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Synode tritt in Speyer zusammen

Dekan Markus Jäckle stellt sich der Synode als Nachfolger von Oberkirchenrat Manfred Sutter zur Wahl

Die Landessynode wählt auf ihrer Herbstsynode einen Nachfolger für den geistlichen Oberkirchenrat Manfred Sutter, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Einziger Kandidat um die Nachfolge ist Markus Jäckle, seit 2013 Speyerer Dekan. Jäckle war bereits 2021 im Gespräch, als die Nachfolge für Kirchenpräsident Christian Schad anstand.

Gerade die Schwerpunkte des Dezernats 3 mit der Diakonie, der Kirchenmusik, Gottesdiensten und Kindertagesstätten reizten ihn an dem Amt, sagte Jäckle dem KIRCHENBOTEN. „Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Menschen, die mit Kirche wenig oder nichts anfangen können, gerade die Diakonie als positives Handeln von Kirche wahrnehmen“, sagte Jäckle. Ihm seien die Sozialprojekte Mahlzeit und Treffpunkt Asyl im Martin-Luther-King-Haus immer schon am Herzen gelegen

Beim Thema Gottesdienste müssten liturgische Fragen weiterentwickelt werden, „sowohl im Blick auf ihre Zeitgemäßheit wie im Blick auf zu bewahrende Elemente unserer gottesdienstlichen Tradition“, betonte Jäckle. Unter dieser Aufgabenstellung sehe er auch die Kirchenmusik. „Wir brauchen beides: klassische Kirchenmusik und moderne Popularmusik.“

Handlungsbedarf sieht Jäckle bei Kindertagesstätten, die für viele Kirchengemeinden wertvoller Teil der Gemeindearbeit seien. Kinder und Eltern würden hier religiös sozialisiert, seelsorgerlich begleitet und bekämen sozial-diakonische Hilfe. Voraussetzung sei aber, dass sie weiter für die Kirche finanzierbar blieben. „Dazu braucht es nun endlich eine Rahmenvereinbarung zur Regelung der Finanzierungsanteile zwischen Kommunen und freien Trägern.“ Ein weiteres Anliegen sei ihm, Diakonie und Kirchengemeinde über die Gemeinwesendiakonie wieder stärker zusammenzubringen. So werde diakonisches Handeln vor Ort sichtbar und erfahrbar.

Die Kirche sieht Jäckle als Teil eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses. Fachkräftemangel, Überalterung, Corona, Digitalisierung, veränderte Lebensführungsstile, ein verändertes Verständnis von Beteiligung und Ehrenamt beträfen so auch sie. Daher müsse sich die Kirche einladend und offen zeigen und sich der Frage stellen, wie sie „die enorm steigende Anzahl von Menschen, die nicht mehr oder noch nie etwas von uns wissen wollen“, erreiche. Auch was der Sinn von Glaube in der heutigen Zeit sei und was Gemeinschaftserfahrungen dazu beitragen, müsse kommuniziert werden.

Markus Jäckle ist in Aalen in Baden-Württemberg geboren und in Konstanz und Stuttgart-Bad Cannstatt in einem Pfarrhaushalt aufgewachsen. Parallel zum Theologiestudium hat er eine Gesangsausbildung gemacht. Ab 2003 hat Jäckle sein Vikariat in der Kirchengemeinde Schwegenheim absolviert. 2006 trat er seine erste Pfarrstelle in Ebertsheim an. Jäckle ist verheiratet und hat einen Sohn. Florian Riesterer

Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer wird weiter deutlich sinken

Oberkirchenrätin Marianne Wagner berichtet der Landessynode über die Personalentwicklung – Mitgliederschwund höher als prognostiziert

In zehn Jahren wird die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer in der pfälzischen Landeskirche um knapp ein Drittel sinken. Das geht aus dem Bericht über das geistliche Personal hervor, den Oberkirchenrätin Marianne Wagner der Landessynode am Samstag, 19. November, vorlegen wird. Im März 2022 haben 509 Pfarrerinnen und Pfarrer im Dienst der Landeskirche gestanden. Das seien 24 Köpfe weniger als vor fünf Jahren prognostiziert. Das liege vor allem daran, dass mehr Pfarrerinnen und Pfarrer vorzeitig in den Ruhestand gegangen seien, als vorausberechnet, sagte Wagner.

Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ist es nach Wagners Worten gelungen, jährlich zehn neue Pfarrerinnen und Pfarrer einzustellen. Das werde zukünftig nur gelingen, wenn neben den Vikarinnen und Vikaren, deren Zahl sinke, Quereinsteiger und Pfarrpersonal aus anderen Landeskirchen und aus den Partnerkirchen eingestellt werden könnten. Das werde auch dafür sorgen, dass die Vielfalt des Pfarrpersonals größer werde.

