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|   Leitartikel

Klimaschützer wollen bewahren

von Klaus Koch

Die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ protestieren sehr zivilisiert. Sie informieren bei der Störung des Individualverkehrs vorab detailliert die Polizei, und sie beschmutzen nur Kunstwerke, die gegen Zerstörung gesichert sind. Welch ein Unterschied zur alten Bundesrepublik, in der es zu Straßenschlachten wegen Preiserhöhungen im Öffentlichen Personennahverkehr ebenso kam wie zu Hausbesetzungen. Die Unterschiede bei der Gewaltbereitschaft hängen auch mit den Zielen der Proteste zusammen. Die Aktionen im vergangenen Jahrhundert wollten etwas zerstören: den Kapitalismus. Die Klimaaktivisten wollen etwas bewahren: die Schöpfung.

Trotz dieser unterschiedlichen Mittel und Ziele dienen die Aktionen der Klimaaktivisten der Politik als willkommenes Ablenkungsmanöver. Endlich können die betroffenen Volksvertreter die Aktivisten „anbellen“ und als Chaoten in die Nähe von Terroristen rücken: Da sitzen die Schuldigen und nicht in den Regierungen, die noch nicht einmal ein Tempolimit und unbürokratischen Ausbau erneuerbarer Energien hinbekommen.

Und genau diese Schuldumkehr durch die Politik ist gefährlich. Die „Letzte Generation“ ist entstanden, weil „Fridays for future“ keinen Erfolg hatte. Die Politik erstickte diese Bewegung in geheucheltem Wohlwollen und mit der leeren Versprechung, es besser machen zu wollen. Wenn die Politik die Aktivisten jetzt kriminalisiert, besteht die Gefahr, dass einige junge Menschen sich weiter radikalisieren und das Anliegen der Klimaschützer dadurch delegitimieren. Daher ist es sehr sinnvoll, dass sich die Synode der EKD mit dem Protest solidarisiert hat und mit den Aktivisten spricht. Denn ernsthafter Dialog integriert, Ausgrenzung radikalisiert.

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Klaus Koch
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