Kommentar

Konflikte lösen mit dem Blick von außen

von Florian Riesterer

Eine Pfarrerin, die gegen ihren Willen zwangsversetzt wird, eine – aktuell ruhende – Klage vor dem Verfassungs- und Verwaltungsgericht der pfälzischen Landeskirche sowie zwei Presbyterien, die untereinander und teils auch noch innerhalb zerstritten sind. Die Lage in den Kirchengemeinden Dörrenbach-Oberotterbach und Schweigen-Rechtenbach ist verfahren, der Frieden in den Kirchengemeinden ist mit den Worten von Oberkirchenrätin Marianne Wagner „gestört“.

Das Schweigener Presbyterium fühlt sich übergangen, weil es nun ohne Pfarrerin dasteht, dies aber gar nicht wollte. Auch einige Presbyter im Dörrenbacher Gremium sind unzufrieden, hätten gerne mit der Pfarrerin weitergearbeitet. Rein juristisch haben das Presbyterium, Landeskirche und die Synode in dem Verfahren alles richtig gemacht. Bei einer Kirchengemeinde mit zwei Presbyterien genügt der mehrheitliche Beschluss eines Organs – in diesem Fall des Dörrenbacher Presbyteriums – für einen Antrag auf Versetzung, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrerin oder Pfarrer und Presbyterium gestört ist. So regelt es Paragraf 80 des Pfarrdienstgesetzes der EKD.

Ob allerdings die Eskalation in dieser Form zu verhindern gewesen wäre, ist eine Frage, die gestellt werden muss. Die Antwort ist mit jedem weiteren Vorwurf unter den Beteiligten schwerer zu finden. Der Konflikt tut allen nicht gut. Dazu wirft er ein schlechtes Licht auf die Kirche als solche. Gerade ihr trauen die Menschen zu, Konflikte einvernehmlich zu lösen. Kirche gilt nach außen als Raum, in dem Menschen vorurteilsfrei miteinander reden können.

Fest steht: Rechtsdirektorin Jill Rohde hatte das Presbyterium von Dörrenbach-Oberotterbach im Dezember im Auftrag von Marianne Wagner auf die Möglichkeit einer Mediation hingewiesen. Dies wurde abgelehnt. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Leicht, so ist aus dem Presbyterium zu hören, habe man es sich jedenfalls mit der Entscheidung, den Antrag auf Versetzung zu stellen, nicht gemacht.

Jetzt ist Vermittlungsarbeit mehr denn je vonnöten. Marianne Wagner hat angekündigt, sie versuche alles, dass zwischen den Kirchengemeinden Frieden einkehrt. Das Angebot, einen Mediator in das Presbyterium Dörrenbach-Oberotterbach zu entsenden, steht weiterhin. Auch eine Mediation zwischen den zwei Presbyterien könnte eine Möglichkeit sein, sagt die Oberkirchenrätin.

Klar ist: Eine Schlichtung ohne den Willen der Beteiligten ist immer zum Scheitern verurteilt. Die Frage ist, ob dennoch für die Zukunft per Gesetz zwangsweise Mediationen festgeschrieben werden sollten, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrerin oder Pfarrer und Gemeinde solche Risse bekommt, dass eine Versetzung im Raum steht. Schließlich birgt der Blick von außen immer eine Chance – nicht mehr, aber auch nicht weniger.