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|   Leitartikel

Gerechtigkeit keine Frage der Generation

von Klaus Koch

In Deutschland gibt es immer mehr Alte und immer weniger Junge. Im politischen Diskurs wirft das die Frage auf, ob nicht die Mehrheit der älteren Menschen die Zukunft der nächsten Generationen heute schon verfrühstückt. Dann wird Generationengerechtigkeit eingefordert. Staatsschulden, Klima und Rente sind die beliebtesten Themen, bei denen zum Verzicht aufgerufen wird, damit zukünftig gutes Leben noch möglich ist.

Doch solche Argumente sind scheinheilig, denn Gerechtigkeit entscheidet sich nicht zwischen Generationen. Es gibt viele junge Menschen, die mit großer Unterstützung ­älterer Generationen hervorragend (und ­teuer) ausgebildet sind und darüber hinaus noch ein abbezahltes Haus erben. Es ist unanständig, die Zukunft dieser Generation gegen Rentnerinnen und Rentner in Stellung zu bringen, die an der Grenze zur Alters­armut ein paar Prozent Rentenerhöhung ­bekommen. Vor allem, wenn aus der Wirtschaft solche Argumente kommen, liegt der Verdacht nahe, dass es nicht um Gerechtigkeit geht, sondern darum, den eigenen Beitrag zur sozialen Sicherung klein zu halten.

Auch in der Klimadebatte ist Gerechtigkeit das falsche Argument. Denn es ist in hohem Maße ungerecht, wenn sozial schwache ­Familien in 20 oder 30 Jahren Energie und Mobilität nicht mehr bezahlen können. Auch ein ausgeglichener Staatshaushalt bei gleichzeitig maroden Schulen ist kein Beitrag zur Zukunftssicherung. Wer Gerechtigkeit will, darf nicht Generationen gegeneinander ausspielen, sondern muss die Unterschiede zwischen Arm und Reich verringern. Nur in einer Welt, in der alle einigermaßen in sozialer Sicherheit leben, sind auch alle gemeinsam bereit, ihren Beitrag für eine ­gute und gerechte Zukunft zu leisten.

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Klaus Koch
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