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Synode tagt digital

Gebäudemanagement der Landeskirche und Rolle der Dekane auf der Tagesordnung

ACHTUNG: Wegen der gestiegenen Zahl der Corona-Infektionen  findet die Tagung der Landessynode vom 18. bis zum 20. November nun doch als digitale Veranstaltung statt. Sie wird auf dem landeskirchlichen YouTube-Kanal www.youtube.com/evkirchepfalz live gestreamt. (geändert am 15. November)

Die nächste Tagung der Landessynode soll eine Präsenzveranstaltung sein. Wegen der Corona-Pandemie tagt die Synode jedoch nicht wie üblich in der Diakonissenanstalt Speyer, sondern im „Hangar 10“ des Technikmuseums, da dort die Abstandsregeln eingehalten werden können. Die Tagung findet vom 18. bis zum 20. November statt.

Auf der Tagung soll die Synode Beschlüsse fassen, die den Kirchengemeinden die Finanzierung ihrer Gebäude erleichtern. Die Landeskirche halte für derzeit 500000 Mitglieder so viele Gebäude vor wie zu der Zeit, als noch 700000 Menschen Mitglied waren, heißt es in einer Vorlage. Viele Gemeinden stießen an ihre finanziellen Grenzen. Kirchen sollen der Vorlage zufolge nicht aufgegeben werden. Über die Nutzung von Gemeindehäusern müsse jedoch nachgedacht werden. Das Gebäudemanagement soll zudem aus den Gemeinden in die Kirchenbezirke verlagert werden. Weiterer Tagesordnungspunkt ist die Rolle des Dekansamts. Der Synode wird vorgeschlagen, dieses Amt nicht mehr an eine Gemeindepfarrstelle zu koppeln. Die Dekanin oder der Dekan soll dadurch noch stärker für den ganzen Kirchenbezirk zuständig sein.

Befassen wird sich die Landessynode auch mit der sich stetig verschlechternden Menschenrechtslage in Papua. Die Landeskirche hat seit über 30 Jahren eine Partnerschaft mit den Protestanten an der Nordwestküste Neuguineas. Außerdem wird sich die Synode mit zahlreichen Berichten befassen. Neben dem Landeskirchenrat, der seinen Bericht für die Jahre 2019 und 2020 abgibt, werden die Evangelische Akademie der Pfalz, der Missionarisch Ökumenische Dienst und das Landesjugendpfarramt über ihre Arbeit berichten. koc

Personen sind meist wichtiger als die Theologie

Umfrage zur theologischen Prägung der kirchenpolitischen Gruppen in der pfälzischen Synode – Unterschiede im Gegensatz zu früher gering

Auch in dieser Legislaturperiode gibt es in der pfälzischen Landessynode vier kirchenpolitische Gruppen, die sich zur Vorbereitung von Entscheidungen treffen. Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, worin die Gruppen sich unterscheiden. Viele Synodale schauen daher eher auf Personen als auf Positionen, wenn sie sich einer Gruppierung zuwenden. Dabei waren kirchenpolitische Gruppen früher sehr unterschiedlich theologisch geprägt. Spuren davon haben sich bis heute erhalten, wie eine Umfrage bei den Gruppen ergab.

Das Priestertum aller Gläubigen stehe für den Synodalen Gesprächskreis (SGK) im Mittelpunkt, sagt Dorothee Wölfling. Konsequenterweise ist sie denn auch die einzige Nichttheologin, die auf die Frage nach der Theologie in den Gruppen antwortet. Für den SGK sei es entscheidend, dass Ehrenamtliche und Hauptamtliche gleichberechtigt zusammenarbeiten. Da die Zahl der Hauptamtlichen sinke, werde das Ehrenamt in der Kirche immer wichtiger.

Diese Grundeinstellung habe auch Auswirkungen auf die Diskussionskultur der Gruppe. Theologen und Laien diskutierten auf Augenhöhe. „Und wir suchen bei Problemen oder neuen Herausforderungen auch nicht die schnelle Lösung, indem wir sofort nach einer Pfarrerin oder einem Pfarrer rufen.“

Noch jünger als der Synodale Gesprächskreis ist das Synodale Forum, das sich in den 2000er Jahren gegründet hat. „Kirche besteht weil und solange sie sich an Jesus Christus und an der Heiligen Schrift orientiert“, sagt der Kuseler Dekan Lars Stetzenbach als Sprecher des Forums. In dieser Bindung suche und finde die Kirche die Formen, um in der jeweiligen Zeit dem christlichen Auftrag gerecht werden zu können.

Für das Synodale Forum sind dabei Kirchengemeinden und Kirchenbezirke die entscheidende Gestalt von Kirche. Aus der presbyterial-synodalen Verfasstheit der Landeskirche ergebe sich, dass Landeskirchenrat und Kirchengemeinden vor Ort eine Dienstgemeinschaft bilden, sagt Stetzenbach. Alle kirchlichen Verwaltungseinrichtungen haben nach Ansicht des Forums ihre Existenzberechtigung in erster Linie, um dafür Sorge zu tragen, dass in den Kirchengemeinden die Verkündigung des Evangeliums möglich ist. Kirchliche Strukturen sollten daher auf die Erfordernisse der Arbeit in den Gemeinden und Bezirken ausgerichtet sein. Dafür seien Reformen dringend nötig, die von der Basis ausgehen müssten.

„Wir fühlen uns dem liberalen Erbe unserer Kirche verpflichtet“, heißt es im Flyer des Arbeitskreises Offene Kirche (AOK), auf den der Vorsitzende, Dekan Matthias Schwarz, als Antwort auf die Frage nach der theologischen Prägung seiner Gruppe verweist. Aus diesem Flyer geht hervor, dass der AOK eine Kirche will, die in der Gesellschaft Verantwortung übernimmt, sich den gesellschaftlichen Fragen und den Problemen der Welt stellt.

