Seitenkopf Kirchenbote

|   Andacht

Leben auf festem Grund

Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin Elke Wedler-Krüger

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Matthäus 7, 24–27

Junge Menschen werden auf ihren Weg geschickt. Wir feiern dieses Jahr spät Konfirmation und viele kluge und schöne Predigten werden gehalten. Der Inhalt sind oft gute Wünsche für die Zukunft und ein gesegnetes Leben. Ein solches Leben hat viele Facetten unterschiedlicher Wege. Genauso ist es immer auch bei den Entlassfeiern aus der Schule, gleich welchen Schultyps. Wegweiser und Hinweisschilder werden für das Leben der Jugendlichen gesucht, die dann an der richtigen Stelle bei Entscheidungen auftauchen. Positiv soll alles formuliert werden. Wir kennen die Wirkungsweise der negativen Pädagogik. Je mehr man verbietet und verneint, umso interessanter wird es, genau das auszuprobieren.

Es wäre aus unserer Sicht schön, wenn junge Menschen es riskieren würden, mit Gott unterwegs zu sein. Doch es ist ein Risiko und ein Abenteuer sich auf Gott einzulassen. Vielleicht ist das ein Grund, dass so viele Biographien an diesen Wegmarken des Lebens verschenkt werden. Auf den Büchertischen der Buchhandlungen zur Konfirmation jedenfalls liegen die Lebensgeschichten von Dietrich Bonhoeffer, Sophie Scholl oder Martin Luther King.

„Wer diese meine Rede hört“, so beginnt der Bibeltext. Die Rede ist die Bergpredigt, modern übersetzt das „Parteiprogramm“ Jesu. Der Evangelist Matthäus hat aufgeschrieben, was Jesus über das Leben gesagt hat; das Leben mit ihm und mit Gott. Es ist eine Umkehrung des Verhaltens, das die Menschen bisher kannten. Es soll sie freimachen und sie in Verantwortung rufen. Es ist ein revolutionärer Text, der damals alles auf den Kopf stellte.

Einige Ausschnitte machen deutlich, auf was Jesus sich bezieht. Glücklich werden die benannt, „die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“. Ja, denke ich, diese Menschen haben ein Ziel, das mehr bedeutet als ein kurzer Flug ins All, wie es uns die Superreichen in diesen Tagen vormachen. Es ist ein irdisches Programm, von dem wir in diesen Zeiten weit entfernt sind, da sich das Recht der Reichen und Starken immer mehr durchsetzt und ein Menschenleben immer weniger zählt. Gerade wurden die Zahlen des Welternährungsprogramms veröffentlicht: Der Hunger und die Not nehmen weltweit wieder zu.

Der nächste Redeausschnitt: „Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Ich wünsche mir mehr von diesen Barmherzigen, die menschlich miteinander umgehen, besonders in diesen Wahlkampfzeiten. „Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.“ Ich wünsche mir mehr Langmut und weniger Vorverurteilungen, vor allem in den sozialen Medien.

Das richtige Beten lehrt uns Jesus mit dem Vaterunser. In jedem Gottesdienst denke ich, begreifen wir eigentlich, was wir da beten? Schon bei der Vergebung der Schuld, müsste so mancher Gottesdienstbesucher still werden. Jemandem zu vergeben, fällt ja oft so schwer.

Mit seiner Bergpredigt hat uns Jesus viel ans Herz gelegt. Und er hat uns Hinweise gegeben, wie Leben gelingen kann. Seine Worte sind Wegweiser und Hinweisschilder. Nur: Gelingendes Leben im Sinne Jesu unterscheidet sich von einem Leben, das uns täglich etwa in der Werbung vor Augen geführt wird.

Es ist Arbeit, sein Leben wie ein Haus nicht auf Sand, sondern auf festen Grund zu bauen. Jeder, der schon einmal ein Haus gebaut hat, weiß, wovon ich spreche: Fundamente ausheben, genau sein, die Maße einhalten und nicht zuletzt für zufriedene Arbeiter und Arbeiterinnen auf der Baustelle sorgen. Denn sie alle haben ihre Aufgaben und bringen ihr Wissen ein. Wer baut, braucht auch Geduld, muss sich Zeit nehmen und einem Plan folgen. Nur so wurden Kathedralen für die Ewigkeit gebaut. Auch wenn sie dauernde Baustellen waren, haben sie vielen Stürmen getrotzt.

So kann auch die Baustelle Leben gelingen, wenn wir uns von den Worten des lebendigen und in unsere Leben auferstanden Jesu leiten lassen. Darauf liegt Segen und davon erzählen viele gelingende Lebensgeschichten. Allerdings gehört zur Wahrheit auch: Diese Leben sind oft in vielerlei Hinsicht ganz anders, als wir und die Betroffenen es sich vorgestellt haben.

Elke Wedler-Krüger ist Pfarrerin in den Gäugemeinden des Dekanats Neustadt.

Gebet

Ewiger, unser Leben hat mit dir einen festen Grund, der hält, wenn die Wogen des Lebens über uns zusammenschlagen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, wenn der Boden unter uns wankt. Gib uns jeden Tag, den Halt, den wir brauchen, sei mit deinem Segen bei uns. Das bitten wir dich mit Jesus Christus. Amen

Zurück
Matthäus 7, 24-27: „Wer diese meine Rede hört“, so beginnt der Bibeltext. Die Rede ist die Bergpredigt, modern übersetzt das „Parteiprogramm“ Jesu. Foto: pixabay
Matthäus 7, 24-27: „Wer diese meine Rede hört“, so beginnt der Bibeltext. Die Rede ist die Bergpredigt, modern übersetzt das „Parteiprogramm“ Jesu. Foto: pixabay

Ihre Meinung zum Artikel

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert

KIRCHENBOTE aktuell

Reformen und regelmäßiger Dialog

Umfrage vor der Bundestagswahl: Was die einzelnen Parteien an Kirchen schätzen und von ihnen fordern

> KIRCHENBOTE aktuell

Hermann-Lübbe-Preis 2021

Der KIRCHENBOTE hat zum 20. Mal den Hermann-Lübbe-Preis für die Gemeindepublizistik ausgeschrieben. Die Preisverleihung soll am Mittwoch, 6. Oktober, um 18.30 Uhr im Herz-Jesu-Kloster Neustadt stattfinden.
weitere Informationen

Abo-Service

Haben Ihnen unsere Leseproben gefallen? Dann abonnieren Sie doch den Evangelischen Kirchenboten! Es gibt ihn auch als digitale Ausgabe.

KiKi – der Kinderkirchenbote

beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit Noah und dem Regenbogen. Mehr dazu und die vorherigen Ausgaben unserer Kinderbeilage gibt es beim Menüpunkt "Unsere KiKi".

Newsletter

Ab sofort können Sie unseren wöchentlich erscheinenden Infobrief abonnieren. Auf der Seite "Newsletter abonnieren" im Menü Service können Sie Ihre Bestellung übermitteln.

Buchtipp

Ohne Himmel ist die Erde ziemlich grau

Denkanstöße - Hoffnungstexte - Glaubenswelten
von Helwig Wegner-Nord

Verlagshaus Speyer GmbH, 14 x 20 cm, 128 Seiten, Paperback, 11.90 Euro