Zwischen Rhein und Saar

Mit großem Respekt und voller Zuversicht

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst über die notwendige Erdung durch die Familie und ihren Führungsstil

Studentin, Vikarin, Gemeindepfarrerin, Dekanin, Oberkirchenrätin, Kirchenpräsidentin: Dorothee Wüst hat in den zurückliegenden dreieinhalb Jahrzehnten beeindruckend Karriere gemacht. Nun steht sie an der Spitze. Großen Respekt habe sie vor diesem Amt, sagt die 55-Jährige. Ihr ist klar, dass die Menschen viel erwarten. Innerhalb und außerhalb der Kirche werde wesentlich sein, wie sie das Amt ausfülle und wie sie wahrgenommen werde. „Das beschäftigt mich.“

Weniger beschäftigt sie Äußerliches wie die angemessene Kleiderwahl. In dieser Beziehung hat es eine Würdenträgerin ja immer noch nicht so einfach wie ein Würdenträger, der allenfalls zwischen ein paar gedeckten Anzügen wählen muss. „Bei der Entscheidung, was ich anziehe, werde ich darauf achten, dass es am Ende eben nicht nur darum geht, sondern um das, was ich tue und sage.“

Bei allem Respekt vorm neuen Amt herrscht aber vor allem Zuversicht. Wüst ist überzeugt: Ihre Familie werde sie wohltuend erden. Und sie selbst will aufmerksam bleiben. Viele Menschen stellten sich der Herausforderung, Beruf und Familie in ein gutes Gleichgewicht zu bringen. „Gerade in einer Leitungsfunktion kann es da ein wertvolles Zeichen sein, dass bei aller Hingabe im Beruf auch wichtig ist, für Familie und Freunde da zu sein.“

Und für sich selbst. Für Musik soll noch Zeit bleiben, sagt Wüst. Seit Kindheit spiele sie Klavier, seit einigen Jahren versuche sie sich an der Trompete und habe großen Spaß daran. Gerne würde sie weiterhin in einem Chor singen. Eine Stimme von vielen zu sein, die zusammen wunderbare Musik machen, sei eine erfüllende Erfahrung – und ein gutes Bild für das, was christliche Gemeinschaft ausmache: „Damit es schön klingt, singen viele gemeinsam, aber jede einzelne Stimme zählt.“

Dieses Bild passt für den Führungsstil, den die neue Kirchenpräsidentin pflegen möchte. Sie wisse, dass Entscheidungen nötig seien. Und sie wisse, dass Entscheidungen am besten gelängen, wenn man aufeinander höre, Kompetenzen achte und andere Meinungen ertragen könne. „Umgekehrt sind Entscheidungen dann für andere nachvollziehbar, wenn sie transparent getroffen und mit größtmöglicher Offenheit kommuniziert werden.“

Ein neues Amt gibt auch die Möglichkeit zurückzublicken auf die Menschen, die prägend waren im Leben. Theologisch nennt Wüst ihren Systematik-Professor Eilert Herms, der ihre Liebe zu Schleiermacher geweckt habe, den vor Kurzem gestorbenen Pfarrer Friedel Knecht aus Pirmasens, der ihr und anderen in der Jugendzeit Heimat gegeben habe, und ihren Mentor im Vikariat Werner Schneider, der ihr gezeigt habe, dass zum geistlichen Amt unbedingt Menschenliebe gehöre. Darüber hinaus sei sie vielen Menschen begegnet, die sie beeindruckt hätten. Womit sie da beeindruckt wurde, gibt einen Hinweis auf das, was der neuen Kirchenpräsidentin wichtig ist: Liebe, Geduld, Loyalität und Geradlinigkeit. koc