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Glockenhelle Kindergesänge unter dem Regenbogen

Beim 10. Landeskinderchortag in der Gedächtniskirche Speyer begeistern 130 junge Stimmkünstler – Elf Kinder- und Jugendchöre dabei

Es wuselt und lacht aus rund 130 Kindermündern beim Einzug in die Speyerer Gedächtniskirche. Lauter kleines Stimmvolk erobert sich fröhlich den zur Bühne umgestalteten Altarraum. Dazwischen mahnen Betreuende zur Ruhe, versuchen den zwitschernden und trällernden Geräuschpegel ein bisschen zu dämpfen. Schon bei der Generalprobe sind alle ein bisschen aufgeregt. Es gilt zu zeigen, was zu Hause bei den Proben des Kinderchors vorbereitet wurde: also rein in die Kostüme und rauf aufs Podium.

Endlich darf er wieder in voller Präsenz stattfinden, der „Landeskinderchortag“, eingebettet in die Kirchenmusiktage Pfalz. Schon ab 9 Uhr morgens sind alle Teilnehmenden in Speyer vor Ort, nicht zuletzt, um Workshops unter so verlockenden Stichworten wie „Kindertanz“, „Bodypercussion“ oder „Cajon“ wahrzunehmen. Zur Mittagszeit gibt es ein zünftiges Picknick auf dem Parkgelände des Diakonissenhauses. Die Regie über das Nachwuchsfestival liegt organisatorisch bei Eva Ehrhardt vom Amt für Kirchenmusik und musikalisch in den Händen von Kirchenmusikdirektorin Katja Gericke-Wohnsiedler.

Sie freut sich über die große Resonanz unter den Kleinen quer durch die Landeskirche. Mit dabei sind die Kinderkantorei Bad Bergzabern unter Leitung von Vera Steuerwald, der Kinderchor „Coole Bibelsänger“ Freinsheim, geleitet von Susanne Grube, ebenso der Regenbogenchor Freinsheim mit Dagmar Rosemann und der Evangelische Kinder- und Jugendchor Grünstadt, den Gericke-Wohnsiedler selbst leitet. Auch die Kinderkantorei Landau mit Susanne Roth-Schmidt am Pult kommt, der Kinder- und Jugendchor des Kirchenchors Mutterstadt ist mit Leiterin Dagmar Rosemann dabei sowie der Kinderchor Nußdorf, angeleitet von Greta Baur. Mit Kirchenmusikdirektor Maurice Croissant bringt sich die Kinderkantorei Pirmasens ein, dazu mit dem Kinderchor „Regenbogen“ und seiner Leiterin Mirjam Hantke-Zimnol ein weiteres Landauer Gewächs, und schließlich der Kinderchor Sondernheim unter Isabelle Neidig sowie die Bad Dürkheimer Kurrende unter neuer Leitung von Bezirkskantorin Charlotte Noreiks.

In der Gedächtniskirche rüstet sich die Schar der Akteure: Viel Publikum kommt zur Aufführung des Kindermusicals „Jetzt reicht’s! sprach Gott“. Sein Schöpfer, der Braunschweiger Domkantor Witold Dulski, ist vor Ort und erläutert seine Kinderoper ein wenig. Zu griffig-witzigen Texten von Birgit Antes hat er eine der dramatischsten Geschichten des Alten Testaments – Noah und die Sintflut – in eine herrlich melodienselige Tonsprache übersetzt. Wirkungsvoll begleitet von einem Orchester aus Streichern, Holzbläsern, Klavier und Perkussion ist sie für Kinderstimmen wunderbar zu singen.

Eine große Videoleinwand zeigt als Hintergrundkulisse mit bewegten Bildern Wüstenland, Regensturzbäche und den erlösenden Regenbogen. Mit allerlei Requisiten lassen sich die Szenenwechsel darstellen, und aus wenigen Holzelementen entsteht sogar die Fassade der Arche vor den Augen der staunenden Zuschauer. Obendrein bietet der Plot Raum für unzählige Solisten: Noahs große Familie, die spöttischen Nachbarn, schließlich das Heer der einziehenden Tiere, Ochs, Esel, Hase, Maus und Konsorten – alle stecken sie in fantasievollen Kostümen. Gottes Stimme ertönt aus dem Off („Jetzt reicht’s mir aber!“), und Sprecher Stefan Mendling hält die Geschichte von der Kanzel aus in Fluss, während Regisseurin Ilona Schulze und Katja Gericke-Wohlsiedler am Pult die gestischen und musikalischen Aktionen dirigieren.

Warum er sich gerade diese alttestamentarische Katastrophe für sein bereits 2013 uraufgeführtes Kinderstück ausgesucht hat? Witold Dulski, der am Dom zu Braunschweig gleich mehrere Kinderchöre leitet und besonders gerne für dieses Alterssegment komponiert, antwortet präzise: „Weil diese Geschichte von Untergang und Rettung mit einem starken Hoffnungszeichen endet.“ Ein Stoff, wie er momentan aktueller nicht sein könnte. „Der Regenbogen ist ein Fanal gegen alle Beschwernisse, Ängste und Probleme der Zeit.“ gpo

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Die Gedächtniskirchenbühne wird zur Wüste: Die Eingangsszenen des Kindermusicals „Noah und die Sintflut.“ Foto: Krauß
Die Gedächtniskirchenbühne wird zur Wüste: Die Eingangsszenen des Kindermusicals „Noah und die Sintflut.“ Foto: Krauß

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