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|   Leitartikel

Vertrauen ist ein schönes Wort

von Hartmut Metzger

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht ­abweisen“, heißt es in der Jahreslosung, die wegen der späten Weihnachtstage bereits der letzten Ausgabe des vergangenen Jahres beigelegen hat. Der Sinn des Textes wirkt in der Losung jedoch etwas verkürzt. Nach der ­Lutherübersetzung von 2017 lauten die Verse 37 und 38 vollständig: „Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“

In der biblischen Erzählung geht es um Meinungsverschiedenheiten über und Zweifel an der Person Jesu. Es geht um Vertrauen in all seinen menschlichen Bezügen. In seiner Weihnachtsbotschaft stellte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diesem zentralen Begriff des Vertrauens Freiheit und Verantwortung zur Seite, was auch in der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers mitzuhören war. Steinmeier fragte: „Heißt Vertrauen nicht womöglich auch, dass ich mich auf kompetenten Rat verlasse, selbst wenn meine eigenen Zweifel nicht gänzlich besiegt sind?“

Und so trifft die Jahreslosung 2022 als Kern der biblischen Geschichte rund um die Speisung der 5000 unsere heutigen Probleme in Zeiten des Klimawandels, der Pandemie und der militärischen Drohungen doch eigentlich sehr gut. Freiheit bedeutet immer auch ­Einschränkung, um die Freiheit des anderen zu schützen. Verantwortung bedeutet immer auch, die Folgen eigenen Handelns für ­andere zu bedenken. Und Vertrauen befreit zu verantwortlichem Handeln. Vertrauen auf Gott, auf uns selbst und auf den Nächsten ist das, was uns heute wohl am meisten fehlt. Es wäre schön, wenn Vertrauen 2022 zum Wort des Jahres würde.

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Hartmut Metzger
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