Glosse

Otter möchten leben wie ihre Menschen

von Lore Dohrenbusch

Nach Angaben von Tierschutzorganisationen halten sich seit 2016 immer mehr Japaner in ihrer Wohnung Fischotter als exotische Haustiere. „World Animal Protection“ warnt, der Trend werde in den sozialen Medien noch befeuert, wenn die Halter Filmchen über ihre Haustiere posten. Die Population frei lebender Fischotter sei in Südostasien in den vergangenen 20 Jahren um mindestens 30 Prozent zurückgegangen. Durch die wachsende Nachfrage nach jungen Ottern würden in Indonesien und Thailand zunehmend erwachsene Otter getötet, ihr Nachwuchs eingefangen und als Haustiere im Ausland verkauft. In Japan kostet ein Otterbaby bis zu eine Million Yen, das sind 8544 Euro.

Inzwischen gibt es aber in Japan offenbar legale Nachzuchten. Und manche Halter posten ihre professionell gemachten Kurzfilmchen von den Lieblingen unter großer Beachtung etwa auf der Internetplattform „Youtube.com“. Gleich 450 000 Abonnenten haben Ottermädchen Hana und ihr Kumpel, Otterjunge Kotaro. Die beiden Dreijährigen wohnen bei einem Ehepaar in Japan, das offenbar immer Zeit für sie hat – und eine Dachterrasse mit Pool. Im Übrigen teilt das Ehepaar Tisch, Sofa und Badewanne mit den Ottern, obwohl die beiden einen eigenen Essplatz und eigene Liegeplätze auf dem Boden haben. Sie möchten offenbar leben wie ihre Menschen. So stehen sie auf den Stühlen am Esstisch, wenn sie ihren Lachs einnehmen.

Ich konnte bisher keine Verhaltensstörungen bei ihnen erkennen. Im Gegenteil, das Ehepaar tut alles, um Fischottertugenden wie wendiges Schwimmen und die Persönlichkeiten der beiden nach Kräften zu fördern. So geht es in regelmäßigen Abständen an einen Fluss zum Schwimmen oder man trifft sich mit anderen Otterbesitzern und ihren Schützlingen zum Ferienlager am Fluss. Neulich haben sie mit Hana und Kotaro einen Aquazoo besucht. Als die beiden begeistert Kontakt zu den Ottern hinter der Scheibe aufnehmen wollten, haben diese nicht mal reagiert und sich nur mit sich selber beschäftigt.