Die Landeskirche werde nicht offensiv Personal bei anderen Landeskirchen akquirieren, sagte Wagner. Aber die Landeskirche wolle sich einladend zeigen für die Pfarrerinnen und Pfarrer, die aus persönlichen Gründen in die Pfalz wollten oder sich von dem liberalen unierten Profil der Landeskirche angezogen fühlten. Nach den derzeitigen Berechnungen werden in den Jahren 2033 und 2034 rund 325 Pfarrerinnen und Pfarrer im Dienst der Landeskirche stehen. Diese Zahl solle in den dann folgenden Jahren konstant bleiben.

Nach den vorliegenden Zahlen sind derzeit etwa zwei Drittel der Pfälzer Pfarrerinnen und Pfarrer im Gemeindedienst tätig. Dieser Anteil solle auf 70 Prozent steigen, sagte Wagner. Damit wolle sie auch ein Zeichen für die hohe Bedeutung der Kirchengemeinden setzen. Sie sei gespannt, ob in der Synode über diese Verteilung von gesamtkirchlichem Pfarrpersonal und dem in den Gemeinden diskutiert werde. Ende des Jahres 2023 sollen neue Personalbudgets für die Kirchenbezirke erstellt werden, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Bei der Verteilung der Pfarrstellen sollen die Faktoren Gemeindemitgliederzahl und Fläche des Pfarramts eine größere Rolle spielen als bisher. Die Zahl der Diakone und der Jugendreferentinnen soll nach Wagners Worten in den kommenden Jahren mit rund 100 Vollzeitstellen konstant bleiben.

Große Sorgen macht sich die Personaldezernentin über die Mitgliederentwicklung. Im Personalbericht des Jahres 2017 sei von einem Rückgang der Mitgliederzahlen von jährlich 1,3 Prozent ausgegangen worden. 2021 sei der Rückgang mit 2,61 Prozent deutlich höher gewesen. Daher rechne die Landeskirche nun bis zum Jahr 2035 mit einem jährlichen Rückgang von 2,5 Prozent. 2035 hätte die Landeskirche dann noch 330000 Mitglieder im Vergleich zu derzeit etwa 458000. Klaus Koch

Landessynode berät Haushalt

Die Landessynode wird auf ihrer Herbsttagung in Speyer den Doppelhaushalt für die Jahre 2023 und 2024 beraten. Der Etat hat ein Volumen von etwa 200 Millionen beziehungsweise rund 212 Millionen Euro. Größter Posten sind steigenden Personalkosten mit 118 Millionen und 121 Millionen Euro. Rund ein Drittel der Gesamtausgaben entfallen auf den Gemeindepfarrdienst. Zum Ausgleich des Haushalts müssen 2023 etwa 1,9 Millionen Euro und 2024 knapp elf Millionen Euro aus den Rücklagen entnommen werden.

Die Landeskirche geht davon aus, dass sich die steigende Inflationsrate und die noch nicht abschätzbaren Folgen des Ukraine-Kriegs maßgeblich auf den Haushalt auswirken werden. Dies betreffe langfristig auch die Entwicklung der Kirchensteuer, heißt es im Vorbericht zum Haushalt. Wegen der positiven Konjunkturentwicklung wird für das ablaufende Jahr 2022 mit rund 130 Millionen Euro aus Kirchensteuern gerechnet. Dieses Steueraufkommen bleibt den Schätzungen zufolge auch in den Folgejahren auf ähnlichem Niveau. Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die stark steigenden Energiekosten für Gebäude. Die Mittel für Gas und Strom wurden im Haushalt zwar in fast dreifacher Höhe angesetzt. Ob dies tatsächlich ausreiche, sei aber nicht sicher, heißt es im Haushaltsbericht.

Besonders Maßnahmen zum Klimaschutz will die Landeskirche in den Jahren 2023 und 2024 fördern. Ziel ist es, bis spätestens 2040 Treibhausgas-Neutralität für kirchliche Gebäude zu erreichen. Die Pfarrämter sollen vor allem durch die flächendeckende Einführung der Standardassistenz bis 2024 bei der Verwaltung entlastet werden. Für beide Jahre sind dafür insgesamt rund 2,4 Millionen Euro angesetzt. flor

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Will Diakonie und Gemeinden stärker zusammenbringen: Markus Jäckle. Foto: Landry
Will Diakonie und Gemeinden stärker zusammenbringen: Markus Jäckle. Foto: Landry

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