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Kirchliches Kulturgut in Verbundlösung bewahren

Rebecca Rose ist neue Leiterin des Archivs der pfälzischen Landeskirche – Den Zugang für private und wissenschaftliche Nutzer ermöglichen

Sie ist froh, dass sie nicht ganz von vorne anfangen und erklären muss, warum die pfälzische Landeskirche auf ein eigenes Archiv nicht verzichten kann. „Meine Vorgängerin Gabriele Stüber hat da in den kirchlichen Gremien gute Vorarbeit geleistet“, würdigt Rebecca Rose. Seit fünf Wochen ist die 38-jährige promovierte Historikerin aus Limburgerhof bei Ludwigshafen die neue Leiterin des landeskirchlichen Zentralarchivs in Speyer. Noch arbeitet sich Rose, die ­zuletzt das Digitalisierungszentrum der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz im Landesarchiv Speyer leitete, in ihre neue Aufgabe ein. Doch schon jetzt ist klar, dass eine Menge Arbeit auf sie und ihr kleines Team wartet.

Immens wichtig sei es für die Kirche, für nachfolgende Generationen ihr Kulturgut – Akten, Kirchenbücher, Protokolle, Urkunden und vieles andere – zu bewahren, weiß Rose. Es gelte nicht nur, erhaltenswerte Dokumente aus dem stetig wachsenden Berg an Schriftgut aus Kirchengemeinden und kirchlichen Amtsstuben auszuwählen und sie analog, also „in natura“, zu sichern. Genauso dringlich sei es, diese zu digitalisieren und sie so privaten und wissenschaftlichen Nutzern per Mausklick im Internet zugänglich zu machen.

„Wir können das als Landeskirche im Alleingang nicht stemmen“, betont Rose, die im südhessischen Seeheim-Jugenheim geboren wurde. Sie setzt bei der digitalen Präsentation des Archivbestands daher auf „eine Verbundlösung“ mehrerer kirchlicher Archive – auch wissend um begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen. Schon jetzt ist ein guter Teil der digitalisierten Kirchenbücher aus den protestantischen Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz im Kirchenbuchportal „Archion“ mit Sitz in Stuttgart gegen eine Nutzungsgebühr zugänglich. Zukünftig könnte ein erweitertes Angebot eine größere Zahl digitalisierter Archivalien aus dem Bereich der Landeskirche zugänglich machen, sagt Rose.

An frischen Ideen und umfassender Fachkenntnis mangelt es der neuen Archivleiterin nicht, die zwei kleine Töchter hat und deren Ehemann als Chirurg in einem Ludwigshafener Krankenhaus arbeitet. So schwebt ihr ein „digitaler Lesesaal“ des Zentralarchivs vor, in dem Internetnutzer ortsungebunden recherchieren können. Dabei werde der Lesesaal vor Ort in Speyer aber nicht überflüssig, in dem man in Ruhe auch einmal ein Original zur Hand nehmen kann, macht sie deutlich. Nach mehreren beruflichen Stationen, unter anderem als wissenschaftliche Archivarin am Generallandesarchiv in Karlsruhe sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universitäten in Bochum und München, hat Rose in der Pfalz nun Wurzeln geschlagen. Ihren Mann lernte sie in Köln kennen – „am Rhein fühlen wir uns wohl“, sagt die Archivarin, die ihre Doktorarbeit über Präventionsmaßnahmen gegen Stadtbrände in der frühen Neuzeit geschrieben hat.

Kein Wunder, dass Rose es als ihre Hauptaufgabe sieht, oftmals viele jahrhundertealte Papierdokumente möglichst auf „ewig“ zu retten. Dass Archivalien weiter elektronisch erfasst, gespeichert und lesbar sein müssen, ist für sie unstrittig. Das Zentralarchiv benötige nicht nur ein weiteres Außenmagazin für seine wachsenden Bestände. Vor allem brauche es ein „digitales Magazin“ für das Archivgut der Landeskirche. Derzeit gebe es Überlegungen, ein solches beim Kirchlichen Rechenzentrum im badischen Eggenstein einzurichten. Auch Audio- und Videodateien, etwa Synodenprotokolle oder Reden kirchlicher Amtsträger, werden vermehrt in den Fundus des Archivs kommen, weist Rose hin. Nicht alles werde zukünftig archiviert werden können: „Wir können nicht alles erhalten, aber eine gute Auswahl.“ Alexander Lang

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Denkt auch über einen „digitalen Lesesaal“ des Zentralarchivs nach: Rebecca Rose, Historikerin aus Limburgerhof. Foto: Landry
Denkt auch über einen „digitalen Lesesaal“ des Zentralarchivs nach: Rebecca Rose, Historikerin aus Limburgerhof. Foto: Landry

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