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Generalisten stehen in der Pflege viele Wege offen

Neue Form der Ausbildung deckt alle Bereiche des Berufsbilds ab – Scharfe Kritik an Caritas und Diakonie wegen Haltung zu Tarifverträgen

Ganz prima findet es Florian Frisch, dass er nach seiner Ausbildung im ganzen Spektrum der Pflege arbeiten kann. Ob Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege: Alle Wege stehen dem 31-jährigen Rettungssanitäter aus Römerberg bei Speyer offen, wenn er seine dreijährige Ausbildung beendet hat. „Ich möchte in der Intensivstation oder Notfallaufnahme eines Krankenhauses arbeiten“, nennt er sein Ziel.

Frisch, der seit einem halben Jahr Auszubildender in der Diakonissen Pflegeschule Speyer ist, hat beste Chancen, als „Generalist“ unterzukommen: Seit Januar 2020 gibt es bundesweit die sogenannte generalistische, also allgemeine Pflegeausbildung. Bei ihr wurden die drei bisherigen Berufsbilder zu einer Ausbildung zusammengeführt. Hintergrund der Reform ist es, die Qualität der Pflege sowie ihren gesellschaftlichen Stellenwert zu verbessern.

Hoch qualifizierte Pflegefachfrauen und -männer seien gesucht, betont Tanja Schaller, die Leiterin der Pflegeschule: Die Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen nimmt weiter zu. Zudem steht die Pflege vor wachsenden Herausforderungen. Die Profis, die sich um das Wohl Pflegebedürftiger aller Altersgruppen kümmern, müssen vertiefte medizinisch-pflegerische Kenntnisse haben und in allen Pflegebereichen vernetzt denken.

Einen ersten Kurs in der generalistischen Pflegeausbildung starteten die Diakonissen im April 2020. Ein zweiter hat in diesem April begonnen, er besteht zu einem Drittel aus Männern. Insgesamt 185 Ausbildungsplätze gibt es, bewerben kann man sich ab 18 Jahren mit einem mittleren Schulabschluss oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Die Ausbildung bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu einem fachgebundenen Studium. Die Absolventen können sich in der ganzen Europäischen Union bewerben.

Noch stecke vieles bei der Reform der Pflegeausbildung in den Kinderschuhen, erzählt Schulleiterin Schaller. So müsse für die Pflegeschulen in Rheinland-Pfalz erst noch ein Rahmenlehrplan schrittweise entwickelt werden. Corona erschwert auch die Ausbildung der zukünftigen Pflegefachkräfte: Gleich im März 2020 wurde die Pflegeschule der Diakonissen wegen der Pandemie geschlossen. Ihre Arbeitsaufträge bekamen die Schülerinnen und Schüler zunächst per E-Mail zugeschickt – die digitale Ausstattung für Videounterricht am heimischen Bildschirm war unzureichend. Ein Jahr später steht die Technik wackelfrei. Zudem gibt es mittlerweile auch Präsenzunterricht in Speyer.

Florian Frisch und seine Schulleiterin stimmen darin überein, dass die „Generalistik“ für die Pflege eine gute Sache sei. Die Auszubildenden hospitierten etwa in verschiedenen Krankenhausstationen und Pflegeeinrichtungen, in ambulanten Pflegediensten oder in der psychiatrischen Pflege. Schwierig sei es aber, derzeit ganz praktische Dinge wie eine Blutentnahme nicht üben zu können, sagt Frisch.

Auch die DRK-Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar bildet seit Anfang April erstmals in Neustadt zwei junge Männer und eine Frau zu Pflegefachkräften aus. Das Interesse an der gut vergüteten Ausbildung in Kooperation mit dem Altenheim Rotkreuzstift und dem Krankenhaus Hetzelstift sei groß, erzählt Sprecherin Elke Rudolph. Attraktiv sei der Beruf für junge Leute auch deshalb, weil das Deutsche Rote Kreuz Einsatzmöglichkeiten weltweit biete.

Viele Pflegekräfte stiegen aber gerade in der Corona-Pandemie aus, weil die Belastungen in ihrem Job sehr hoch und die Bezahlung oftmals ungenügend sei, erinnert Schulleiterin Schaller. „Schockiert“ sei sie darüber, dass die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie eine einheitliche tarifliche Vergütung für alle in der Pflege Tätigen ablehnten. Keine Frage ist es für Florian Frisch, dass der Pflegeberuf für ihn das Richtige ist. Die Patientinnen und Patienten seien dankbar für die Hilfe und die Zuwendung. „Man bekommt von ihnen so viel zurück“, sagt er. „Ich weiß abends, weshalb ich morgens zur Arbeit gegangen bin.“ Alexander Lang