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Mut zur Umkehr

Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrer Lars Stetzenbach

Und es geschah das Wort des Herrn zum zweiten Mal zu Jona: Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage! Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der Herr gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch 40 Tage, so wird Ninive untergehen. Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche.

Jona 3, 1–7 (8–10)

Wer sich schon mal verlaufen hat, weiß, dass Umkehren mit Frustration verbunden sein kann. Auch im Alltagsleben gibt es die Erfahrung, dass Umkehr hilfreich und notwendig ist. Wer sich verrannt hat und zur Umkehr bereit ist, stellt sich kein Armutszeugnis aus. Ganz im Gegenteil: Vor der Entscheidung zur Umkehr brauchen wir Einsicht, dass der eingeschlagene Weg nicht zum Ziel führt, gefährlich ist oder sogar Unheil bringt. Neben Umkehr aus Einsicht gibt es die Umkehr aus Vorsicht oder Rücksicht. Neue Wege, die eingeschlagen werden, haben einen Vorteil. Es können Wege zum Leben sein. „Umkehr zum Leben“, so hieß einmal das Motto eines Kirchentags.

„Umkehr zum Leben“ geschähe, wenn es gelingt, unsere Schöpfung besser zu schützen. „Umkehr zum Leben“ geschieht, wenn die Welt sich voll und ganz dem Frieden widmen würde. „Umkehr zum Leben“ ist es, wenn wir uns alle in unserer Verschiedenheit anerkennen würden. Natürlich wird es immer wieder Menschen geben, die sich gegen Umkehr sperren, Gott sei Dank aber auch die, die sich durch einen Anstoß von außen darauf einlassen. Beiden Charakteren begegnen wir im Jonabuch. Der Prophet will vor Gottes Auftrag weglaufen, der Stadt Ninive ihren Untergang zu prophezeien. Dabei bringt er gleich zweimal Menschen aus anderen Völkern zur Umkehr und zur Hinwendung zum Gott Israels.

Als Jona sagt, dass sie ihn vom Schiff ins Meer werfen sollen, damit sie aus der Seenot herauskommen, beten die Seeleute zu Jahwe, seinem Gott. Auch die Bewohner Ninives, denen er beim zweiten Anlauf doch die Zerstörung ihrer Stadt ansagt, kehren um. Jonas Gerichtspredigt ist kurz: „Es sind noch 40 Tage, so wird Ninive untergehen.“

Die Zahl 40 ist in der Bibel die Zahl der Buße und des Fastens. Menschen nutzen sie als Zeit der Reifung, zum Nachdenken und zur Einkehr. Auch die Bewohner Ninives nutzen die 40 Tage mit Erfolg. Als sie Jonas Gerichtsbotschaft hören, handeln sie – zeigen Einsicht, kehren um und erfahren Rettung. Das Jonabuch zeigt auf: Keiner muss so bleiben wie er ist. Jeder kann sich ändern. Die eigene Lebensgeschichte muss nicht in der Katastrophe enden. Wer auf Gott vertraut und ihn anruft, kann seine Hilfe erfahren.

Die Menschen aus Ninive erschrecken durch Jonas Botschaft. Sie halten inne und reagieren. Der König und seine Untertanen, Menschen und Tiere fasten und trauern. Der König gibt die Hoffnung nicht auf, dass Umkehr und Gebete Gott umstimmen mögen. Ninive kehrte um und wandte sich Gott zu. Die Bewohner waren bereit, ihr Leben zu ändern. Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist, dass sie damit Gott selbst zur Umkehr bewegten. Die Einwohner Ninives kehrten um, Gott kehrte auch um. Die Stadt wird nicht zerstört. Menschen und Tiere haben eine Zukunft. Es ist ein ermutigendes Gottesbild, das das Jonabuch erzählt. Die Liebe Gottes ist größer als sein Zorn. Gott lässt seine Güte über seinen Zorn siegen. Gott ist barmherzig, gnädig und langmütig. Ihn reut das angedrohte Unheil, er ändert sich und zeigt sein Mitgefühl.

Jonas Verhalten dagegen irritiert: Im Gegensatz zu Gott ist er stur und gnadenlos. Während die Umkehr der bösen Menschen in Ninive bei uns Jauchzen auslöst, lässt Jonas Sturheit uns mit Fragen zurück. Er will nicht mehr leben, weil die Leute aus Ninive ihr Leben ändern und sich bessern. Er hatte doch Erfolg mit seiner Predigt. Warum freut er sich nicht über Gottes Erbarmen? Im Fortgang der Geschichte bemüht sich Gott um ihn, damit er von seiner Sturheit zur Einsicht findet. Ob Jona noch zum barmherzigen Gott umkehrt, bleibt offen.

Es lohnt sich, das kleine, kurze Buch Jona ganz zu lesen. Es lässt seine Leserin und Leser sowohl schmunzeln als auch den Kopf schütteln. Und es lehrt uns: Hab Mut umzukehren, denn Gott ist barmherzig und will, dass du lebst, mit allen Geschöpfen um dich herum.

Lars Stetzenbach ist seit 2015 Dekan im Kirchenbezirk Kusel.

Gebet

Gnädiger Gott, lass dein Angesicht leuchten! Kehr bei uns ein mit dem Geist deiner Kraft! Gnädiger Gott, steck uns an mit der Liebe, die neues Leben schafft! Kehr bei uns ein mit deiner Kraft! Kehr bei uns ein mit deiner Kraft! Amen.

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Jona predigt den Menschen in Ninive. Gemälde von Andrea Vaccaro (1604 bis 1670), Öl auf Leinwand, Museo de Bellas Artes de Sevilla. Foto: wiki
Jona predigt den Menschen in Ninive. Gemälde von Andrea Vaccaro (1604 bis 1670), Öl auf Leinwand, Museo de Bellas Artes de Sevilla. Foto: wiki

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