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Gefährlich klingende Namen

von Jochen Krümpelmann

Jetzt ist es also beschlossene Sache, Deutschland liefert der Ukraine schwere Waffen: Den Flugabwehrpanzer „Gepard“. Die Rüstungsfirma Rheinmetall bietet den Kampfpanzer „Leopard“ an, darüber muss aber der Bundessicherheitsrat noch entscheiden. Gewünscht ist wohl nach wie vor der Schützenpanzer „Marder“. Namen, die nicht nur für hochwertige deutsche Rüstungsgüter stehen, sondern auch für die Kampfkraft, Schnelligkeit und Wendigkeit der namensgebenden Raubtiere.

Doch wieso tragen Fahrzeuge der Bundeswehr eigentlich Tiernamen? Die Bundeswehr selbst schreibt dazu auf ihrer Homepage: Der Name solle die Wucht beschwören, mit der ihr Besitzer die Waffe führt. Wer sie beim Namen rufe, beschwöre ihre tödliche Macht. Na, das klingt aber mal reichlich mystisch und brandgefährlich.

Fakt ist: Seit deutsche Rüstungsfirmen ab Mitte der 1960er-Jahre die Ausrüstung der deutschen Armee stellen, werden die Tier-Bezeichnungen verwendet. So heißt der neue Schützenpanzer „Puma“, der Geländewagen „Wolf“ und der Brückenlegepanzer „Biber“ sowie der Pionierpanzer „Dachs“. All diese Namen weisen laut Bundeswehr auf Eigenschaften hin, die dem Fahrzeug zugeschrieben werden: Der „Biber“ überbrücke Gewässer, der „Dachs“ wühle sich durch die Erde, der Luftlande-Waffenträger „Wiesel“ sei klein, flink und wendig.

Ein Geschmäckle hat das Namenssystem aber schon: Eingeführt haben es nämlich die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Ab 1942 bekamen neue Fahrzeuge Tiernamen statt Nummern, informiert die Bundeswehr. Das habe die Zuordnung vereinfacht. Und so gab es dann die Kampfpanzer „Panther“, den „Tiger“ und den „Königstiger“. Manche der Namen finden sich auch heute noch bei der Bundeswehr: Den „Tiger“ gibt es heute als Kampfhubschrauber, der „Marder“ hatte bei den Nationalsozialisten einen Vorläufer als Panzerjäger und den bis 2009 eingesetzten Spähpanzer „Luchs“ gab es bei der Wehrmacht als Panzerspähwagen. Ob man da wirklich in der richtigen Tradition der Namensgebung steht?

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Schnell, wendig und ein gefährlicher Jäger: Die Eigenschaften des Geparden sollen auch dem 2010 ausgemusterten Flugabwehrpanzer „Gepard“ zugeschrieben werden, der jetzt an die Ukraine geliefert werden soll. Foto: pixabay
Schnell, wendig und ein gefährlicher Jäger: Die Eigenschaften des Geparden sollen auch dem 2010 ausgemusterten Flugabwehrpanzer „Gepard“ zugeschrieben werden, der jetzt an die Ukraine geliefert werden soll. Foto: pixabay

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