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Gottes Geist ist mit dir

Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrer Oliver Jaehn

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen. Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern. Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Galater 5, 25–6, 10

Ich: „Das geht einem auf den Geist, wenn einer immer alles besser weiß und einen guten Ratschlag nach dem anderen bereit hat.“ Paulus: „Wir sollen nicht überheblich sein, sondern einander helfen; nicht einander herausfordern, sondern einander helfen, die Lasten zu tragen; nicht neidisch aufeinander sein, sondern miteinander teilen.“ Ich: „Sonst noch was? Geh mir nicht auf den Geist!“ Paulus: „Keine Sorge! Der Geist geht mit dir!“

Ich wache auf. Was habe ich da wieder geträumt? Es war eine Diskussion mit Paulus über unsere Kirche: was alles gut läuft und was nicht. Paulus erinnerte mich daran: „Die Kirche“, das sind die Menschen, die sich im Namen Gottes versammeln, miteinander Gott feiern, sich miteinander freuen und weinen, die sich helfen und helfen lassen, Menschen, die Frieden, Gerechtigkeit und die Schöpfung mit dem Namen Gottes lebendig halten. Aus diesem Geist lebt die Kirche. – So weit, so gut.

Aber dann fing Paulus an, genauer aufzudröseln und Beispiele zu nennen, was das konkret bedeutet. Und er hörte nicht mehr auf, ein Bespiel und einen Gedanken nach dem anderen aneinanderzureihen. Da wurde es mir zu viel. Ich wachte auf. Ich möchte ja schon von einer Kirche träumen, die vom Geist Gottes erfüllt ist, aber nicht so.

Das geht einem auf den Geist, wenn einer alles besser weiß. Obwohl man schon fragen kann: Wie ist das mit Geist und Kirche?

Mir fallen Wortspiele ein: Ist unsere Kirche geistlos oder geistreich? Geht es in den Gottesdiensten nur geistig zu oder auch geistlich? Werden wir in der Kirche begeistert oder entgeistert? Sind wir Christenmenschen mit dem Glauben an Jesus Christus geisteskrank oder voll des Heiligen Geistes?

Paulus ist im Brief an die Christenmenschen in Galatien eindeutig, er ermutigt uns darin bis heute: Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.

Mit unserer Taufe, wenn wir den Glauben an Jesus Christus angenommen haben, schenkt uns Gott seinen Geist. „Geistlos“ oder „geistreich“ sind keine Gegensätze, sondern beschreiben das weite Feld unseres Lebens.

Die Worte des Paulus deuten ja an: Schon am Anfang der Kirche gab es Menschen, die Fehler machten; es gab Menschen, die sich für besser hielten und vor allem auf sich selbst schauten. Schon die Kirche in ihren Anfängen war nicht perfekt. Und doch war der Geist Gottes in ihr. Paulus erinnert daran. Das Besondere an der Kirche wäre dann nicht, dass es keine Probleme gäbe, sondern, dass wir im Geist Jesu damit umgehen, Fehler eingestehen, schauen, wie wir gut zusammenleben und die Zukunft miteinander gestalten können.

So ist es ja auch in meinem Leben als Christ: Ich mache Fehler, ich weiß manchmal nicht weiter, und manchmal fühle ich mich gottverlassen. Aber wie gut, dass es Menschen gibt, die mich daran erinnern und es mich fühlen lassen: Der Geist Gottes ist mit dir und in dir. So sind wir zusammen und füreinander Kirche und Gemeinde Jesu.

Da klingt in mir der letzte Satz aus meinem Traum nach. Fast hätte ich vergessen, wie Paulus mir ins Aufwachen nachrief: „Keine Sorge! Der Geist geht mit dir!“ Wie konnte ich das nur vergessen? Ja, Paulus ist etwas nervig mit seinen vielen Beispielen. Aber eigentlich kann es ja gar nicht genug Beispiele dafür geben, wie wir einander und unsere Gesellschaft spüren lassen: Wir wollen als Kirche aus dem Geist Jesu heraus unser Leben führen. Und das ist gut!

Oliver Jaehn ist seit 2021 Pfarrer in Hambach.

Gebet

Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein. Amen. (EG 134)

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Denn was der Mensch sät, das wird er ernten: Galater 5, 25–6, 10 ist Thema der Andacht im KIRCHENBOTEN. Foto: pixabay
Denn was der Mensch sät, das wird er ernten: Galater 5, 25–6, 10 ist Thema der Andacht im KIRCHENBOTEN. Foto: pixabay

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