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Kirchenmusik setzt in kalten Kirchen auf Gelassenheit

Die energetischen Sparmaßnahmen fallen in den großen Kirchen unterschiedlich aus – Jochen Steuerwald beziffert Limit mit 14 Grad Celsius

Beim Publikum waren sie rasch vergriffen: leichte Wärmedecken, die seit Beginn der Corona-Pandemie gleich am Eingang der Landauer Stiftskirche für Gottesdienstbesucher bereitliegen. Dabei herrschte am regenklammen Feiertag, als die Evangelische Jugendkantorei mit ihrem Jubiläumskonzert die Bankreihen füllte, noch nicht einmal annähernd Wintermodus. Die Ausführenden, nicht zuletzt die Orchestermusiker, meisterten die gut vier Stunden von Anspielprobe und Aufführungen bei 14 bis 15 Grad mit bewundernswerter Gelassenheit und unerschütterlichem Engagement. „Aber wir sind da schon in einen Grenzbereich gekommen“, sagt der künstlerische Leiter, Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald.

Nach zwei Corona-Wintern ist energetische Abstinenz vielfach kein Thema mehr. Zumindest die mit herkömmlichen Umluftheizungen ausgestatteten Kirchen sammelten in Zeiten strikter Restriktionen für gemeindliche Versammlungen Erfahrungen mit eiskalten Sonntagsgottesdiensten. Diesmal aber trifft es alle, denn es geht schlichtweg um Energiesparen. Große Gotteshäuser hochzuheizen, um am Sonntag 40 oder 50 Gottesdienstbesuchern Wärmekomfort zu bieten – ein absolutes No-Go in diesen Zeiten.

Und die Kirchenmusik? Konzerte, Evensongs, Adventsmatineen, Weihnachtsmusiken? Gerade ist der Pandemie-Schock halbwegs überwunden, zählen Kantorinnen und Kantoren die Häupter ihrer verbliebenen Sängerinnen und Sänger, eröffnen Konzertprojekte für die gebeutelte freie Künstlerszene wieder Engagements. Einfach absagen? Das musste kürzlich die Grünstadter Kantorin, Katja Gericke-Wohnsiedler: Es traf ihren Mendelssohn’schen „Elias“, weil sie selbst an Corona erkrankte, und sie wird die Aufführung in diesem Winter nicht nachholen können. „Die Martinskirche kann aufgrund der Unbeheizbarkeit nicht zur Verfügung stehen, und der Ausweichort Friedenskirche ist zu klein. Also haben wir auf 23. April 2023 verschoben. Um einigermaßen auf der sicheren Seite zu sein.“

Noch unklar ist die Situation in der Stiftskirche Kaiserslautern. Kantorin Beate Stinski-Bergmann hofft, dass man die geplanten Konzerte in der zentralen Kirche durchführen kann. Und auch in Speyer, wo gerade die Gedächtniskirche bis zum Jahreswechsel noch aufwendige Konzertprojekte beherbergen soll, bleibt die Auskunft vage. Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger bleibt optimistisch, Dekan Markus Jäckle setzt auf Flexibilität und will noch etwas abwarten. Klarere Vorgaben existieren dagegen für die Stiftskirchen in Landau und Neustadt. Da wird zu Ruhezeiten auf acht Grad Celsius geheizt, bei Gottesdiensten zwölf Grad und in Ausnahmesituationen – und dazu zählen Konzerte – auf 16 bis 18 Grad. Der Neustadter Dekan Andreas Rummel weist zudem darauf hin, dass zwischen Silvester und Karfreitag die Stiftskirche komplett geschlossen und die Winterkirche im Casimirianum aktiviert werde. In Landau denkt das Presbyterium über die Variante Gemeindehaus-Gottesdienste ab Januar 2023 noch nach.

Auch in der Alexanderskirche Zweibrücken will man nach Weihnachten gar nicht mehr heizen, dort dafür nur noch „Kurzgottesdienste“ anbieten. In der Johanneskirche Pirmasens soll nach Auskunft von Kirchenmusikdirektor Maurice Croissant konstant auf komfortable 16 Grad geheizt, dafür das Gemeindehaus über Winter komplett stillgelegt werden.

Jochen Steuerwald blickt mit Sorge auf all die vorweihnachtlichen Aktivitäten. 14 Grad nennt er für Instrumentalisten wie Vokalisten als Limit. „Noch weniger Temperatur bringt große Probleme.“ Orgel und Bläser gemeinsam einzusetzen, sei dann auch nicht mehr möglich, denn mit jedem Grad weniger rutscht die Intonation der Orgel. „Das geht dann nicht mehr zusammen.“ Dass die Orgeln Schaden nehmen könnten, sieht er nicht. „Früher wurden Kirchen gar nicht beheizt.“ Allerdings muss der Grad der Luftfeuchtigkeit sehr genau beobachtet werden, gerade bei dauerhaften Schließungen während des ersten Jahresviertels. „Denn dann droht Schimmelbefall mit erheblichen Sanierungskosten.“ Gertie Pohlit

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Werden rege genutzt: Die Wärmedecken, die seit Beginn der Corona-Pandemie in der Landauer Stiftskirche bereitliegen. Foto: Krauß
Werden rege genutzt: Die Wärmedecken, die seit Beginn der Corona-Pandemie in der Landauer Stiftskirche bereitliegen. Foto: Krauß
Übt sich in Zurückhaltung: Die Heizung der Landauer Stiftskirche versorgt den Gemeindesaal und das Haus der Familie. Foto: Krauß
Übt sich in Zurückhaltung: Die Heizung der Landauer Stiftskirche versorgt den Gemeindesaal und das Haus der Familie. Foto: Krauß

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