Andacht

Keine Rettung in Sicht

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin Sieglinde Ganz-Walther

Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. Da kam das Wort des Herrn zu ihm: Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. Er aber ging hin und tat nach dem Wort des Herrn und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Re­gen im Lande. Da kam das Wort des Herrn zu ihm: Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe ge­boten, dass sie dich versorge.

1. Könige 17, 1–9 (10–16)

Gut erinnere ich mich an viele biblische Geschichten meiner Kindergottesdienstzeit. Wie habe ich diese Geschichten geliebt. Auch die über den Propheten Elia habe ich gerne gehört. Wie haben sie mich berührt, wie habe ich mit dem Propheten gebangt und gehofft, dass alles gut ausgeht. Ja, die Geschichte des Elia gehörte und gehört zu meinen Lieblingsgeschichten. Diese Begeisterung erlebte ich dann später auch bei den Schülerinnen und Schülern, denen ich in der Grundschule diese Geschichten um den Propheten Elia erzählte.

Er ist sehr menschlich, normal, dieser Gottesmann. Er spielt die Klaviatur unterschiedlichster Emotionen: Er ist begeisterungsfähig, voller Energie, aber auch frustriert, müde, ausgepowert, ausgebrannt, dann wieder voller Hoffnungen und Erwartungen, aber auch ohnmächtig und resigniert; er ist motivierend, aufbauend, dann auch verurteilend, vernichtend, tödlich verletzend und wieder ängstlich, verzweifelt, enttäuscht, allein.

Und immer wieder im Mittelpunkt dieser Geschichten das Essen und das Trinken, nein, vielmehr das Hungern und Dürsten, das Alleinsein und Verzweifeltsein und dann wieder Aufbruch ins Leben. Gemeinsame Mahlzeiten verbinden. Wie sehr haben wir das in den vergangenen Monaten vermisst in den Familien und im Freundeskreis: das Zusammenkommen und Feiern. Auch in den Gemeindegruppen und im Gottesdienst hat uns die Gemeinschaft gefehlt.

Da steht Elia also vor dem König, Unheil verkündigend. Er selbst ist von der Ankündigung der Dürre nicht aus ge schlossen. Er wird von Gott zunächst an einen Bach geschickt. Dort ist er, allein, auf sich gestellt. Mit der Hilfe der Raben kann er die Trockenheit zunächst überstehen. Aber die Zeit schreitet voran, und es ist kein Ende der Krise, keine Rettung in Sicht, kein Silberstreif am Horizont. Es wird sogar noch schlimmer. So muss er das dürre Tal verlassen, darauf vertrauen, dass er dort, wohin er jetzt geschickt wird, Hilfe erfährt.

Hilfreich ist es, dass er nun nicht nur von Vögeln umgeben ist, mit denen die Kommunikation ja schon eingeschränkt ist, dass er nun nicht mehr nur mit sich selbst reden muss, mit den Gedanken, die sich im Kreise drehen, dass er jetzt mit jemandem reden kann, dass er sich über seine Notlage austauschen kann, dass er nicht allein ist. Da ist jemand, mit dem er sein Leid teilen kann, mit der er zusammen abwartet und hofft, vertraut – und auf ein Wunder wartet. Und es geht gut aus. Sie sind gerettet.

Mir ist dieser Gottesmann mit seinen Erfahrungen sehr nahe. Auch ich kenne solche Dürreperioden in meinem Leben, nichts geht mehr, keine Ideen, keine Kraft, nur noch Leere. Rück zug, stilles Kämmerlein, auf Abstand gehen zu Menschen, die verletzen, Aussteigen auf Zeit – das sind so die ersten Reaktionen. Im ersten Moment auch hilfreich, doch dann muss es ja weitergehen – das Gespräch suchen mit Partner, Kollegen, Freundinnen, darauf hoffen, dass sich Gedanken sortieren, dass wieder Strukturen erkennbar sind, dass sich Perspektiven aufzeigen. Schauen, was mir guttut. Erkennen, dass manches sich nicht schnell lösen lässt, dass es Zeit braucht, dass Geduld vonnöten ist und Vertrauen.

Vertrauen darauf, dass Gott um die Nöte weiß, dass er Kraft gibt, dass er Menschen schickt, die zuhören, die mitdenken, die mich, die mit mir aushalten und die die richtigen Worte finden. Auch Worte, die kritisch hinterfragen, auch fragen, wo da der eigene Anteil an der Misere steckt.

Und ich habe im Ohr: „Fürchte dich nicht!“ Diese schwierige Zeit wird vorübergehen. Du musstest vielleicht Veränderungen in Kauf nehmen, in deinem Denken, in deinem Handeln, aber das Leben wird dich wiederhaben. Du bist nicht allein, Gott steht auch in diesen Zeiten an deiner Seite.

Sieglinde Ganz- Walther ist seit 2001 Dekanin in Frankenthal.

Gebet

Gott sei du da in den Krisen und Katastrophen meines Lebens. Schenke mir Mut durch dein Wort, Zuversicht durch Wegbegleiter und Hoffnung durch Gesprächspartnerinnen. Amen.