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Kompetenzzentrum für Ökumene in unruhigen Zeiten

75 Jahre Konfessionskundliches Institut des Evangelischen Bunds – Christian Schad: Sichtbare Einheit der Kirchen ist Perspektive und Ziel

Als Kompetenzzentrum für Ökumene hat Bischöfin Kirsten Fehrs das Konfessionskundliche Institut in Bensheim in einem Festakt zum 75. Jahrestag seiner Gründung gewürdigt. „Wir haben miteinander noch eine Menge vor“, sagte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In einer zunehmend konfessionell und religiös pluralen Landschaft werde es immer wichtiger, das eigene Selbstverständnis zu klären und das der Partner zu verstehen, betonte Kirchenpräsident i.R. Christian Schad. Seit 2021 ist er Präsident des Evangelischen Bunds, der das Institut 1947 in Bensheim gegründet hat.

Neben dem Evangelischen Bund und der EKD wird das Konfessionskundliche Institut von den evangelischen Landeskirchen in Hessen und Nassau, in Baden und in Württemberg sowie von der pfälzischen Landeskirche unterstützt. Sechs Mitarbeiter erforschen aktuelle Entwicklungen in den verschiedenen christlichen Konfessionen und fördern den Austausch zwischen der akademischen Theologie und der kirchlichen Praxis. Mit seinen Grund- und Aufbaukursen sei das Institut, so Schad, eine Schnittstelle zwischen Forschung und Weitergabe in die Gemeinden. Seine Mitarbeiter beraten EKD und Landeskirchen. Das Institut hat fünf Fachreferate für Catholica, Orthodoxie, Freikirchen, Anglikanismus und Weltökumene sowie für konfessionsübergreifende Fragen.

Für Schad ist Konfessionskunde eine Voraussetzung für den ökumenischen Dialog und zudem eine „Begegnungswissenschaft“. Konfessionelle Identitäten seien offen für Veränderungen. Schließlich seien es Menschen, die sich in Kirchen oder christlichen Gemeinschaften „in der Nachfolge Jesu begegnen, sich austauschen und korrigieren, voneinander lernen und sich deshalb auch permanent verändern“. Ökumenische Erfahrungen und Verständigungen gehörten nicht nur zur konfessionellen Identität hinzu, sondern sie veränderten auch das Selbstverständnis. Je intensiver und vernetzter christliche Nachfolge daher gelebt werde, umso stärker präge das den eigenen Glauben und das kirchliche Selbstverständnis, sagte Schad in seiner Einführung bei dem Festakt in Bensheim.

Der Präsident des Evangelischen Bunds betonte, dass das Konfessionskundliche Institut auch die Aufgabe habe, Fragestellungen aufzunehmen, die sich durch die ökumenische Praxis selbst ergeben. Die Frage, die sich zurzeit am stärksten aufdränge, sei die, wie „die vom Anfang des Urchristentums an gegebene legitime Vielfalt der konfessionellen Identitäten mit der in Christus vorgegebenen und erbetenen Einheit der Kirche Jesu Christi zusammenzubringen ist“. Die sichtbare Einheit der christlichen Kirchen sei „Perspektive und Ziel aller ökumenischen Bemühungen“, sagte Schad vor den rund 60 geladenen Gästen der Jubiläumsfeier.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs betonte neben „großer ökumenischer Fortschritte“ ein aktuell wahrzunehmendes „Störpotenzial“. Äußerungen des vatikanischen „Ökumene-Ministers“, Kardinal Kurt Koch, „senden Signale, die nicht nur Mut machen“, bedauerte die stellvertretende Ratsvorsitzende im Festvortrag. Kurienkardinal Koch hatte im August erklärt, die Evangelische Kirche in Deutschland „hat ihr innerprotestantisches Ökumenemodell entwickelt und neigt nicht selten dazu, es auch in der Beziehung zu uns anzuwenden“. Es könne in der Ökumene aber nicht darum gehen, dass man dem Partner seine Ziele aufdrängen wolle.

Fehrs verwies auf die Spannungen zwischen den orthodoxen Kirchen, wie etwa zwischen der bisher zur russischen Orthodoxie gehörenden Ukrainisch Orthodoxen Kirche und der Kirchenleitung in Moskau oder zwischen den Patriarchaten von Moskau und Konstantinopel. Diese „Gemengelage“ habe ein Gespräch bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen im September in Karlsruhe unmöglich gemacht. Fehrs sagte: „Verhärtet und bitter, so das Resümee etlicher, die mehr erhofft haben.“ Zwar habe man dort auch „eine große Nähe durch Gebet und Feier erlebt“. Andererseits stehe die Ökumene gegenwärtig in einer aufgewühlten Landschaft mit vielen inneren Kämpfen und der Sehnsucht nach Neuanfängen und Versöhnung. mez

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Sie sieht aktuell „Störpotenzial“ in Rom: Kirsten Fehrs beim Festvortrag zum Thema „Ökumene aus evangelischer Sicht“. Foto: Boucher
Sie sieht aktuell „Störpotenzial“ in Rom: Kirsten Fehrs beim Festvortrag zum Thema „Ökumene aus evangelischer Sicht“. Foto: Boucher

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