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Freude schenken und Danke sagen

Geflüchtete in der Erstaufnahmeeinrichtung Speyer backen Weihnachtsplätzchen für Speyerer Bedürftige

„Frohe Weihnachten“ steht auf Geschenkanhängern in Form von selbst gebastelten Weihnachtsmännern, Sternen oder Rentierköpfen. In den Klarsichttüten stecken Kekse – bunt verziert. Etliche solcher Kekstüten stehen vor dem Martin-Luther-King-Haus vor der Speyerer Gedächtniskirche. Melissa Müller, Leiterin des Projekts „Soziale Arbeit im Quartier“ des Diakonischen Werks Pfalz – unterstützt von Land und Stadt – hat mit Geflüchteten aus der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) in Speyer rund 600 Kekse gebacken. „Wegen Corona unter strengen Hygieneauflagen“, sagt sie.

Die Kekse werden an die rund 25 Besucher der Initiative „Mahlzeit“ verteilt, die an diesem Tag das Essensangebot für Bedürftige wahrnehmen. Wegen der Pandemie geht der Honigbraten mit Spätzle und Salat an diesem Tag „to go“ über die Theke. Umso mehr scheinen sich die Besucher über die Plätzchen zu freuen. Genau das ist das Ziel von Müller: Begegnungen zwischen Speyerern und Geflüchteten schaffen, gerade in der Weihnachtszeit.

Das passiert auch auf weiteren Wegen. So kamen über einen Wunschbaum im Geschäft Sakul in der Innenstadt Geschenke für die Kinder der Spielstube in der Afa zusammen. Die Kinder in der Afa – 812 Menschen leben zurzeit laut ADD-Sprecherin Eveline Dziendziol dort – haben wiederum zwei Weihnachtsbäume in der Maximilianstraße geschmückt und Weihnachtskarten für das Awo-Seniorenhaus gestaltet. Ein Weihnachtsbaum wird noch am Eingang der Afa aufgestellt und verziert.

Glücklich sind Sinan Degirmen und Mehmetcan Ünver, die zur Plätzchenübergabe mitgekommen sind. Beide sind aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet, weil sie als Anhänger der Gülen-Bewegung fürchten müssen, eingesperrt zu werden. „Teilen ist in unserer Kultur und Religion wichtig, wir wollen Freude schenken, Dankbarkeit ausdrücken“, sagt Degirmen. Weihnachtsplätzchen haben die beiden zuvor noch nie gebacken. „Bei uns wird gebacken, wenn jemand von einer Pilgerreise zurückkehrt“, sagt der 27-jährige Ünver. Gebacken werde auch zum Fest des Fastenbrechens. Weihnachten als Fest sei ihnen nicht fremd, sie hätten christliche Freunde in der Türkei.

Die gebürtige Iranerin Ronek Ohanes, die seit mehr als 35 Jahren in Speyer lebt und in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat aus ihrer Kindheit wieder andere Erinnerungen. Sie ist assyrische Christin. „Der Advent war für uns Fastenzeit. Erst zu Heiligabend wurde gebacken.“ Wichtig sei an Weihnachten aber vor allem eins, das sie in ihrem Engagement bestärkt: Nächstenliebe. flor

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Vor der Gedächtniskirche (von links): Ronek Ohanes, Mehmetcan Ünver, Melissa Müller und Sinan Degirmen. Foto: Landry
Vor der Gedächtniskirche (von links): Ronek Ohanes, Mehmetcan Ünver, Melissa Müller und Sinan Degirmen. Foto: Landry

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