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|   Leitartikel

Luthers Kind und der Kern der Kirche

von Hartmut Metzger

„Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören.“ So Martin Luther 1537. „Markenkern bleibt außen vor.“ So lautet die Überschrift über einem Leserbrief in der ­Tageszeitung „Die Rheinpfalz“, der sich auf die Ausgabe zum Reformationstag und zu Allerheiligen bezieht. Kritisiert wird darin, dass die beiden Beiträge der evangelischen und der katholischen Kirche zwar „viel Gutes und Lesenswertes“ über das Wirken beider Kirchen enthalten, leider aber jeder Hinweis fehle „auf den Geist, der hinter diesem Wirken steht, und auf das Fundament, ­worauf es gebaut ist“. Ausgerechnet dieser „Markenkern“ („also das, was kirchliches Handeln erst von anderem Handeln unterscheidet und was einmalig ist“) bleibe außen vor. Eine vertane Chance, die „typisch für kirchliche Defizite von heute“ sei, resümiert der Verfasser des Leserbriefs, ein katholischer Pfarrer im Ruhestand.

Nun ist es in der Tat nicht selbstverständlich, dass eine auflagenstarke Tageszeitung den Kirchen heutzutage noch die Chance einräumt, anlässlich besonderer kirchlicher Feiertage auf der dritten Seite ihrer Gesamtausgabe selbst das Wort zu ergreifen. Umso erstaunlicher ist es dann, dass bei dieser Chance, das eigene Handeln zu begründen und den Menschen zu erklären, die Worte Gott und Jesus nicht ein einziges Mal vorkommen. Neben den Gewerkschaften gibt es viele gute Vereine, die jeden Morgen erneut zur Rettung der Welt aufbrechen. Die „Heiligkeit“ der Kirche besteht laut Luther aber nicht „in Chorhemden, Tonsuren, langen Gewändern und ihren anderen Zeremonien“, sondern „im Wort Gottes und im rechten Glauben“ – aus dem das Handeln folgt.

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Hartmut Metzger
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