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„Kirche kommt gegen Fußball nicht an“

Sportbeauftragter der Landeskirche kritisiert Vergabe der Weltmeisterschaft aus kommerziellen Gründen

Der Sportbeauftragte der Landeskirche, Ralf Neuschwander, hofft, dass die Fifa nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar die Standards für die Vergabe des Turniers ändert. Dass die WM in dem Emirat öffentlich kritisiert werde, sei wichtig und richtig, sagte Neuschwander. Von der Idee, die Kirche könne zum Boykott der Übertragungen der Spiele aufrufen, halte er jedoch nichts.

Die Begeisterung für den Fußball sei nicht totzukriegen, sagte Neuschwander. Daran änderten auch die Menschenrechtsverletzungen und die grausamen Arbeitsbedingungen beim Stadionbau in Katar nichts. Wenn die Kirche zum Boykott der Übertragungen aufriefe, werde sie zur Lachnummer. „Kampagnenfähig ist die Kirche schon lange nicht mehr.“

Proteste gegen die WM seien dennoch wichtig, weil sie dem Geschäftsmodell der Fifa und des DFB schadeten. Beide Verbände seien keine Menschenrechtsorganisationen und stärker am Kommerz interessiert als am Sport. Wenn die Sponsoren wegen ihres Engagements bei der umstrittenen WM ins Zwielicht gerieten, gefährde dies das gesamte Geschäftsmodell der Fifa. „Aus moralischen Gründen wird die Fifa ihre Vergabekriterien nicht ändern, eher schon aus wirtschaftlichen Erwägungen.“ Deshalb sollte der Fifa nicht die Rote, wohl aber die Gelbe Karte gezeigt werden. Es müsse klar werden, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer eine WM in solch einem Land nicht wollen.

Das bedeute für Kirchengemeinden, die Veranstaltungen anlässlich der WM planten, flankierend die Missstände in Katar und den Missbrauch des Fußballs für kommerzielle Ziele zum Thema zu machen, sagte Neuschwander. Allerdings geht der Beauftragte nicht davon aus, dass es viele kirchliche Angebote wie Public Viewing in Kirchen geben wird. „Das ist schon praktisch schwierig, weil es in den Kirchen wegen der Energiekrise kalt ist.“

Dass die Spiele im Advent stattfinden, werde die Fußballbegeisterung nicht trüben, glaubt Neuschwander. Er rät daher dazu, kirchliche Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit so zu legen, dass sie nicht mit wichtigen WM-Spielen kollidieren. „Gegen Fußball kommt die Kirche einfach nicht an.“ Die Speyerer Kantorei ist so verfahren. Wegen des Endspiels am 18. Dezember hat sie ihr Adventskonzert bei Kerzenschein auf 16 Uhr vorverlegt.

Auch die EKD hat auf die umstrittene Weltmeisterschaft reagiert. Mit dem Arbeitsheft „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit – Die Fußball-WM in Katar in der Adventszeit 2022“ gibt sie Kirchengemeinden Tipps für den Umgang mit dem Turnier. koc

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Wird es 2022 kaum geben: Public Viewing in einer protestantischen Kirche bei der Weltmeisterschaft in Russland. Foto: Mendling
Wird es 2022 kaum geben: Public Viewing in einer protestantischen Kirche bei der Weltmeisterschaft in Russland. Foto: Mendling

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