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Schritte zum Frieden auf einem Kasernengelände

Kirche auf der Bundesgartenschau 2023 – Bäume und Wohnprojekt für das „Spinelli-Areal“ in Mannheim – Team bereitet Ehrenamtliche vor

Noch gehört einiges an Fantasie dazu, sich als Beobachter auf dem ehe­ma­li­gen Spinelli-Kasernenareal eine blü­hen­de Gartenschau vorzustellen. Bagger, Schlamm und Schutt bestimmen aktuell das Bild. In knapp einem Jahr, am 14. April 2023, öffnet die Bundesgartenschau in Mannheim ihre Tore. Jetzt hat der Kartenvorverkauf begonnen.

„Es ist eine spannende Perspektive, dass auf einem ehemaligen Kasernengelände eine friedliche Bundesgartenschau entsteht“, sagt Barbara Kraus. Das Mitglied des ökumenischen Organisationsteams der „Kirche auf der Buga23“ kennt das „Spinelli-Areal“ in Mannheim aus nächster Nähe. Vom Pfarrhaus St. Hildegard blickte die Gemeindereferentin viele Jahre auf den abgesperrten Militärbezirk.

„Im Golfkrieg haben wir beobachtet, wie Fahrzeuge umgespritzt wurden“, erinnert sich Kraus, die seit 21 Jahren in St. Hildegard wohnt. Über Wochen hätten sie und die anderen Anwohner damals Motorengeräusche gehört, ohne zu wissen, was hinter dem Sichtschutzzaun geschah. Einmal habe es eine kleine Friedensdemonstration gegeben.

Das Militärgelände, das in den 1930er Jahren von der Wehrmacht und nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Amerikanern genutzt wurde, war abgeschottet. Ein Sicherheitsdienst patrouillierte, Schilder warnten vor Schusswaffengebrauch. „Wir sahen Soldaten. Wenn es einen Verkehrsunfall mit einem amerikanischen Auto gab, kamen immer die deutsche und die US-Polizei“, erinnert sich Kraus.

Nach dem Abzug der amerikanischen Soldaten 2012 holte sich zunächst die Natur das 80 Hektar große Gelände zurück. „An einem Tag der offenen Tür, als viele Leute auf das Gelände kamen, wurde mir erstmals klar, wie riesig es ist“, betont die Organisatorin. 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, bevölkerten geflüchtete Menschen zwei Kasernengebäude und Hallen, bevor die Stadt Mannheim über Umwege das Gelände erwarb.

Mittlerweile sind die Asphaltstraßen zurückgebaut worden. Auch Asbest wurde entsorgt. Die Männer in den weißen Schutzanzügen hätten bei vielen Anwohnern ein „mulmiges Gefühl“ hinterlassen, weiß die Projektkoordinatorin der „Kirche auf der Buga23“ Valentina Ingmanns. Sie verwirklicht ein privates Wohnprojekt auf dem Grund und Boden bei der Bundesgartenschau. Das genossenschaftlich organisierte Projekt bietet Wohnraum für 21 Parteien sowie Gemeinschaftsräume. „Uns verbindet der Wunsch, miteinander zu leben“, skizziert Ingmanns den Kerngedanken der Genossenschaft „Oikos“. „Bei uns gibt es kein Eigentum, wir erwerben nur Anteile“, beschreibt die Mutter von vier Kindern das Prinzip. Entscheidungen würden alle demokratisch ausdiskutiert, Verantwortung gemeinsam getragen.

Die Stadt Mannheim unterstützt gemeinschaftliches Wohnen. Das Konzept der Bundesgartenschau 2023 sieht neben Blumen, genau 2023 frisch zu pflanzenden Bäumen und schönen Ecken zum Verweilen eine Stadtteilentwicklung vor. In drei Bauabschnitten soll im Stadtteil Käfertal Wohnraum für später rund 4500 Menschen entstehen. Damit würde Käfertal in den kommenden Jahren zum größten Mannheimer Stadtteil werden. Wenn Valentina Ingmanns und Barbara Kraus ab Ende April die ehrenamtlichen „Möglichmacher und Möglichmacherinnen“ auf ihre Aufgaben vorbereiten, haben diese beiden heute schon ein blühendes Bild vor Augen. Die beiden Mitglieder des „Kirche auf der Buga23“-Teams sind begeistert von der Idee, dass auf dem Kasernengelände ein neues Wohnquartier und ein Naherholungsgebiet entstehen sollen.

„Ich liebe diesen Ort, diese Weite, den Himmel darüber“, freut sich Ingmanns auf ihr neues Heim. Von einem „guten Geist zum Wohnen“ spricht Kraus. Sie freue sich besonders, dass die alte Käfertaler Achse zwischen den Mannheimer Stadtteilen Käfertal und Feudenheim als Radweg wieder reaktiviert werde, so die Gemeindereferentin. Die Transformation des Geländes sei ein „Schritt in Richtung Frieden“, ergänzt ihre Kollegin. Susanne Lohse

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Asphalt, Schlamm und Schutt bestimmen aktuell das Bild auf dem ehemaligen Spinelli-Kasernengelände in Mannheim: In knapp einem Jahr öffnet die Bundesgartenschau dort ihre Tore. Foto: Buga
Asphalt, Schlamm und Schutt bestimmen aktuell das Bild auf dem ehemaligen Spinelli-Kasernengelände in Mannheim: In knapp einem Jahr öffnet die Bundesgartenschau dort ihre Tore. Foto: Buga
Das Organisationsteam der „Kirche auf der Buga23“ (von links): Valentina Ingmanns, Barbara Kraus und Nina Roller. Foto: epd
Das Organisationsteam der „Kirche auf der Buga23“ (von links): Valentina Ingmanns, Barbara Kraus und Nina Roller. Foto: epd

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