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Gottesdienstort und Begräbnisstätte

Seit einem Jahr können sich Menschen in der Kirche im saarpfälzischen Webenheim bestatten lassen

Immer mehr Menschen lassen sich nach ihrem Tod einäschern. Neben Bestattungswäldern, Memoriamgärten und Urnenwänden sind auch überdachte Räume für Urnennischen, sogenannte Kolumbarien, gefragt. Diese finden sich nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch in Kirchen, die zuvor meist profaniert wurden. Beim Kolumbarium in der protestantischen Kirche im saarpfälzischen Webenheim, das vor einem Jahr eröffnet wurde, ist das anders.

Hier feiert Pfarrerin Ines Weiland-Weiser mit ihrer Gemeinde nach wie vor Gottesdienst, am jüngsten Wochenende zu St. Martin mit dem Kindergarten aus Webenheim. „Wir sprechen das natürlich vorher an, damit die Kinder wissen, dass das wie ein Friedhof ist und sie nicht an die Urnenfächer klopfen“, sagt Weiland-Weiser. Die Pfarrerin ist froh, dass sie nach wie vor hier am Altar stehen kann, stand der Verbleib der Kirche doch auf der Kippe. Zu hoch war die jährliche Instandhaltungsrücklage von fast 10000 Euro für die Kirchengemeinde geworden. Doch der von der Landeskirche angedachte Verkauf der Kirche löste Protest aus. So machten sich die rund 500 Gemeindemitglieder mit dem Kirchenbezirk Zweibrücken daran, eine Lösung zu finden – die schließlich ins Kolumbarium mündete.

„Wir sind mit einem Kleinbus ins Ruhrgebiet gefahren, haben uns mehrere Kolumbarien angeschaut“, sagt Dekan Peter Butz. Unterstützung hatte er in der damaligen Bad Dürkheimer Dekanin Ulla Hoffmann und der Kunstbeauftragten der Landeskirche, Madeleine-Dietz, die in Bad Dürkheim-Seebach neben der Klosterkirche bereits ein Kolumbarium auf den Weg gebracht hatten. Als auch die Wirtschaftlichkeitsprüfung positiv ausfiel und klar war, dass die Verwaltung der Begräbnisstätte nicht zulasten der Pfarrerin geht, wurde das Projekt verwirklicht.

Der Blick auf die Zahlen ist jedoch ernüchternd. Zwei Menschen haben sich in den Urnenwänden, die aufgeklappte Bibelseiten darstellen, bestatten lassen, drei Urnennischen sind reserviert. Doch Butz glaubt an einen Schneeballeffekt. „Das muss sich herumsprechen.“ Jeder, der das Kolumbarium sehe, sei begeistert, berichtet Weiland-Weiser vom Tag der offenen Tür im November. Dass die Asche auch nach Ablauf der Ruhezeit in der Kirche verbleibe, sei einmalig, was Menschen schon bewegt habe, sich hier bestatten zu lassen – genauso wie die individuell gestalteten Urnennischen, die den Wert jedes Menschen betonen sollen. „Ein Mann hat sich eine spezielle Nische ausgesucht, weil er von dort durchs Kirchenfenster sein altes Gehöft sehen kann“, sagt Weiland-Weiser. flor

www.kolumbarium-webenheim.de

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Ort der Lebenden und der Toten: Das Kolumbarium in der Webenheimer Kirche bei der Eröffnung 2021. Foto: Moschel
Ort der Lebenden und der Toten: Das Kolumbarium in der Webenheimer Kirche bei der Eröffnung 2021. Foto: Moschel

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