Dafür, so heißt es in dem Flyer, müsse immer wieder nach der Aktualität der reformatorischen Botschaft gefragt werden. Daraus ergäben sich Fragen nach der Glaubens- und Gewissensfreiheit in einer multireligiösen Gesellschaft, nach der Bedeutung von Gerechtigkeit und Partizipation im Blick auf das Bildungssystem und nach den Chancen des Priestertums aller Gläubigen im Blick auf eine kleiner werdende Kirche.

Die Kirchlich-Theologische Arbeitsgemeinschaft (KTA) sei im November 1945 als Reaktion auf die Erfahrungen in der NS-Zeit gegründet worden, in der um das rechte Bekenntnis zu Jesus Christus angesichts eines totalitären Regimes gerungen werden musste, sagt der Homburger Dekan Thomas Holtmann. Daher sei die Grundlage der KTA zunächst die dialektische Theologie Karls Barths gewesen, die sich in der Barmer Theologischen Erklärung niedergeschlagen habe.

Heute sei daraus kein Programm wie bei politischen Parteien abzuleiten, sagt Holtmann. Allerdings ergäben sich aus der Geschichte Grundhaltungen. So sei für die KTA Theologie kein Selbstzweck, sondern müsse müsse dem Menschen dienen. „Christlicher Glaube hat immer auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. „In der Vergangenheit hat das dazu geführt, dass die KTA sich mit den Themen des konziliaren Prozesses Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gut identifizieren konnte.“ Klaus Koch

Theologische Unterschiede heute kaum noch ausschlaggebend

Als Oberkirchenrat hat Klaus Bümlein keiner kirchenpolitischen Gruppe angehört – Unterschiede in der Pfalz weniger groß als andernorts

Der promovierte Pfälzer Pfarrer Klaus Bümlein war in den vergangenen Jahrzehnten der einzige Oberkirchenrat der Landeskirche, der keiner kirchenpolitischen Gruppe angehörte. Er habe etwas mehr Sympathie für „Bibel und Bekenntnis“ gehabt, sei aber nie Mitglied gewesen, sagt Bümlein, der bis 2005 Bildungsdezernent war. Bibel und Bekenntnis ist inzwischen aus der pfälzischen Landessynode verschwunden.

Zu seiner Zeit habe es mit Bibel und Bekenntnis, dem Arbeitskreis Offene Kirche (AOK) und der Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaft (KTA) drei kirchenpolitische Gruppen gegeben, die sich zumindest in den ersten Jahrzehnten nach 1945 deutlich unterschieden hätten, sagt Bümlein. Allerdings seien diese Differenzen in der Pfalz nie so stark gewesen wie in anderen Landeskirchen. Er sei zu jeder Gruppe gegangen, weil es in jeder starke Persönlichkeiten gegeben habe, mit denen er sich gerne ausgetauscht habe.

Bibel und Bekenntnis sei aus der positiven Bewegung hervorgegangen, sagt Bümlein. Ihre Mitglieder hätten positiv zur Autorität des biblischen Wortes gestanden und die Bedeutung der Bekenntnisschriften bei der Vermittlung biblischer Inhalte hervorgehoben. Sie hätten damit nicht in der Tradition der Pfälzer Kirchenunion gestanden, die die Heilige Schrift in den Mittelpunkt stelle und Bekenntnissen geringere Bedeutung beimesse. Bibel und Bekenntnis sei theologisch konservativ gewesen. Allerdings weniger streng als andernorts. So hätten sich nach 1945 auch Vertreter dieser Gruppe in der Pfalz für die Ordination von Frauen eingesetzt.

Während Bibel und Bekenntnis die „positive“ Tradition weitergeführt hat, steht der Arbeitskreis Offene Kirche für die liberale Richtung des Protestantismus. Diese Richtung sei gegen ein starres Festhalten an alten Werten, sagt Bümlein. Die „Liberalen“ begrüßten die Auslegung der Bibel nach wissenschaftlichen Methoden und suchten immer wieder neue Antworten auf aktuelle kirchliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Der AOK sei bestrebt gewesen, Glaube und Vernunft im Sinne aufklärerischen Denkens in Einklang zu bringen.

Die KTA sei als Konsequenz aus der NS-Zeit gegründet worden, sagt Bümlein. Daraus leite die Gruppe nach seiner Auffassung die Aufgabe ab, sich vom Evangelium her kritisch in die Gesellschaft einzubringen. Diese kritische Haltung gelte auch gegenüber staatlicher und kirchlicher Obrigkeit. Die KTA sei daher theologisch und gesellschaftlich eher progressiv.

Heute sind Unterschiede zwischen den Gruppen nach Bümleins Wahrnehmung kaum mehr erkennbar. Grund dafür könne die Situation an den Hochschulen sein. Dort gebe es zwar nach wie vor gute Lehrer, aber keine Persönlichkeiten mehr, um die sich theologische Schulen bildeten und die ganze Studierendengenerationen prägten. koc

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Wegen Corona: Die Landessynode mit ihren inzwischen vier kirchenpolitischen Gruppen tagt erstmals im Technikmuseum. Foto: Landry
Wegen Corona: Die Landessynode mit ihren inzwischen vier kirchenpolitischen Gruppen tagt erstmals im Technikmuseum. Foto: Landry

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    cTxLjOEKa 13/11/2021 um 00:08
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    HGXtxhojSnp 13/11/2021 um 00:08
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    wCMDsFLBSNJcj 12/11/2021 um 15:56
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    hgBzlOpe 12/11/2021 um 14:32
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