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Neue Präsidentin kritisiert Exklusion von Frauen

Sozialwissenschaftlerin Stetter-Karp an die Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gewählt

An der Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) steht zum zweiten Mal eine Frau. Die Vollversammlung der Organisation katholischer Laien wählte Irme Stetter-Karp zur neuen Präsidentin. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin arbeitete bis zu ihrem Ruhestandseintritt im vergangenen Jahr in leitenden Funktionen bei der Caritas, ist bis 2022 auch noch Vizepräsidentin des katholischen Wohlfahrtsverbands. Die 65-Jährige benannte nach ihrer Wahl drei „Großbaustellen“, die Themen für das ZdK böten: Migration und Integration, die Pflegereform und eine mögliche Reform der Arbeitsweise in der Laienorganisation.

Es gehe darum, Arbeit anders zu verteilen, sagte Stetter-Karp. Das wolle sie nicht nur, um das Präsidentenamt zu entlasten, sondern weil sie von Teamarbeit überzeugt sei, sagte sie. Die Herausforderung und Arbeit scheue sie allerdings nicht. „Ich schufte gerne“, sagte die Baden-Württembergerin. Sie will nach eigenen Worten dafür sorgen, dass sich die katholischen Laien insbesondere nach dem Umzug des ZdK von Bonn nach Berlin auch politisch äußern. „Ich stehe dafür, dass wir uns als Christen aus unserem Glauben heraus einmischen, so gut wir können.“

Stetter-Karp wurde bei der Vollversammlung mit 149 von 190 abgegebenen Stimmen zur Präsidentin des ZdK gewählt. Sie ist nach der CDU-Politikerin Rita Waschbüsch, die von 1988 bis 1997 das ZdK leitete, die zweite Frau an der Spitze der Organisation. Stetter-Karp folgt auf Thomas Sternberg, der sechs Jahre im Amt war. In Sternbergs Amtszeit wurde der sogenannte Synodale Weg gestartet, in dem katholische Amtsträger und Laien über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal beraten. Das ZdK ist dabei die Institution, die der Bischofskonferenz in den Diskussionen gegenübersitzt.

Stetter-Karp begleitete bereits als Delegierte der Synodalversammlung den Reformprozess. Als Präsidentin des ZdK wird sie künftig neben dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Co-Präsidentin des Synodalen Wegs sein. Bätzing gratulierte Stetter-Karp unmittelbar nach ihrer Wahl. „Gehen wir diesen Weg gemeinsam, ohne Angst, im mutigen Aufbruch einer Kirche, die nach vorne blickt, wie es Papst Franziskus sagt“, erklärte er.

Stetter-Karp betonte, sie wolle dabei helfen, dass die Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinne, nicht um ihrer selbst, sondern um der Sache willen. Zur in der katholischen Kirche nicht möglichen Weihe von Frauen ins Priesteramt, die auch Thema beim Synodalen Weg ist, hat sie eine klare Meinung: Nicht erst jetzt, „sondern immer schon war für mich diese Exklusion nicht hinnehmbar“, sagte sie. Stetter-Karp war lange in der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig und leitete dort zuletzt die Hauptabteilung Caritas im bischöflichen Ordinariat. Im September 2020 ging sie in den Ruhestand. Seit November 2020 ist sie auch Präsidentin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge.

Das ZdK ist auch Organisator der Katholikentage, die alle zwei Jahre stattfinden. Der nächste ist für das kommende Jahr in Stuttgart geplant. Zu Stetter-Karps Stellvertreterinnen und Stellvertretern im Präsidium wurden die Vizepräsidentin des Katholischen Frauenbunds, Birgit Mock, die frühere RBB-Programmdirektorin und Hochschulprofessorin Claudia Nothelle, der Theologieprofessor Thomas Söding und der Bankkaufmann Wolfgang Klose gewählt. epd

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Folgt auf Thomas Sternberg: Irme Stetter-Karp will für ihre Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Foto: epd
Folgt auf Thomas Sternberg: Irme Stetter-Karp will für ihre Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Foto: epd

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