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Pilgern und Genießen

Die drei Routen der Jakobswege durch die Pfalz werden neu beschildert - Pilgerführer überarbeitet

Die Jakobswege durch die Pfalz werden neu beschildert und teilweise umgelegt. Deshalb wird auch der Pilgerführer Jakobswege, der im Peregrinus Verlag erscheint, neu bearbeitet. Die Autorin Beate Steger hat dafür die Pfalz für sich noch einmal neu entdeckt.

Mit fünf Jahren habe ich meinen ersten Urlaub mit der ganzen Familie in der Pfalz verbracht. Die Anreise vom badischen Wiesloch war nicht weit. Auch in den folgenden Jahren war die Pfalz beliebtes Ausflugsziel für uns, und meine Freude war groß, als ich das Angebot bekam, die Neuauflage des Pilgerführers über die Pfälzer Jakobswege zu erarbeiten. Seit 2009 dokumentiere ich die Jakobswege in Deutschland. Von den Jakobswegen durch die Pfalz hatte ich nicht nur Gutes gehört: Die Strecken führten oftmals entlang der Landstraßen und seien nicht sehr abwechslungsreich. So ging ich etwas vorbelastet ans Werk.

Es war mir klar, dass ich die rund 360 Kilometer – geplant war, die Nord- und Südroute, aber auch die Verbindungsroute zwischen Johanniskreuz und Erlenbach bei Dahn zu beschreiben – nicht komplett ablaufen konnte, doch um einen guten Pilgerführer zu schreiben, will ich jeden Meter des Weges kennen. Daher war ich für die Dokumentation per Rad und zu Fuß unterwegs. Das Radfahren funktioniert aufgrund der Wegbeschaffenheit nicht immer so gut, und manchmal schiebe oder trage ich das Rad über schwierige Stellen, doch insgesamt komme ich gut voran.

Von der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland wurden mir für die zahlreichen Wegstrecken Ansprechpartner genannt, die die Neuausschilderung vorantreiben und eventuelle Umlegung der alten Wegstrecke mitgestalten wollten. Die Pfälzer Jakobswege bestehen aus drei Wegen. Der Anfang ist in Speyer am Dom beziehungsweise bei der Pilgerstatue in der Fußgängerzone. Vor der Gedächtniskirche kann man sich für die Nord- oder die Südroute entscheiden. Nach rechts geht es auf der Nordroute nach Neustadt und über Elmstein und Johanniskreuz zur Karlstalschlucht bei Trippstadt, von dort Richtung Landstuhl; danach wendet sich der Weg bei Lambsborn nach Süden, streift Homburg und endet am Kloster in Hornbach.

Die Südroute über Landau ist für das erste Drittel bis nach Bad Bergzabern ein Weg, der gut mit dem Rad bewältigt werden kann. Danach betritt man den echten Pfälzerwald, und die Strecke führt über Erlenbach und Fischbach bei Dahn nach Eppenbrunn und Kröppen bis nach Hornbach. Beide Routen werden nach und nach mit der gelben Muschel auf blauem Hintergrund neu beschildert. Dabei zeigt der Knoten der Muschel die Richtung an. Die alten weiß-blauen Muschelzeichen, die typisch und so nur auf den Pfälzer Jakobswegen zu finden waren, werden nach und nach ersetzt. Die Verbindungsroute, bei der bisher noch nicht klar ist, ob sie überhaupt mit dem neuen Muschelzeichen ausgeschildert wird, kann von Johanniskreuz über Pirmasens nach Erlenbach bei Dahn gegangen werden.

Für mich war bei allen Etappen wichtig, die kleinen Besonderheiten entlang der Wege aufzuspüren und zu beschreiben. So fand ich alte verwitterte Grabsteine auf der windigen Hochebene Richtung Riedelberg, zur Südroute gehörend, die älteste Burgruine aus dem 4. Jahrhundert auf der Verbindungsroute beim Clausensee oder keltisch-römische Spuren bei Landstuhl auf der Nordroute.

