Zwischen Rhein und Saar

Postfiliale und Buchhandlung sind jetzt mit im Haus

Kirchengemeinde Lustadt baut Gemeindehaus um – Kosten von 237500 Euro durch Verkauf des kircheneigenen Bolzplatzes mitfinanziert

Die Kirchengemeinde Lustadt hat ihr Gemeindehaus „Haus der Kirche“ umgebaut – mit Blick auf die Sicherung ihrer Finanzen. Sie hat zwei Ladengeschäfte als Mieter im Tiefparterre des Hauses aufgenommen: eine Postfiliale mit Lotto, Tabakwaren und Zeitschriften und die Buchhandlung „Das Bücherherz“ mit Schreibwaren. Daneben wurde in einem dritten Raum das Pfarrbüro eingerichtet. Im Obergeschoss sind die Gemeinderäume zu finden.

Damit der Zugang behindertenfreundlich umgestaltet werden konnte, waren umfangreiche Arbeiten an Vorplatz und Fassade nötig. „Zuvor war die Gebäudefront an der Straße nur mit kleineren Fenstern versehen, jetzt mussten im Tiefparterre Ladentüren und neue Fenster bis zum Boden eingebaut werden. Und am barrierefreien Zugang wurde ein Handlauf angebracht“, informierte Architekt Helmut Postel. Auch sei ein durchgehendes breites Glasdach an der Gebäudefront errichtet worden.

Mit dem Umbau habe sich die Adresse geändert, sagte Gemeindepfarrer Willi Kwade bei der feierlichen Indienststellung des Gebäudes. Die Postanschrift ist nicht mehr wie seit 1975, als das Haus fertiggestellt wurde, die Schulstraße 4, sondern nun die Obere Hauptstraße 276. Fünf Parkplätze seien neu vor dem Gebäude geschaffen worden, an der Rückseite gebe es vom Zugang Schulstraße her noch weitere zehn.

Ortsbürgermeister Volker Hardardt sprach von einem „Glücksfall für unseren Ort“, weil sich das Gemeindehaus mit den beiden Ladengeschäften direkt neben einem Wasgau-Supermarkt und in der Nähe von Sparkasse und Volksbank befinde. Auch liege es in der Mitte zwischen Ober- und Unterlustadt und sei damit ein Brückenbauer zwischen den beiden Ortsteilen.

So war das Gebäude auch konzipiert worden, als es ab 1975 von der protestantischen Kirchen- und der katholischen Pfarrgemeinde als „Haus der Kirchen“ in Betrieb genommen wurde. Den Katholiken gehörte der kleinere rechte Gebäudeteil. Im Zuge der Umstrukturierungen im Bistum gaben sie 2015 den Gebäudeteil samt dem zweiten Treppenhaus ab. Die Protestanten kauften ihn für 60000 Euro zurück – mit der Auflage ihrer Kirchenaufsicht in Speyer, dass durch die Aktion und einen anstehenden Umbau keine weiteren Kosten für die Kirchengemeinde entstehen dürften.

Auf die Idee, Gewerbetreibende als Mieter aufzunehmen, habe Jochen Wütscher vom Protestantischen Verwaltungsamt in Speyer die Kirchengemeinde gebracht, sagte Kwade. Nachdem Presbyterium und die Bezirkssynode Germersheim die Idee unterstützten, sei die Suche nach Mietern losgegangen. Dabei hätten ihm Presbyter und andere Lustadter geholfen. Die Buchhandlung Bücherherz, bisher beengt im Oberdorf untergebracht, habe auf die Anfrage positiv reagiert und zugesagt. Auch die Postfiliale habe sich unter anderem mit dem Argument der Parkplätze vor den Geschäftsräumen überzeugen lassen.

Die Umbaukosten von insgesamt 237500 Euro konnte die Kirchengemeinde durch Rücklagen und vor allem den Verkauf eines Grundstücks an den Wasgau-Supermarkt finanzieren. Der Supermarkt brauchte Platzreserven und erwarb deshalb gern den Bolzplatz, der zwischen Gemeindehaus und ihm liegt. Nach Angaben Kwades kamen dadurch rund 90000 Euro in den Haushalt der Kirchengemeinde.

Presbyterium und Gemeindepfarrer hoffen nun, durch die Mieteinnahmen den Bauerhalt von Gemeindehaus, zwei Kirchen und Pfarrhaus künftig stemmen zu können. Besonders bedankte sich Kwade bei allen Ehrenamtlichen, die mit vielfältigem Engagement beim Umbau des „Hauses der Kirche“ mitgeholfen haben. Vor allem Presbyteriumsvorsitzender Hermann Bethke sei während des sechsmonatigen Umbaus von Oktober vergangenen Jahres bis März fast täglich vor Ort gewesen.

Die Öffnungszeiten des Pfarrbüros sind ab jetzt erweitert: Besucher treffen dienstagmorgens von 9 bis 11 Uhr Pfarramtssekretärin Uta Beyer und donnerstagnachmittags zwischen 16.30 bis 18 Uhr Pfarrer Kwade, Ehrenamtliche oder Presbyter an. dob