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Stiller Arbeiter im Hintergrund der Kirchenpräsidentin

Der frühere Lauterecker Pfarrer Timo Schmidt ist persönlicher Referent von Dorothee Wüst – Berater bei kirchenpolitischen Entscheidungen

Er ist der stille und konzentrierte Arbeiter im Hintergrund. Timo Schmidt recherchiert Fakten, schreibt Memoranden, entwirft Argumentationslinien, formuliert Thesen für Reden – und hält seiner Chefin damit den Rücken frei. Der 39-jährige Theologe ist seit vergangenem August persönlicher Referent von Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst in Speyer. Eine seiner Aufgaben ist es, der Kirchenpräsidentin bei der Vorbereitung von Reden und öffentlichen Statements der Kirchenleitung zuzuarbeiten – und sie damit zu entlasten.

„Ich bin gerne in der zweiten Reihe“, versichert der promovierte Theologe bescheiden, der zuletzt Gemeindepfarrer in Lauterecken im Landkreis Kusel war. Doch ist er kein simpler Redenschreiber. „Die Kirchenpräsidentin schreibt ihre Reden selbst, sie ist eine hervorragende Rednerin“, lobt Schmidt. Vielmehr ist er ein enger Berater der leitenden Theologin der Landeskirche und nimmt auch Einfluss auf kirchenpolitische Entscheidungen und Verlautbarungen: Schmidt gehört dem „Kreis des Vertrauens“ um die Kirchenpräsidentin gemeinsam mit deren Bürochef und dem Pressesprecher der Landeskirche an.

Bei den regelmäßigen Treffen des Beraterstabs genießt es Schmidt, der Freude an wissenschaftlicher Arbeit hat, „laut nachdenken zu können“. Die Wege zur Kirchenpräsidentin sind für ihn kurz, man sitzt Tür an Tür im Landeskirchenrat am Speyerer Domplatz. Wüsts Angebot für den vertrauensvollen Job an ihrer Seite sei für ihn aus heiterem Himmel gekommen, freut sich Schmidt.

Ruhig wägt der persönliche Referent verschiedene Positionen ab und präsentiert seiner Chefin und den Co-Beratern dann seine Meinung: Bei der Frage etwa, wie Kirchengemeinden in der Corona-Pandemie ihre Gottesdienste und ihr Gemeindeleben gestalten können. Oder auch mit Blick auf Putins Angriff auf die Ukraine, wie sich die Landeskirche zu Fragen von Krieg und Frieden öffentlich verhält. Was sie als Repräsentantin der Landeskirche sagt und wie sie handelt, entscheidet Kirchenpräsidentin Wüst dann selbst.

Die Früchte seiner Arbeit sieht Schmidt nicht immer sofort. „Manchmal hat man das Gefühl, man arbeitet für die ,Ablage Papierkorb’“, berichtet er. Doch das klingt nicht frustriert: Schließlich gibt es immer wieder Signale, dass seine Ideen und Anregungen durchaus „ankommen“. „Du weißt nicht, was das wirkt“, habe Kirchenpräsidentin Wüst einmal seine Expertise gewürdigt, erzählt Schmidt. „Es ist gut, wenn es eine Bewegung für sie auslöst.“

Auf die zentralen Zukunftsfragen der pfälzischen Landeskirche, „wo stehen wir, und wo wollen wir hin?“, gebe es leider keine einfachen Antworten, weiß Schmidt. Neuen Herausforderungen müsse sich die Kirche immer wieder beherzt stellen. Da ist der Theologe ganz mit Martin Luther, dem Ahnherr der Protestanten: Nur eine „ecclesia semper reformanda“, eine sich ständig reformierende Kirche, könne auch den Kontakt zu den Menschen wahren, ist er überzeugt.

Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit bewies Schmidt, der in Zweibrücken aufgewachsen ist, schon in jüngeren Jahren: Er war pfälzischer und rheinland-pfälzischer Meister im Hammerwurf. Den Kraftsport hat der in Speyer lebende Familienvater gegen das Kinderwagenschieben vertauscht. „Immerhin fahre ich manchmal mit dem Rad zur Arbeit“, tröstet sich der Vater zweier Kinder. Auch seine Frau hat den Pfarrberuf gewählt und ist in Elternzeit.

Als Nächstes steht die Landessynode von 18. bis 21. Mai in Speyer an, erinnert Timo Schmidt. Dafür hat er gut zu tun, er unterstützt die Kirchenpräsidentin bei der Erstellung ihres Berichts vor dem „Kirchenparlament“: ganz sicher konzentriert, klar strukturiert und fleißig. „Man muss dranbleiben können an einer Sache“, sagt er, „und darf nicht gleich aufgeben“. Alexander Lang

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Vor der evangelischen Kirche an seinem ehemaligen Wirkungsort in Lauterecken: Pfarrer Timo Schmidt. Foto: Sayer
Vor der evangelischen Kirche an seinem ehemaligen Wirkungsort in Lauterecken: Pfarrer Timo Schmidt. Foto: Sayer

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