Da es mir in der Vergangenheit schon des öfteren passierte, dass ich auf Jakobswegen in Deutschland keine Schilder mehr fand und nicht wusste, wie ich weitergehen muss, wollte ich den Weg so beschreiben, dass man auch ohne Muschelzeichen zurecht kommt. Denn leider werden die Jakobswegzeichen oft von „Trophäensammlern“ mitgenommen. Doch da viele Wanderstrecken durch das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands verlaufen, finden sich im Pfälzerwald zahlreiche Wegzeichen. Was lag also näher, als die anderen Wegzeichen mit in die Beschreibung aufzunehmen. So verläuft beispielsweise ein großer Teil der Nordroute bei Landstuhl auch auf dem Armbanduhrenweg, dem offiziellen Saar-Pfalz-Weg mit 270 Kilometer Länge, gekennzeichnet mit einem schwarzen Punkt auf weißem Balken.

Am Anfang der Erkundung der Nord- und Südroute war die Anreise von Wiesloch unproblematisch. Ich konnte sonntägliche Ausflüge mit meinen Recherchetouren verbinden. Als die Reise tiefer in den Pfälzerwald ging, plante ich mehrtägige Aufenthalte. Im Mai 2020 erfüllte ich mir einen Traum und erstand ein gebrauchtes Wohnmobil, mit dem ich auch in Corona-Zeiten entlang der Routen kurzzeitig Quartier beziehen konnte. Morgens ging es mit dem Rad auf dem original Jakobsweg los, die GPS Tracks dazu wurden mir von der Jakobusgesellschaft zur Verfügung gestellt. Markiert waren die Wege zu dieser Zeit noch nicht, die Neuausschilderung findet erst seit der zweiten Jahreshälfte 2020 statt und wird sich noch bis in den Sommer 2021 fortsetzen.

Ich plante, mit dem Rad pro Tag zwei oder drei Etappen zu erkunden. Doch das gestaltete sich schwierig. Ich war froh, wenn ich eine Fußetappe pro Tag geschafft habe. Zu oft war die Wegstrecke trotz vorhandener GPS-Daten ungenau, die vorhandenen Muscheln als Wegzeichen unklar, oder es gab keine weiteren Wegzeichen, um die Strecke zu beschreiben. In diesem Fall suchte ich nach Landmarken. Burgruinen sind prädestiniert dafür, leider nicht immer vorhanden. Herausragende Steine oder Felsen, kleine Seen oder Quellen sind ebenfalls gut geeignet. Oder die Rittersteine, die man sehr oft in der Pfalz findet. Sie beziehen sich auf geschichtliche oder heimatkundlich bemerkenswerte Orte, zeichnen sich durch gelbe eingemeißelte Schrift auf Sandstein aus und wurden ursprünglich durch Regierungsdirektor Karl Albrecht von Ritter (1836 bis 1917), Gründer und erster Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins, aufgestellt.

Während meiner Erkundung der Wege im Sommer 2020 kam es immer wieder zu Änderungen. Besonders bei Elmstein war bis zur Drucklegung des Pilgerführers nicht klar, wie der Weg laufen soll. Entweder übers Kloster Esthal mit Unterkunftsmöglichkeit, oder der direkte und alte Weg übers Forsthaus Breitenstein. Auf der Internetseite des Verlags sind die Änderungen jederzeit nachzuverfolgen.

Neben den offiziellen Wegstrecken finden sich als Extra für die Leser Alternativstrecken, die nicht ausgeschildert sind, aber mit der Beschreibung gut gefunden werden. Die meisten Hinweise zu den Alternativen stammen von Heinz Burkhardt, dem Verantwortlichen der Region Pirminiusland Südwestpfalz der Jakobusgesellschaft. Mit seiner Ortskenntnis machte er mich auf großartige Wege aufmerksam, die man, geschickt kombiniert, auf der Südroute quasi als Rundwege gehen kann. Man geht beispielsweise von Eppenbrunn nach Kröppen und weiter bis Riedelberg. Der Rückweg führt über Rolbing und Walschbronn auf französischer Seite.

Der Pfälzerwald mit vielen Kilometern Jakobswegen ist ein hervorragendes Revier für ausgedehntes Pilgern und Genießen. Wenn die Hütten wieder Gäste empfangen dürfen, ist das Pilgerglück perfekt.

Beate Steger: Pfälzer Jakobswege, Peregrinus GmbH, 14,95 Euro, ISBN 978-3-946777-15-1.