum der Menschen. Ob Füchse oder Waschbären, das Nahrungsangebot treibt die Tiere in Häuserschluchten und Vorgärten. Vögel haben schon lange die Städte entdeckt und dort Kirchen als sichere Brutplätze auserkoren, sehr zu Freude vieler Naturfreunde.

Am Speyerer Dom erfreuen drei junge Uhus die Besucher. Die ersten Flugversuche der tapsigen und dennoch schon großen Jungvögel gerieten teils zu Bruchlandungen. Vogelexperte Sven Ofer brachte die Tiere teils mehrfach pro Tag in Gebüschen oder auf Gerüsten in Sicherheit vor Hunden oder Krähen, wenn ihn wieder einmal die Feuerwehr rief, die von der Polizei angesprochen wurde, weil sich Passanten meldeten.

Den Menschen liegt das liebe Federvieh – um Wilhem Busch zu sprechen – am Herzen, davon zeugen liebevoll gestaltete Nester für Störche auf Kirchturmdächern genauso wie eine Erfahrung, die Pfarrerin Heike Kronenberg in Speyer kürzlich machen musste. Anwohner zeigten sich besorgt, Bauarbeiten am Dach der Christuskirche könnten brütende Turmfalken beeinträchtigen – und riefen gleich die Untere Naturschutzbehörde auf den Plan. Das hätte im Fall der Fälle Bußgelder bis zu 15.000 Euro nach sich ziehen können.

Hat es aber nicht. Denn ein Falke zieht dort zwar seine Kreise, nistet aber woanders – trotz Nistkasten und reichlich Nahrung. Tauben haben sich nämlich im Turm breitgemacht. Eine Dreivierteltonne Kot wurde bereits entfernt, sagt Kronenberg. Und das war nicht die erste solche Beseitigungsaktion. Langfristig soll deshalb den Tauben, die anders als Fledermäuse oder Schleiereulen nicht unter strengem Naturschutz stehen, der Einflug verwehrt werden. Der Gesundheit und der hohen Kosten wegen.

Die Tauben werden es wohl verschmerzen. Oder wie manch Kirchengemeinde angesichts klammer Kassen wohl mit neidischem Blick auf die gefiederten Freunde mit den Worten Jesu sagen würde: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie.“

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Bemüht um die jungen Uhus am Dom: Vogeldachverständiger Sven Ofer. Foto: Ofer
Bemüht um die jungen Uhus am Dom: Vogeldachverständiger Sven Ofer. Foto: Ofer

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