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Klare Perspektiven statt Geldgeschenke

Diakonie-Sozialberater wegen hoher Energiepreise stark nachgefragt – Umständliche Wohngeldanträge

Die Mitarbeiter der Diakonie Pfalz in der Sozial- und Lebensberatung sowie in den Schuldnerberatungsstellen bekommen bei ihrer Arbeit inzwischen deutlich die Folgen der Energiekrise zu spüren. „Wir laufen in vielen Standorten schon am Limit und haben die Fallzahlen des Vorjahrs bereits jetzt erreicht“, sagte Markus Carbon, Regionalleiter West der Diakonie Pfalz, dem KIRCHENBOTEN. Carbon ist zuständig für die Häuser der Diakonie in Zweibrücken, Pirmasens, Kaiserslautern, Homburg-Landstuhl, Donnersberg, Kusel und „An Alsenz und Lauter“.
Zusehends kämen in die Beratungsstellen Menschen, „die wir sonst nicht sehen“, sagte Carbon. Grund: Das bisherige Familieneinkommen reiche nicht mehr aus. Besonders betroffen seien Menschen, die in günstigen Energieverträgen, aber ohne Preisbindung gewesen seien. Ihnen sei vielfach einseitig gekündigt worden vonseiten der Energieanbieter, da diese die Preise nicht mehr halten könnten, so Carbon. Beim automatischen Wechsel zum Grundversorger zahlten sie jetzt einen bis zu dreimal so hohen monatlichen Preis. Carbon nennt als Beispiel die Kosten einer vierköpfigen Familie, die statt bisher 230 Euro jetzt 720 Euro für ihr Gas überweisen müsse.

Besonders hart werde die Teuerung zum Jahreswechsel ausfallen, da dann auch bei den Grundversorgern die Preisbindungen auslaufen würden. Die hohen Energiekosten machten es außerdem noch schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dazu kämen die hohen Preise für Benzin, Lebensmittel und anderes. „Schulhefte etwa sind doppelt so teuer wie voriges Jahr“, sagt Carbon. Bei Menschen, die bereits Sozialleistungen bezögen, würden Miete und Heizung in der tatsächlichen Höhe bezahlt, so Carbon. „Allerdings ziehen Behörden inzwischen teils Obergrenzen ein.“ Problematischer sei es für jene, die gerade so über der Einkommensgrenze für Grundsicherung lägen. Zwar hätten diese Anrecht auf Wohngeld, zu dem auch die Heizung zähle. „Aber das ist ein bürokratisches Monster“, sagt Carbon und nennt den Fall eines Syrers, dessen Antrag am Ende 80 Seiten umfasste. „Das ist nicht zu glauben.“

Wo aufgrund dessen noch kein soziales Netz greife, helfe die Diakonie kurzfristig mit Geld aus ihrem Nothilfefonds. Auch die Kirchensteuer aus der staatlich finanzierten Energiepauschale gehe direkt an Menschen. „Natürlich ist unser primäres Anliegen aber, die Menschen rechtlich in das System zu bekommen“, sagte Carbon. Geldgeschenke lösten das Problem nicht. „Ich wünsche, dass die Politik diesen Menschen klare Perspektiven gibt.“ flor

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Die Sozialberatung sieht sich am Limit: Energiekosten werden für viele Familien zum großen Problem. Foto: epd
Die Sozialberatung sieht sich am Limit: Energiekosten werden für viele Familien zum großen Problem. Foto: epd

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