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Tür zur Nächstenliebe

Andacht zum ersten Advent

von Pfarrer Volker Janke

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“ Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: „So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!“, sondern: „So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.“ Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

Jeremia 23, 5–8

Jetzt fängt sie wieder an, die Zeit des Wartens auf Weihnachten. Besonders Kindern erscheint die Zeit, bis das Christkind kommt, oft endlos. Am Mittwoch können sie damit anfangen, das erste Türchen am Adventskalender zu öffnen, bis nach 24 Türchen, endlich der ersehnte Heilige Abend kommt und die Geschenke unterm Christbaum liegen.

Nicht von ungefähr gehen dem Weihnachtsfest die vier Adventswochen voraus. Als Zeit der Vorbereitung und des Wartens. Worauf warten wir eigentlich in diesem Jahr? Dass wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen? Und das Leben wieder normaler wird?

Dass sich etwas zum Besseren ändert, erwartet der Prophet Jeremia von Gott. Den damaligen König Zedekia und den staatlichen Stellen traut er das nicht mehr zu. Er erlebt sie als äußerst ungerecht. Die Menschen verarmen und geraten in Schuldknechtschaft – und die Politik tut nichts gegen diese Unmenschlichkeit. Zedekia heißt auf Deutsch: „Der Herr ist meine Gerechtigkeit.“ Und tatsächlich, dieser König schaut nur darauf, dass er zu seinem Recht kommt. Und wie er das tut!

Jeremia lässt im Auftrag Gottes verkünden, dass ein König kommen wird mit dem Namen „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit!“. Gerechtigkeit also für das Volk, Freilassung der Sklaven, Recht und Gerechtigkeit im ganzen Land. Und die Menschen können wieder sicher und in Frieden wohnen. „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will.“

Das sich etwas zum Besseren ändert und Gottes Gerechtigkeit das Leben und Zusammenleben auf unserem Planeten bestimmt, wie notwendig wäre das auch heute. Zuallererst Klimagerechtigkeit für Mensch und Natur. Soziale Gerechtigkeit zwischen dem Norden und Süden unseres Planeten muss damit einhergehen. Und dass die Menschen sicher und frei wohnen können. Gerechtigkeit in allen Ländern. Der kommende Retter wird unsere Gerechtigkeit in seinem Namen führen, verkündet der Prophet durch die Zeiten bis zu uns heute.

Schöne Vertröstung, sagen viele. Wie oft schon habt ihr Christinnen und Christen Advent gefeiert? Wie oft war schon Weihnachten? Und, hat sich dadurch etwas zum Guten verändert. Ungerechtigkeit, menschengemachte Naturkatastrophen, Hunger, Krieg, Terror und Elend nehmen doch weltweit zu. Die Zahl der flüchtenden Menschen steigt von Jahr zu Jahr. Ich vertröste nicht, sagt Jeremia. Der König der Gerechtigkeit ist schon jetzt im Kommen.

Advent und Weihnachten helfen mir jedes Jahr, das für mich zu buchstabieren: Der König ist gekommen. Er wohnt schon mitten unter uns. Und wo ich ihm die Tür aufmache und die Tore weit öffne, da wird seine Gerechtigkeit, wird sein Friede spürbar. Spürbar in meiner, in unserer Lebenswelt. Spürbar darin, dass Depression weicht. Dass Hoffnung keimt und Trostlosigkeit und Gleichgültigkeit anderen und den Verhältnissen gegenüber schwinden. Und es mich packt. Und der Veränderungswille wächst. Es ist doch spürbar in unserer Gesellschaft, finde ich. So viele engagieren sich in unseren Gemeinden und in der Zivilgesellschaft. Junge Leute setzen sich ein für Klimagerechtigkeit. Gegen Hass, Hetze und Verschwörungstheorien. Und für den Wert und die Würde jedes Menschen.

Wir alle spüren, dass wir das Unsere dazu beitragen müssen, dass wir die Pandemie in den Griff bekommen. Mich impfen zu lassen, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, ist für mich ein Zeichen des Öffnens der Tür hin zu gelebter Nächstenliebe. Die Adventszeit ist Ausdruck der Erwartung einer solchen Veränderung zum Guten. Sie hilft mir, lokal zu handeln. Und die Sehnsucht und Hoffnung zu behalten auf eine Welt der Gerechtigkeit – die Gott zu seiner Sache gemacht hat. Dafür lohnt es sich zu leben, zu glauben, zu lieben und zu hoffen. Und Advent zu feiern.

Volker Janke ist seit dem Jahr 2012 Dekan im Kirchenbezirk Landau.

Gebet

Wenn du kommst, Gott, wohnen Gerechtigkeit und Frieden mitten unter uns. Mach uns bereit für diese Zeit. Mach uns bereit für dich. Wir sind zu Hause, weil wir uns von dir gerufen wissen. Amen.

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Advent: Jetzt fängt sie wieder an, die Zeit des Wartens auf Weihnachten. Foto: pixabay
Advent: Jetzt fängt sie wieder an, die Zeit des Wartens auf Weihnachten. Foto: pixabay

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