Catholica

Liberal, bodenständig und selbstkritisch

Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode wird 70 Jahre alt - Hoffnung auf Diakoninnen zum Ende der Amtszeit

Es ist die Zeit der Jubiläen für den Osnabrücker katholischen Bischof Franz-Josef Bode. Doch nach großen Feiern dürfte dem stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz nicht zumute sein. Und das liegt nicht nur an Corona. Auch die wieder aufgeflammte Diskussion um die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche dürfte ihm zu schaffen machen. Hinzu kommt die für den Vorsitzenden der Frauenkommission herausfordernde Debatte um Gleichberechtigung bei der Ämtervergabe.

Am Dienstag (16. Februar) wurde der einst jüngste Bischof Deutschlands Franz-Josef Bode 70 Jahre alt. Im September begeht er den 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe. Im vergangenen November war er 25 Jahre Bischof von Osnabrück. Alle drei Anlässe sollen im September gefeiert werden. Der promovierte Theologe ist ein eher bodenständiger Mensch: Er ist in Paderborn geboren und in der Nähe aufgewachsen, einen Teil seines Studiums hat er ebenfalls dort verbracht. Er ist im dortigen Dom mit 25 Jahren zum Priester und 1991 auch zum Bischof geweiht worden.

Für bundesweites Aufsehen und Anerkennung sorgte Bode im November 2010 für seinen Bußgottesdienst anlässlich des aufgedeckten Missbrauchsskandals. Er gestand damals als einziger Bischof öffentlich die Schuld der Kirche ein und bat um Vergebung. Das Foto des bäuchlings vor dem Altar liegenden Bode ging durch die Medien. Später räumte er auch persönliche Fehler im Umgang mit Tätern ein. Er sprach mit Opfern, bereiste persönlich betroffene Gemeinden und stellte sich dort auch harscher Kritik. Vor vielen anderen setzte er unabhängige Ansprechpersonen für Opfer ein und präsentierte ein Präventionskonzept.

Im Dezember 2020 kündigte er an, im Rahmen der historischen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in seinem Bistum alle Verantwortlichen zu benennen, „die im Umgang mit Betroffenen und Tätern Fehler begangen und sich schuldig gemacht haben“. Kürzlich fügte er hinzu, das gelte auch, wenn es um ihn selbst gehe. Er erwarte aber nicht, dass die neuerlichen Untersuchungen Problematisches über ihn zutage förderten. Unabhängige Experten von außen würden alle Akten und Fälle aufarbeiten. Bode reagierte damit auf die Weigerung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki, ein Missbrauchsgutachten öffentlich zu machen.

Von Anfang an war der als liberal geltende Bode, der mehrfach als Bischof für größere Diözesen und als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz im Gespräch war, ein Treiber des Reformprozesses Synodaler Weg. Schon vor dessen Gründung brachte er mit dem Diakonat ein Weiheamt für Frauen in die Diskussion. Er betonte, dass er sich neben zölibatären Priestern auch katholische Geistliche mit Familie vorstellen könne. Zudem sprach er sich für eine Diskussion über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aus.

Als Leiter des Frauen-Forums beim Synodalen Weg setzt er sich dafür ein, dass mehr Frauen in Entscheidungspositionen gelangen. Bereits 2002 ernannte er als erster Bischof eine Frau zur Leiterin des Seelsorgeamtes. Mittlerweile leiten Frauen im Bistum Osnabrück auch Pfarrgemeinden. Bei der Weihe von Frauen zu Priesterinnen, die viele Frauen der Initiative „Maria 2.0“, aber auch einige Ordensfrauen fordern, bremst er jedoch die Erwartungen. Er weiß um die Widerstände in den Reihen der Bischöfe. Dennoch äußerte Bode immerhin die Hoffnung, „dass es zum Ende meiner Amtszeit 2026 Diakoninnen in der katholischen Kirche gibt“. Martina Schwager