Glosse

Mit dem E-Bike ist man schnell bei den Menschen

von Alexander Lang

Juhu, ich hab es endlich! Ein halbes Jahr habe ich gewartet und meinen Radhändler genervt: Wann kommt es, wie lange muss ich noch warten? Nun also ist es da: mein neues E-Bike. Auch mich hat das Radel-Virus angesteckt. So wie Tausende andere Bundesbürger, die nun in der Corona-Krise den Umstieg auf das umweltfreundliche Transportmittel wagen. Seit Monaten kommen die Produzenten der mit einem Elektromotor unterstützten Räder nicht mehr hinterher. Es gibt lange Wartelisten.

E-Biken ist angesagt, gerade die Altersgruppe 50+ hat das Radeln für sich entdeckt. Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein: Der eine hat über die Jahre ein paar Röllchen um die Hüfte gelegt und möchte etwas für die Gesundheit tun. Andere treibt es raus in die Natur: Frische Luft atmen, ohne Angst, sich etwas einzufangen. Und obendrein macht man noch etwas für die geschundene Umwelt - und entdeckt seine Heimat ganz neu.

Kaum zu glauben, was für einen Radius ich mit meinem schwarzen Feger in ein, zwei Stunden in meiner badischen Toskana habe: Ein Abstecher zum Geburtshaus des Luther-Intimus Philipp Melanchthon nach Bretten und gleich weiter zum Kloster Maulbronn, dem sehenswerten Unesco-Weltkulturerbe? Kein Problem. Nur aufpassen sollte der E-Bike-Neuling. Im Geschwindigkeitsrausch vergisst er manchmal alle Gefahren, wenn eine unsichtbare Hand das Gefährt jeden noch so steilen "Buckel" hinaufschiebt.

Ein Vorreiter auf der E-Bike-Welle ist übrigens die pfälzische Landeskirche: 31 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie zehn Gemeindereferentinnen und -referenten haben für die Anschaffung eines E-Bikes oder eines Fahrrads einen Zuschuss bekommen. Selbst der Landeskirchenrat in Speyer besitzt ein Dienstrad. Somit kann Kirche ihrem Ziel weiter entgegenstrampeln, schnell nah bei den Menschen zu sein. Nix wie los!